| # taz.de -- Amokfahrt von Mannheim: Täter zu lebenslanger Haft verurteilt | |
| > Als ein Amokfahrer am Rosenmontag 2025 in Mannheim in eine Menge raste, | |
| > starben zwei Menschen. Jetzt verurteilte das Landgericht den Täter. | |
| Bild: Lebenslang: Der Mörder von Mannheim und sein Anwalt | |
| afp/dpa | Im Prozess um die tödliche Amokfahrt am Rosenmontag in Mannheim | |
| ist der Beschuldigte wegen Mordes und versuchten Mordes zu lebenslanger | |
| Haft verurteilt worden. Das Landgericht Mannheim ordnete nach Angaben eines | |
| Sprechers am Donnerstag zugleich an, den 40 Jahre alten Mann in einer | |
| Psychiatrie unterzubringen. | |
| Laut Anklage war der Mann aus Ludwigshafen [1][am 3. März dieses Jahres um | |
| 12.14 Uhr mit seinem Wagen mit mindestens 50 Kilometern pro Stunde in die | |
| Fußgängerzone] gefahren. Dann habe er deutlich beschleunigt und gezielt | |
| mehrere Passanten angefahren. Bewusst habe er dabei das | |
| „Überraschungsmoment“ ausgenutzt, hatte Oberstaatsanwältin Jeanette | |
| Zipperer ausgeführt. | |
| Eine 83-jährige Frau und ein 54-jähriger Mann starben noch in der | |
| Fußgängerzone. 14 weitere Menschen wurden teils schwer verletzt, bevor ein | |
| Taxifahrer den Mann stoppen konnte. Ein politisches Tatmotiv gibt es laut | |
| Anklageschrift nicht, demnach leidet der Beschuldigte dafür seit Jahren an | |
| einer psychischen Erkrankung. | |
| Zum Prozessauftakt hatte der Verteidiger des Angeklagten erklärt, sein | |
| Mandant habe die Amokfahrt in Offenbach geplant. Dort lebe der Vater des | |
| Mannes. Blitzartig sei ihm die Idee gekommen, die Tat in die Mannheimer | |
| Innenstadt zu verlegen. Der 40-Jährige habe sich in einer „seelischen | |
| Krise“ befunden, sagte Anwalt Uwe Kosmala. Er habe eine starke Wut gefühlt | |
| und Selbstzweifel gehabt und bei der Fahrt selbst zu Tode kommen wollen. | |
| ## Versuchte Selbsttötung | |
| Als der Angeklagte in einer Sackgasse wendete, um zu flüchten, habe ihm ein | |
| Taxifahrer den Weg versperrt, so die Anklage. Der 40-Jährige habe daraufhin | |
| mit einer Schreckschusswaffe einen Schuss gegen die beschädigte | |
| Windschutzscheibe abgefeuert, um den Taxifahrer einzuschüchtern. | |
| Dann sei der Mann geflohen. Mit der Waffe soll er sich kurz darauf in den | |
| Mund geschossen haben, um sich selbst zu töten. Danach habe sich der | |
| Verdächtige in einem Schienenkanal unter einem Kran versteckt. Die Polizei | |
| fand ihn. | |
| Weil er laut Aussagen von Polizisten apathisch wirkte, zitterte und | |
| mehrmals das Bewusstsein verlor, kam der 40-Jährige in ein Krankenhaus. | |
| Dort soll er von einer schweren Kindheit mit Gewalt, Drogen und Alkohol | |
| berichtet haben. Er habe seinen Job und damit auch seine | |
| Krankenversicherung verloren. Dadurch habe er seine Medikamente nicht mehr | |
| nehmen können. An jenem Montag brannten bei ihm die Sicherungen durch, wie | |
| er gesagt haben soll. Seither saß der Angeklagte in Untersuchungshaft. | |
| Die Staatsanwaltschaft hatte erklärt, dass der Mann wohl seit vielen Jahren | |
| an einer psychischen Erkrankung leide. Es sei daher nicht auszuschließen, | |
| dass er zur Tatzeit vermindert schuldfähig war. Ein psychiatrischer | |
| Gutachter hatte vergangene Woche vor dem Gericht ausgesagt – allerdings | |
| unter Ausschluss der Öffentlichkeit. | |
| Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung forderten im | |
| Anschluss, den Mann [2][in einem psychiatrischen Krankenhaus | |
| unterzubringen]. Die Staatsanwaltschaft hatte zudem auf eine lebenslange | |
| Freiheitsstrafe wegen Mordes plädiert, wie ein Sprecher des Gerichts | |
| mitteilte. Die Nebenkläger hätten sich den Ausführungen und Anträgen der | |
| Anklagebehörde angeschlossen. Die Verteidigung habe keinen Antrag zur | |
| Strafhöhe gestellt. | |
| 18 Dec 2025 | |
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