# taz.de -- Diskriminierung im ÖPNV: Rassismus fährt mit | |
> Ein BVG-Busfahrer beleidigt einen Fahrgast offenbar rassistisch – es wäre | |
> kein Einzelfall. Die Grünen fordern eine Stärkung der LADG-Ombudsstelle. | |
Bild: Die BVG liebt Diversität – jedenfalls in der Theorie | |
Berlin taz | Auf der Buslinie M41 ist es am Dienstag offenbar zu einer | |
rasssistischen Äußerung eines Fahrers gegenüber einem Fahrgast gekommen. | |
Die taz erfuhr von dem Vorfall durch eine andere Nutzerin des Busses, die | |
auch bei der BVG Beschwerde einreichte. Demnach soll der Busfahrer einem | |
Mann im Rollstuhl „Scheiß Ausländer!“ hinterhergerufen haben, nachdem er | |
diesem am Hermannplatz beim Verlassen den Fahrzeugs geholfen habe. | |
Sie habe den Fahrer beim Aussteigen auf dessen Aussage angesprochen, so die | |
Frau. Der habe ihr sinngemäß geantwortet, es könne ja schließlich „niemand | |
hier mehr Deutsch“. Gegenüber der BVG forderte die Nutzerin eine | |
Überprüfung und Konsequenzen aus dem Verhalten des Fahrers. | |
Eine Sprecherin der BVG teilte der taz auf Nachfrage mit, das Unternehmen | |
nehme den geschilderten Vorfall „sehr ernst“, man habe „umgehend begonnen, | |
ihn intern zu prüfen“. Allerdings lägen bislang noch keine weiteren | |
Informationen dazu vor. Grundsätzlich gelte: „Für rassistische oder | |
diskriminierende Äußerungen ist bei uns kein Platz – weder im Unternehmen | |
noch im Umgang mit Fahrgästen.“ Sollte sich der Vorwurf bestätigen, würden | |
„entsprechende Konsequenzen“ gezogen. | |
Auch wenn die BVG aufwändig das Image eines Unternehmens pflegt, das | |
Diversität lebt und liebt, kommt es immer wieder zu verbalen oder | |
körperlichen Übergriffen durch eigene MitarbeiterInnen oder solchen, die im | |
Auftrag der BVG tätig werden, etwa im Bereich der Fahrscheinkontrolle. Vor | |
zwei Jahren musste die BVG einem schwarzen US-Amerikaner [1][wegen eines | |
Übergriffs durch ein Kontrolleursteam Schadensersatz] zahlen. Und 2021 | |
hatte es eine [2][Social-Media-Kampagne mit dem Hashtag | |
#BVGWeilWirUnsFuerchten] gegeben. | |
## „Rassismus bleibt Alltag“ | |
Für Tuba Bozkurt, Sprecherin der Grünenfraktion für Antidiskriminierung, | |
zeigt der Vorfall im M41 „erneut, dass Alltagsrassismus auch in Berlin kein | |
Randphänomen ist – und dass er selbst im öffentlichen Nahverkehr, wo | |
Menschen auf Schutz und Respekt angewiesen sind, Alltag bleibt“. Die Grünen | |
hätten deshalb vor 5 Jahren das Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) | |
eingeführt – ein aktueller Senatsbericht belege aber, dass auch 2024 fast | |
2.000 Diskriminierungsbeschwerden mit Bezug zur Berliner Verwaltung | |
registriert wurden. | |
Die BVG habe laut diesem Bericht bisher in keinem Fall eine Diskriminierung | |
im Sinne des LADG anerkannt, so Bozkurt zur taz. Zudem hätten von rund | |
16.000 Mitarbeitenden der Verkehrsbetriebe bislang nur wenige Hundert | |
verpflichtende Fortbildungen zu Antidiskriminierung und Diversity besucht. | |
Das sei „Ausdruck einer strukturellen Schieflage“, findet die | |
Grünenabgeordnete. „Lippenbekenntnisse reichen nicht. Wir brauchen ein | |
Diversity-Management, das verbindlich wirkt: mit flächendeckenden | |
Schulungen, klaren internen Meldestellen und vor allem spürbaren | |
Konsequenzen bei Fehlverhalten.“ | |
Das LADG sei ein Fortschritt, sagt Bozkurt, mittlerweile zeige sich aber, | |
dass die Umsetzung nicht ausreiche. Der Senat müsse „endlich Verantwortung | |
übernehmen“ und die Ombudsstelle stärken, anstatt Probleme kleinzureden. | |
„Denn“, so Bozkurt, „jedes ignorierte Opfer bedeutet ein Stück verlorenes | |
Vertrauen in die öffentliche Hand.“ | |
6 Aug 2025 | |
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## AUTOREN | |
Claudius Prößer | |
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