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# taz.de -- Kriegsverbrechen in Peru: Die Würde der Mörder, nicht der Opfer
> Zwischen 1980 und 2000 wurden in Peru Zehntausende von Polizei und
> Militär getötet, gefoltert und misshandelt. Jetzt genießen die Täter
> Amnestie.
Bild: Amnestie für Täter, danke Perus Präsidentin Dina Boluarte
Berlin taz | Der Albtraum peruanischer Menschenrechtsorganisationen ist
wahr geworden: [1][Perus Präsidentin Dina Boluarte] hat am Mittwoch ein
Gesetz unterzeichnet, das alle von Militär, Polizei und rechten
Paramilitärs begangenen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen
während des bewaffneten Konfliktes zwischen 1980 und 2000 straffrei stellt.
„Mit dem Inkraftsetzen dieses Amnestiegesetzes“, sagte Boluarte, „erkennen
Perus Regierung und Parlament das Opfer an, das die Mitglieder der
Streitkräfte, der Polizei und der Selbstverteidigungsgruppen im Kampf gegen
den Terrorismus erbracht haben. Wir geben ihnen die Würde zurück, die
niemals hätte in Frage gestellt werden dürfen.“
Während des blutigen Konfliktes zwischen dem Staat und der maoistischen
Guerilla Leuchtender Pfad und anderen linken Guerillagruppen waren in den
zwei Jahrzehnten rund 70.000 Menschen getötet worden, 20.000 Menschen
„verschwanden“.
Laut den [2][Recherchen der Unabhängigen Wahrheits- und
Versöhnungskommission], die [3][ihren Abschlussbericht 2003 vorlegte],
gingen knapp die Hälfte der Toten und über 80 Prozent aller Fälle
sexualisierter Gewalt im Rahmen des Konfliktes auf das Konto von Militär
und Polizei.
## Ein Gesetz, das Straflosigkeit sicherstellt
Seither waren über 150 Täter wegen solcher Verbrechen verurteilt worden,
rund 600 Ermittlungsverfahren sind noch im Gange – bislang. Mit dem neuen
Gesetz dürften sich die mutmaßlichen Täter in Sicherheit wiegen.
Juanita Goebertus, Regionaldirektorin von Human Rights Watch, kritisiert
das Gesetz als einen Verrat an den Opfern. Es untergrabe Jahrzehnte der
Bemühungen, die Verantwortlichen für die Grausamkeiten zur Rechenschaft zu
ziehen und schwäche den Rechtsstaat, sagte sie.
„Dieses Amnestiegesetz ist ein Gesetz, das Straflosigkeit sicherstellt“,
sagt Jo-Marie Burt, Peru-Expertin beim Washington Office on Latin America.
„Peru ist vom Standpunkt internationalen Rechts gesehen damit ein
Paria-Staat. Das Gesetz stellt Peru auf die gleiche Stufe wie Venezuela und
Nicaragua.“
Schon als das Gesetz im Juli vom Parlament verabschiedet worden war, hatte
unter anderem die [4][UN-Menschenrechtskommission Alarm geschlagen]: „Peru
ist verpflichtet, schwere Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen nach
internationalem Recht zu ermitteln, zu verfolgen und zu bestrafen“, heißt
es in einer Erklärung. „Internationale Standards verbieten Amnestien oder
Begnadigungen für solche schwerwiegenden Verbrechen.“
Bereits 2024 wurde eine Verjährungsfrist für Verbrechen gegen die
Menschlichkeit beschlossen, die vor 2002 begangen wurden. Dadurch wurden
Hunderte Ermittlungen zu mutmaßlichen Verbrechen praktisch eingestellt.
Diese Initiative kam [5][dem 2024 verstorbenen Präsidenten Alberto
Fujimori] zugute, der wegen seiner Verantwortung für Gräueltaten inhaftiert
war, aber 2023 „aus humanitären Gründen“ frei kam. Die äußerst unbelieb…
Präsidentin Boluarte hatte Ende 2022 und Anfang 2023 eine
[6][Niederschlagung sozialer Proteste] angeordnet, bei der etwa 60 Menschen
getötet wurden. (mit epd)
14 Aug 2025
## LINKS
[1] /Perus-Praesidentin-Dina-Boluarte/!6011808
[2] https://www.menschenrechte.org/de/2003/08/30/wahrheitskommission-peru/
[3] /Tausendfacher-Horror-in-neun-Baenden/!717527
[4] https://www.ohchr.org/en/press-releases/2025/07/peru-bill-establishing-amne…
[5] /Alberto-Fujimori-in-Peru-gestorben/!6036411
[6] /Bericht-zu-Repression-in-Peru/!6024689
## AUTOREN
Bernd Pickert
## TAGS
Peru
Amnestie
Kriegsverbrechen
Polizei
Militär
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