| # taz.de -- Bürgerkrieg in DR Kongo: Ein Friedensschluss „für die Schublade… | |
| > Kongolesische Regierung und M23-Rebellen haben in Katar ein lang | |
| > erwartetes Friedensabkommen unterzeichnet. Ob es den Konflikt beendet, | |
| > ist fraglich. | |
| Bild: Friedensabkommen: Sumbu Sita Mambu (l.), Vertreter der Demokratischen Rep… | |
| Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo und die kongolesischen | |
| Rebellen der M23 (Bewegung des 23. März) haben am Samstag in Katars | |
| Hauptstadt Doha [1][ein lang erwartetes Friedensabkommen] unterzeichnet. | |
| Beide Kriegsparteien haben sich in den vergangenen Monaten mehrfach in Doha | |
| unter Schirmherrschaft von Katars Außenminister Mohammed bin Abdulaziz | |
| al-Khulaifi und dem US-Sondergesandten für Afrika, Massad Boulos, | |
| eingefunden, um dieses Abkommen auszuarbeiten. Im Juli hatten sie eine | |
| Absichtserklärung unterzeichnet, die einen Fahrplan in Richtung Friede | |
| ausformulieren sollte. Damals wurden diejenigen Punkte vereinbart, über | |
| welche verhandelt werden sollte. Jetzt ist die Unterschrift erfolgt. | |
| Von den ursprünglich acht Punkten, die im Juli bekräftigt worden waren, | |
| seien bereits zwei erfüllt worden, so das Abkommen vom Samstag, das der taz | |
| vorliegt. Darunter die Ausarbeitung eines Mechanismus, um die | |
| Kriegsgefangen beider Seiten freizulassen, unterzeichnet im September; | |
| sowie das Waffenstillstandsabkommen, unterzeichnet im Oktober. | |
| Über die weiteren, noch ausstehenden sechs Punkte soll in den nächsten | |
| Wochen weiterverhandelt werden, so das Abkommen: darunter der Zugang | |
| internationaler Hilfswerke zu von der M23 besetzten Gebieten sowie die | |
| Entwaffnung der zahlreichen bewaffneten Gruppen, die auf beiden Seiten | |
| kämpfen. | |
| ## Wie ein Staat im Staat | |
| Der umstrittenste Punkt ist die Frage nach der „Wiederherstellung der | |
| Staatsgewalt“, wie es im Abkommen heißt. Die M23-Rebellen hatten im Januar | |
| und Februar im Ostkongo entlang der Grenze zu Ruanda die beiden | |
| Provinzhauptstädte Goma und Bukavu eingenommen und dort eine | |
| Parallelregierung installiert, die nun das eroberte Gebiet wie ein Staat im | |
| Staat regiert. | |
| Die Regierung in der weit entfernten Hauptstadt Kinshasa fordert, die M23 | |
| solle dieses Gebiet wieder ihrer Hoheit unterstellen. „Die beiden Parteien | |
| engagieren sich darin, die Wiederherstellung der öffentlichen Verwaltung | |
| sowie der wesentlichen Dienstleistungen – darunter Banken, Zoll und | |
| Infrastruktur – zu koordinieren“, heißt es diesbezüglich im Abkommen. | |
| Kongos Außenministerin Therese Wagner hatte am [2][Donnerstag erneut | |
| gefordert], das Nachbarland Ruanda müsse ebenso alle seine Truppen, die der | |
| M23 militärisch unter die Arme greifen, vom kongolesischen Staatsgebiet | |
| abziehen. Vorher würde es keine finale Einigung geben, so Wagner. „Es gibt | |
| kein Szenario, in welchem die kongolesische Regierung je eine | |
| Besatzungsmacht auf ihrem Staatsgebiet akzeptieren wird“, stellte Wagner | |
| klar. | |
| Ruanda bestreitet die Präsenz seiner Soldaten und die Militärhilfe für die | |
| M23 und fordert seinerseits Kongos Regierung auf, die militärische | |
| Unterstützung der ruandischen Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur | |
| Befreiung Ruandas), die im Kongo stationiert ist, zu stoppen. | |
| ## Mutmaßliche Völkermordtäter in DR Kongo stationiert | |
| In der FDLR-Führung, die seit mehr als 30 Jahren vom Kongo aus gegen | |
| Ruandas Regierung kämpft, tummeln sich nach wie vor zahlreiche mutmaßliche | |
| Täter des Völkermordes an über einer Million Tutsi in Ruanda 1994. Die | |
| FDLR-Einheiten [3][waren im Krieg gegen die M23 in Kongos Armee | |
| eingebettet], wurden von ihr ausgerüstet und bezahlt. | |
| Die von Tutsi-Generälen geführte M23 haben mittlerweile die FDLR aus ihrem | |
| Stammgebiet vertrieben, zahlreiche Kriegsgefangene gemacht, die sie an | |
| Ruanda überstellten – und dieses Territorium nun ihrerseits besetzt. Kongo | |
| und Ruanda haben sich in einem gesonderten Abkommen geeinigt, ein | |
| gemeinsames Verifikationsteam einzurichten, das die Entwaffnung der FDLR | |
| überwacht. | |
| M23-Kreise lassen gegenüber der taz verlauten, dass das Abkommen von Doha | |
| ein Dokument sei, welches man „in die Schublade“ legen werde, ohne dass | |
| sich daraus wesentliche Veränderungen im Konfliktgebiet ergeben. Sprich: | |
| Ein Rückzug werde nicht erfolgen. Das eigentliche Ziel hinter den | |
| Verhandlungen sei gewesen, dass die US-Administration und die | |
| internationale Gemeinschaft die „Hintergründe des Kampfes“ verstehe, heißt | |
| es vonseiten der Rebellen. | |
| Der US-Sondergesandte für Afrika betonte: „Die Leute erwarten | |
| wahrscheinlich, sofort Ergebnisse vor Ort zu sehen, aber das ist ein | |
| Prozess“, so Boulos. [4][Es müsse noch viel getan werden.] „Das ist kein | |
| Lichtschalter, den man einfach ein- und ausschalten kann.“ | |
| 16 Nov 2025 | |
| ## LINKS | |
| [1] /Friedensprozess-in-der-DR-Kongo/!6103104 | |
| [2] https://www.aljazeera.com/video/talk-to-al-jazeera/2025/11/13/drc-fm-rwanda… | |
| [3] /Verhaftungen-in-der-DR-Kongo/!6102285 | |
| [4] /Politologe-zu-Kongos-Friedensprozess/!6102266 | |
| ## AUTOREN | |
| Simone Schlindwein | |
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