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# taz.de -- Nach Suizid eines 15-Jährigen: Ermittlungen gegen Beamte der JVA O…
> Ein erst 15 Jahre alter Junge begeht in der Justizvollzugsanstalt
> Ottweiler Suizid. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei
> Mitarbeiter.
Bild: Die Justizvollzugsanstalt Ottweiler im Saarland
Frankfurt am Main taz | Am vergangenen Freitag nahm sich ein 15-jähriger
Jugendlicher in der [1][Justizvollzugsanstalt (JVA) Ottweiler] im Saarland
das Leben. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken bestätigte der taz, dass im
Zusammenhang mit dem Suizid zwei Verdachtsprüfungen laufen. Im Fokus steht
auch der Vorwurf der Körperverletzung gegen den verstorbenen Jugendlichen.
In sozialen Netzwerken hieß es, der Suizid des Jugendlichen stehe in
direktem Zusammenhang mit Misshandlungen durch das Anstaltspersonal.
Demnach soll der 15-Jährige über längere Zeit Hunger gelitten und
schließlich Süßigkeiten aus einer anderen Zelle gestohlen haben. Daraufhin,
so zumindest die Vorwürfe, habe ihn ein JVA-Beamter getreten und
geschlagen.
Der Vorfall wurde überhaupt erst bekannt, als 17 Mithäftlinge gegen die
Haftbedingungen protestierten und sich weigerten, nach der Freistunde in
ihre Zellen zurückzukehren. Spezialkräfte des SEK und JVA-Beamte konnten
den Protest erst nach mehreren Stunden beenden. Auch in diesem Fall
beschuldigten Häftlinge mindestens zwei JVA-Beamte der Körperverletzung.
Die Polizeiinspektion Neunkirchen leitete daraufhin drei
Ermittlungsverfahren ein.
Mehrere Initiativen weisen in sozialen Netzwerken darauf hin, dass der
Verstorbene ein Schwarzer Jugendlicher war. Die Grüne Jugend erklärte:
„Rassistisch motivierte Gewalt in deutschen Gefängnissen darf kein
Tabuthema mehr sein.“ Ein solcher Fall dürfe sich nicht wiederholen.
## Rechtausschuss soll Fall ausarbeiten
Auch die [2][saarländische Politik] reagiert: Der Rechtsausschuss des
Landtags soll sich mit den Vorgängen in der JVA befassen. Jens Diener
(SPD), Staatssekretär im Justizministerium, kündigte an, das Ministerium
werde im Ausschuss „über die Vorgänge und den Stand der Aufklärung
informieren“.
Florian Spaniol, Landesvorsitzender [3][der Linken], forderte eine
umfassende Untersuchung – auch im Hinblick auf mögliche rassistische Motive
im Umgang mit dem Jugendlichen. Er warnte vor einem „Wegsehen“ und mahnte
weitreichende Reformen im Strafvollzug an: „Wir brauchen bessere
Suizidprävention, psychische Betreuung und unabhängige Kontrolle.“
Spaniol sprach von einem erschütternden Beispiel für das Versagen im
Justizsystem und forderte, dass das Ministerium sich nicht hinter
Standardverfahren verstecken dürfe. „Es braucht eine lückenlose und
unabhängige Aufklärung des Geschehens“, betonte er.
Auch die Gewerkschaft Bund Saarländischer Justizvollzugsbediensteter
äußerte sich im Gespräch mit dem Saarländischen Rundfunk zu den Vorwürfen.
Sie forderte eine sorgfältige und objektive Untersuchung und betonte, der
Schutz aller Gefangenen, besonders jugendlicher Insassen, habe für
Justizvollzugsbeamte oberste Priorität. Gleichzeitig betonte die
Gewerkschaft, dass die Vorwürfe bislang unbewiesen seien und für die
betroffenen Beamten die Unschuldsvermutung gelte.
7 Aug 2025
## LINKS
[1] /Interview-zu-Digitalisierung-im-Gefaengnis/!vn6049440/
[2] /Saarland/!t5050085
[3] /Linke-Pleite-bei-Saarland-Wahl/!5841587
## AUTOREN
Yağmur Ekim Çay
## TAGS
JVA
Saarland
Gefängnis
Suizid
Social-Auswahl
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Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)
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