| # taz.de -- Neue Studie über Femizide: Gekränkte Männer, tote Frauen | |
| > Es sind Partner oder Ex-Partner, die Frauen umbringen. Es ist keine Zeit, | |
| > darauf zu warten, dass Männer sich ändern. Es muss jetzt etwas passieren. | |
| Bild: Protest gegen sexualisierte Gewalt und Femizide anlässlich des Frauentag… | |
| Männer töten in Deutschland jährlich Hunderte Frauen, weil sie Frauen sind. | |
| In vielen Fällen würgen oder schlagen sie sie davor, verletzten sie | |
| psychisch und physisch. Eine [1][neue Studie] der Uni Tübingen und des | |
| Kriminologischen Instituts Niedersachsens zeigt, dass der überwiegende Teil | |
| dieser Femizide in Paarbeziehungen passiert. Meist töten Männer ihre | |
| (Ex-)Partnerinnen, weil sie eifersüchtig sind oder eine Trennung | |
| befürchten. | |
| Die kanadische Autorin Margaret Atwood hat dieses Ungleichgewicht einmal so | |
| beschrieben: „Männer haben Angst, dass Frauen sie auslachen. Frauen haben | |
| Angst, dass Männer sie umbringen.“ Frauen verlieren ihr Leben, weil sich | |
| Männer gekränkt fühlen. Das ist perfide Realität. Es muss endlich etwas | |
| passieren. | |
| Zum einen braucht es viel mehr Prävention. Denn Frauen können nicht darauf | |
| warten, dass Männer sich ändern. Frauen erleben heute Gewalt. Sämtliche | |
| Forderungen liegen seit Langem auf dem Tisch, diese müssen umgesetzt | |
| werden. Deutschland ist völkerrechtlich verpflichtet, 21.000 | |
| [2][Frauenhausplätze] vorzuhalten, davon existieren jedoch nur etwa 7.000 | |
| bis 8.000 – das ist ein Skandal. Denn die Studie zeigt auch: Jede vierte | |
| Frau, die einen Platz im Frauenhaus suchte, hatte Probleme, unterzukommen. | |
| Außerdem braucht es viel mehr Beratungsangebote. Polizist:innen müssen | |
| besser geschult werden. Nicht einmal die Hälfte der getöteten Frauen hatte | |
| sich vor dem Femizid an die Polizei gewandt, selbst wenn bereits Gewalt in | |
| der Beziehung passierte. Das muss ein Weckruf sein – die | |
| Zugangsmöglichkeiten und die Hemmschwelle, sich an die Polizei zu wenden, | |
| müssen viel niedriger werden. | |
| ## Lange Liste | |
| Die Liste ließe sich weiterführen: [3][Die elektronische Fußfessel], | |
| langfristige, gesetzlich gesicherte Finanzierung von Beratungsstellen, die | |
| Förderung von Mehrsprachigkeit im Gewaltschutz, die ausreichende | |
| Finanzierung der Täterarbeit, weitere wissenschaftliche Aufarbeitung von | |
| Femiziden. Auch eine Strafrechtsreform der Tötungsdelikte und eine Reform | |
| des Sorge- und Umgangsrechts schlagen Strafrechtler:innen vor. | |
| Vor allem aber muss sich zwischen Menschen etwas ändern. Denn Frauen können | |
| zwar nicht darauf warten, dass Männer sich ändern – aber ändern müssen sie | |
| sich trotzdem. Die strukturelle geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen | |
| liegt einem viel weiter verbreiteten Sexismus zugrunde. Wenn männliche | |
| Identität nach wie vor auf patriarchalen Vorstellungen beruht, auf der | |
| Idee, dominant zu sein und stark und Frauen sowieso überlegen, ist das eine | |
| verdammt wacklige Identität. Und Frauen werden schnell eine Bedrohung für | |
| die patriarchalen Machtansprüche. | |
| Männer müssen diese Muster verlernen. Sie müssen sich und anderen erlauben, | |
| verletzlich zu sein, Freundschaften zu führen, in Therapie zu gehen, | |
| Kränkungen zu ertragen, sich um andere zu sorgen, echte Verbindungen auf | |
| Augenhöhe zu führen. Nur dann hören sie vielleicht irgendwann auf, für | |
| Frauen im schlimmsten Fall eine Lebensgefahr zu sein. | |
| 21 Nov 2025 | |
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| ## AUTOREN | |
| Amelie Sittenauer | |
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