| # taz.de -- Kriminalpsychologin Lydia Benecke: Reporterin muss draußen bleiben | |
| > Lokalreporterin wird in Hameln bei Vortrag einer prominenten | |
| > Kriminalpsychologin ausgeschlossen. Management erklärt das mit einem | |
| > Missverständnis. | |
| Bild: Sucht die Öffentlichkeit: Lydia Benecke bei einem Vortrag | |
| Hamburg taz | Bei einem Vortrag im Hamelner Kulturzentrum „Sumpfblume“ | |
| sollte es um „[1][Satansmorde und weitere düstere Verbrechen]“ gehen – u… | |
| auch darum, was Medienschaffende dazulernen können, „um nicht mit ihrer | |
| Berichterstattung Vorurteile in der Bevölkerung zu vermehren“. Doch | |
| ausgerechnet die Presse in Gestalt der Deister- und Weserzeitung (Dewezet) | |
| wurde zu der Veranstaltung am vergangenen Wochenende nicht zugelassen – | |
| angeblich wegen eines Fehlers bei der Akkreditierung. | |
| Protagonistin des Abends war die [2][Kriminalpsychologin Lydia Benecke], | |
| Autorin populärer Sachbücher wie „Sadisten: Tödliche Liebe“ oder | |
| „Psychopathinnen: Die Psychologie des weiblichen Bösen“. Auch im Fernsehen | |
| ist sie immer wieder aufgetreten. Der [3][Vortrag in Hameln unter dem Titel | |
| „Teufelswerk oder Hexenjagd?“ war auf mehr als drei Stunden angesetzt], | |
| Eintritt: 27,50 Euro. | |
| Die [4][Dewezet-Reporterin wurde nach eigener Darstellung zunächst | |
| eingelassen]; dann sei jedoch telefoniert worden und sie habe den Bescheid | |
| erhalten, „dass eine Berichterstattung nicht erwünscht sei“. Begründet | |
| worden sei das damit, dass Medien in der Vergangenheit Live-Aussagen | |
| Beneckes fehlerhaft wiedergegeben hätten. Ein zu autorisierendes Interview | |
| mit Benecke sei natürlich möglich, einfach zuzuhören und zu berichten | |
| jedoch nicht. | |
| Beneckes Manager Jan Diercksen bezeichnet diese Darstelllung als falsch und | |
| schiebt die Schuld dem Kulturzentrum zu. Die Presse sei mitnichten | |
| ausgeschlossen gewesen, ebenso wenig wie bei anderen Veranstaltungen | |
| Beneckes. Vielmehr hätten Mitarbeiter der „Sumpfblume“ die Journalistin | |
| eingelassen, ohne dass diese eine Akkreditierung der Veranstalterin oder | |
| des Managements hatte. | |
| ## Widersprüchliche Erklärungen | |
| Einen weiteren Fehler hätten die „Sumpfblumen“-Mitarbeiter begangen, indem | |
| sie dieses Problem weder der Veranstalterin noch Beneckes Management | |
| mitgeteilt hätten. Das wäre allerdings auch schwierig gewesen: Wie | |
| Diercksen selbst schreibt, hatte die Veranstalterin nur eine | |
| Vertretungsmitarbeiterin entsandt und er selbst sei nicht vor Ort gewesen. | |
| Linda Meier, Geschäftsführerin der „Sumpfblume“, hält die Vorwürfe für | |
| nicht gerechtfertigt. „An uns hat sich an dem Abend niemand gewandt, sonst | |
| hätten wir intervenieren können“, sagt sie. Die Presse sei in der | |
| „Sumpfblume“ immer herzlich willkommen, die betreffende Reporterin | |
| regelmäßig im Haus. Auch Benecke sei schon mehrfach in der „Sumpfblume“ | |
| aufgetreten – mit durchaus positiver öffentlicher Resonanz. „Die | |
| Anwesenheit der Presse war in der Vergangenheit nie ein Thema zwischen der | |
| Agentur und uns“, versichert Meier. | |
| Beneckes Manager rechtfertigt das Akkreditierungsverfahren. Es stelle | |
| sicher, „dass es sich bei den anfragenden Personen tatsächlich um | |
| Journalist*innen und ‚echte‘ Redakteur*innen handelt“. Benecke | |
| bekomme seit Jahren Todesdrohungen aus extremistischen Kreisen, vor allem | |
| von Personen aus der [5][Rechtsextremen-, Querdenker- und Esoterikszene]. | |
| Viele dieser Leute seien [6][Youtuber oder Blogger, die sich selbst als | |
| Journalist*innen bezeichneten]. | |
| Die Reporterin sei eine freie Mitarbeiterin, sagt Thomas Thimm, der | |
| stellvertretende Chefredakteur der Dewezet. Sie habe zwar keinen | |
| Presseausweis vorweisen können, aber eine Bescheinigung, dass sie für das | |
| Haus arbeite. Die Reporterin habe sich bei der „Sumpfblume“ angemeldet. | |
| „Wir konnten nicht wissen, dass das Akkreditierungsverfahren für Frau | |
| Benecke aus Sicht des Managements anders laufen sollte“, sagt Thimm. | |
| ## Zeitung dementiert Rache | |
| Manager Diercksen schreibt, es sei der Reporterin selbstverständlich | |
| unbenommen gewesen, „einfach als Besucherin an der Veranstaltung | |
| teilzunehmen“. Dewezet-Vizechef Thimm hält das für hergeholt. „Man stelle | |
| sich vor“, sagt er, „wir werden nicht hineingelassen – und dann kaufen wir | |
| uns eine Karte, setzen uns hin und berichten.“ Er wolle sich nicht | |
| ausmalen, was dann los gewesen wäre. Benecke habe nun mal das Recht, bei | |
| ihrer privaten Veranstaltung die Presse auszuschließen. Im Übrigen habe es | |
| gar keine Abendkasse gegeben, wie das Kulturzentrum bestätigt. | |
| Abwegig sei die Vorhaltung, die Dewezet wolle sich rächen, indem sie über | |
| den Ausschluss berichtet, sagt Thimm. Diercksen zufolge hatte die | |
| Dewezet-Reporterin gedroht: „Das wird Folgen haben.“ Thimms Redaktion hat | |
| nach einem ersten aktuellen Bericht über den Vorfall ein zweites Stück | |
| veröffentlicht, indem sie sich mit der Rechtslage auseinandersetzt. Ein | |
| dritter Beitrag mit der Stellungnahme Diercksens werde folgen. | |
| „Natürlich müssen wir berichten, wenn wir bei einer örtlichen Veranstaltung | |
| an einem Ort, der teilweise öffentlich subventioniert wird, nicht | |
| zugelassen werden“, sagt Thimm. „Das ist doch klar.“Diercksen versichert, | |
| dass aus Sicht Lydia Beneckes seriöse Berichterstattung durchaus nicht | |
| „unerwünscht“ sei. „Frau Benecke steht in der Öffentlichkeit und nutzt … | |
| Bekanntheit für seriöse Wissenschaftskommunikation“, sagt ihr Manager. Nie | |
| habe sie oder ihr Management den Wunsch bekundet, dass über sie oder ihre | |
| Veranstaltungen nicht berichtet werde. | |
| 21 Oct 2022 | |
| ## LINKS | |
| [1] /Manson-Ausstellung/!5169043 | |
| [2] /Archiv-Suche/!379365&s=Lydia+Benecke&SuchRahmen=Print/ | |
| [3] https://momentschalter.de/veranstaltungen/ | |
| [4] https://www.dewezet.de/region/hameln_artikel,-journalistin-des-saals-verwie… | |
| [5] /US-Nazi-Roman-und-NSU-Terroristen/!5034403 | |
| [6] /Desinformation-im-Netz/!5808930 | |
| ## AUTOREN | |
| Gernot Knödler | |
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