| # taz.de -- Regierungsbesuch in China: Scholz fordert mehr Druck auf Putin | |
| > Scholz will Xi Jinping zu einer aktiveren Rolle bei der Beendigung des | |
| > Ukraine-Kriegs bewegen. Auch auf Taiwan spielte der Kanzler beim Besuch | |
| > in China an. | |
| Bild: Staredown-Contest in Peking: Bundeskanzler Scholz trifft Xi Jinping, den … | |
| Peking rtr/afp | Kanzler Olaf Scholz drängt China zu einer aktiveren Rolle | |
| im Krieg Russlands gegen die Ukraine. Er wolle mit Chinas Präsident Xi | |
| Jinping darüber diskutieren, „wie wir mehr zu einem gerechten Frieden in | |
| der Ukraine beitragen können“, sagte Scholz am Dienstag in Peking zum | |
| [1][Auftakt eines Treffens mit Xi]. „Der russische Angriffskrieg auf die | |
| Ukraine sowie die Aufrüstung Russlands haben ganz erhebliche negative | |
| Auswirkungen auf die Sicherheit in Europa. Sie beeinträchtigen unsere | |
| Kerninteressen unmittelbar.“ | |
| Hintergrund sind Vorwürfe westlicher Regierungen, dass China Russland zwar | |
| nicht mit Waffen, [2][aber mit sogenannten Dual-Use-Gütern unterstützt], | |
| die zivil genutzt werden können, die Russland aber für seinen Angriffskrieg | |
| verwenden soll. Scholz mahnte, dass der Angriff „mittelbar“ die gesamte | |
| internationale Ordnung beschädige. Denn er verletze den Grundsatz der | |
| Charta der UN, dass Staatsgrenzen nicht verletzt werden dürften. Sowohl Xi | |
| als auch er hätten bereits deutlich gemacht, dass Russland mit dem Einsatz | |
| von Nuklearwaffen nicht einmal drohen dürfe. China ist wie Russland | |
| ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats. | |
| Der chinesische Präsident Xi Jinping ging bei der Begrüßung nicht auf das | |
| Thema ein. Er sagte nur allgemein, dass die Beziehungen zu Deutschland | |
| stetig weiterentwickelt würden, solange beide Seiten einander respektierten | |
| und „Gemeinsamkeiten“ suchten, auch wenn es weiter Unterschiede gebe. Dies | |
| gilt als Formulierung, mit der sich China Einmischungen in innere | |
| Angelegenheiten und etwa Kritik an der Menschenrechtslage im Land | |
| verbittet: „Wir müssen die bilateralen Beziehungen aus einer langfristigen | |
| und strategischen Perspektive heraus betrachten und entwickeln“, so Xi. | |
| [3][Der chinesische Autokrat Xi Jinping] betonte eine positive | |
| Entwicklungen der bilateralen Beziehungen und deren internationale | |
| Bedeutung. „China und Deutschland sind die zweit- und drittgrößten | |
| Volkswirtschaften der Welt.“ Die Entwicklung der Beziehungen habe „wichtige | |
| Auswirkungen auf den asiatisch-europäischen Kontinent und sogar auf die | |
| ganze Welt“. Gemeinsam werde man für mehr Stabilität und Sicherheit in der | |
| Welt sorgen. | |
| ## Anspielungen auf Taiwan | |
| Die USA hatten China im Vorfeld von Scholz' Besuch vorgeworfen, [4][den | |
| russischen Rüstungssektor massiv zu unterstützen]. „Ohne den Beitrag der | |
| Volksrepublik China hätte Russland Schwierigkeiten, seine | |
| Kriegsanstrengungen aufrechtzuerhalten“, sagte ein hochrangiger | |
| US-Vertreter. Nach US-Angaben ist China für Russland der wichtigste | |
| Lieferant von Werkzeugmaschinen und Mikroelektronik, die zur Herstellung | |
| von Raketen, Drohnen, Panzern und Flugzeugen nötig sind. | |
| Scholz hatte in einer Debatte mit chinesischen Studenten am Montag in | |
| Schanghai gesagt, dass sowohl im Privatleben als auch zwischen Staaten | |
| gelten sollte, dass sich niemand vor einem großen, starken Nachbarn | |
| fürchten sollen müsse. Dies war eine Anspielung etwa auf die Konflikte | |
| Chinas mit seinen Nachbarn im Südchinesischen Meer. | |
| Der Kanzler will am Dienstag auch Ministerpräsident Li Qiang treffen und an | |
| einem deutsch-chinesischen Wirtschaftstreffen teilnehmen. Scholz wird auf | |
| seiner dreitägigen Reise von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Vor | |
| Peking hatte er die Städte Chongqing und Schanghai besucht. Zuletzt war | |
| Scholz im November 2022 in China gewesen, 2023 fanden bilaterale | |
| Regierungskonsultationen in Berlin statt. | |
| Scholz hatte im Vorfeld seiner Reise darauf verwiesen, dass sein Besuch auf | |
| Grundlage der neuen China-Strategie stattfinden, die aus geopolitischen | |
| Gründen und wegen der innenpolitischen Entwicklung in China einen deutlich | |
| kritischeren Ton gegenüber Peking anschlägt. In Schanghai hatte er auf | |
| gleiche Wettbewerbsbedingungen für deutschen Unternehmen gepocht. In Peking | |
| verwies er vor dem Gespräch mit Xi darauf, dass Deutschland und China als | |
| Exportnationen von den Regeln der Welthandelsorganisation profitierten. | |
| Dies war eine Anspielung auf die Kritik an chinesischen Überkapazitäten, | |
| die auf die Weltmärkte gelangen. Etliche Staaten und auch die EU werfen | |
| China einen unfairen Wettbewerb vor. | |
| Scholz betonte vor seinen Gesprächen mit Xi die Bedeutung der | |
| Zusammenarbeit mit China beim Kampf gegen den Klimawandel. „Extreme | |
| Wetterereignisse wie Stürme, Hochwasser, Dürren und Kälte betreffen die | |
| ganze Welt“, sagte Scholz. „Nur gemeinsam wird es uns gelingen, | |
| Lösungsansätze zu finden, den Klimawandel zu stoppen und die grüne | |
| Energiewende sozial gerecht zu bewältigen.“ | |
| Das Treffen von Scholz und Xi erfolgte am letzten Tag der insgesamt drei | |
| Tage umfassenden China-Reise von Scholz in Begleitung mehrerer | |
| Bundesminister und Wirtschaftsvertreter. Vorgesehen ist am Dienstag auch | |
| ein Treffen mit dem Ministerpräsidenten Li Qiang. Scholz will bei den | |
| Gesprächen in Peking neben der Ukraine auch Wettbewerbsfragen zur Sprache | |
| bringen. Ein weiteres wichtiges Thema dürfte die Lage im Nahen Osten nach | |
| dem iranischen Angriff auf Israel sein. | |
| ## Autokonzerne warnen vor Handelsstreit | |
| Die Chefs der beiden deutschen Autokonzerne BMW und Mercedes warnten vor | |
| einem Handelsstreit etwa über chinesische E-Autos in Europa. „Was wir nicht | |
| gebrauchen können als Exportnation sind steigende Handelshindernisse“, | |
| sagte Mercedes-Chef Ole Källenius in Peking der ARD zu der EU-Prüfung, ob | |
| es einen unfairen Wettbewerb durch chinesische E-Autos gibt. „Der beste | |
| Schutz ist, wettbewerbsfähig zu sein. Und wenn man anfängt, | |
| Handelshindernisse aufzubauen, erst der eine und dann der andere, dann | |
| führt das in die falsche Richtung.“ | |
| Källenius bezeichnete ebenso wie BMW-Chef Oliver Zipse China eher als | |
| Chance denn als Risiko. Mit Blick auf den Besuch von Scholz sagte | |
| Källenius, die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehung müssten nicht nur | |
| gepflegt, sondern auch ausgebaut werden. „Sich von so einem großen Markt | |
| zurückzuziehen, ist keine Alternative, sondern wir bauen eher unsere | |
| Position aus“, sagte er zur Strategie seines Unternehmens in China. | |
| BMW sei bereits weltweit aufgestellt, was die beste Strategie sei, | |
| Abhängigkeiten von einem Markt zu minimieren, sagte Zipse zu politischen | |
| Forderungen nach Diversifizierung. Auch er äußerte sich skeptisch zu | |
| EU-Prüfungen bei chinesischen E-Autos. „Wir fühlen uns nicht bedroht. Auch | |
| diesmal sollten wir es nicht übertreiben mit der Angst vor ausländischen | |
| Herstellern. Wir sind zuversichtlich, dass wir wettbewerbsfähig sind.“ | |
| Beide Auto-Hersteller sind stark auf dem chinesischen Markt vertreten. Sie | |
| spüren den Konkurrenzdruck weniger als die Hersteller kleinerer Autos, bei | |
| denen die Margen geringer und die Zahl der chinesischen Konkurrenten gerade | |
| bei E-Autos höher sind. | |
| 16 Apr 2024 | |
| ## LINKS | |
| [1] /Olaf-Scholz-reist-nach-China/!6004134 | |
| [2] /Xi-Jinping-in-Moskau/!5922180 | |
| [3] /So-tickt-Chinas-Machthaber/!5994667 | |
| [4] https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-04/russland-china-unterstuetzung-m… | |
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