| # taz.de -- Rechtsextreme Partei „Die Heimat“: Hamburgs NPD bleibt NPD | |
| > Der Hamburger Landesverband der NPD macht die Umbennung in „Die Heimat“ | |
| > nicht mit. Er will nicht „anschlussfähig“ sein. | |
| Bild: Stramm rechts: der frühere NPD-Landesvorsitzende Thomas Wulff | |
| Dynamisches Design, vage Wortwahl. Die NPD hat nicht nur [1][ihren Namen in | |
| „Die Heimat“ geändert.] Im Internet tritt die älteste rechtsextreme Partei | |
| Deutschlands nun mit neuem Look und Sound auf. „Wir sind die Heimat“ blinkt | |
| auf der Website auf. Neben einem Bild des Bundesvorsitzenden Frank Franz, | |
| freundlicher Blick und die Arme verschränkt, flackert auf: „Aus tiefster | |
| Überzeugung setzen wir uns für die Zukunft unseres Landes ein.“ | |
| Für die Ex-NPD ein seichter Online-Auftritt. Sie können auch anders. Doch | |
| die Partei versichert, dass ihr Vorsitzender für eine „moderate | |
| Außendarstellung“ stehe. „Unter seiner Führung“ würde sich „Die Heim… | |
| „ein deutschlandweites Netzwerk an Bürgerinitiativen“ vor Ort etablieren. | |
| Vor Ort in Hamburg hat sich die Partei allerdings nicht festgesetzt. | |
| In der Hansestadt bleibt die NPD die NPD. Auf dem außerordentlichen | |
| Bundesparteitag der NPD am 3. Juni in Riesa beschlossen die | |
| Parteimitglieder die Umbenennung. In der sächsischen Stadt stimmte eine | |
| Mehrheit von 77 Prozent für den neuen Namen. Die Entscheidung hatte vor | |
| allen der Bundesvorsitzende vorangetrieben. Franz sah nach erfolglosen | |
| Wahlen und angesichts sinkender Mitgliedszahlen [2][einen Neustart dringend | |
| geboten.] Ein erster Versuch war ein Jahr zuvor gescheitert. Beim zweiten | |
| Versucht stimmten die Hamburger*innen offensichtlich erneut nicht zu. | |
| Auf der Landeswebsite der NPD wird unter dem Titel „Hamburger NPD scheidet | |
| aus ‚Heimat‘ aus!“ dargelegt, dass ihre Mitglieder „im Vorfeld und auf | |
| der Veranstaltung geäußert hätten, „daß sie ‚keine Sekunde‘ ihrer | |
| Lebenszeit für eine ‚anschlußfähige Anti-Parteien-Familie‘ aufbringen“ | |
| würden. Die Delegierten aus der Hansestadt hatten einstimmig entscheiden, | |
| aus der „Heimat“ auszuscheiden. | |
| ## Vorwurf der politischen Selbstaufgabe | |
| Sie wollten nicht so lange warten, bis nach einem Rechtsstreit | |
| sichergestellt werden könnte, dass die „Inszenierung der sogenannten | |
| ‚Umbenennung‘“ eventuell nicht rechtskräftig gewesen sei. Die | |
| handlungsfähigen NPD-Verbände hätten kein Interesse, „die Flinte ins Korn | |
| zu werfen“, heißt es weiter. Der Hamburger Landesvorsitzende Lennart | |
| Schwarzbach erklärt zudem: „Wir haben gar keine weißen Fahnen, und werden | |
| auch für gebotenes Geld jetzt keine annehmen. Auch wenn es noch so sehr in | |
| Mode sein sollte, eigene Positionen zu vergessen; wir sind nicht | |
| käuflich!“. | |
| Bei der Erklärung klingt die Unterstellung durch, die Partei schiele unter | |
| Franz nach parlamentarischen Mandaten und staatlichen Mitteln. Kein neuer | |
| Vorwurf aus Hamburg: In der „Stimme Deutschland“, die der Landesverband | |
| 2020 herausbrachte, erschienen immer wieder Meinungsbeiträge gegen die | |
| organisatorische Umstrukturierung, die nichts anderes sei als politische | |
| Selbstaufgabe. | |
| Dieser Konflikt zwischen zeitgemäßem Auftreten und treuem Ausharren hatte | |
| den Landesverband schon früher bewegt. Unter der Führung von Thomas Wulff | |
| war diese Auseinandersetzung mit dem Bundesverband 2013 offen aufgebrochen. | |
| Dem Bundesvorstand um Holger Apfel hielt er vor, mit dem Konzept der | |
| „seriösen Radikalität“ fundamentale Positionen zu verraten, nur um | |
| Wahlerfolge zu erzielen. Ein „politischer Verrat“, betonte Wulff, und hob | |
| hervor, „viele Hamburger Parteimitglieder“ seien von Personen- und | |
| Postengerangel angewidert. | |
| Im selben Jahr beschloss der Bundesvorstand seinen Parteiausschluss. Mit | |
| dem Credo „Keine weitere Entnazifizierung der NPD!“ wehrte sich Wulff aber | |
| erfolgreich. Das Landesschiedsgericht hob den Rauswurf auf. Wulff hatte mit | |
| der Einschätzung seines Landesverbandes offensichtlich richtig gelegen. | |
| [3][Sie bleiben ewig gestrig.] Am 9. Oktober wettert die NPD gegen Nancy | |
| Faeser (SPD). Die Bundesinnenministerin treibe eine „groß angelegte | |
| Zuwanderung artfremder Menschen“ voran. Eine „nützliche“ Dienerin der | |
| „Hochfinanz“. Die Wortwahl offenbart Ressentiments von Rassismus bis | |
| Antisemitismus. | |
| 14 Oct 2023 | |
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| ## AUTOREN | |
| Andreas Speit | |
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