# taz.de -- Wahlkampf in Schleswig-Holstein: Die Grünen machen den Unterschied | |
> Die meisten Parteien im schleswig-holsteinischen Landtag setzen irgendwie | |
> doch weiter aufs Auto. Nachhaltig ist nur die Verkehrspolitik der Grünen. | |
Bild: Ein bisschen was abkönnen muss schon, wer in Schleswig-Holstein radeln w… | |
Hamburg taz | Klimafreundlichen Verkehr wollen sie alle. Doch den | |
Autoverkehr an die zweite Stelle zu setzen – das trauen sich unter all den | |
im schleswig-holsteinischen Landtag vertretenen Parteien nur die Grünen. | |
Den Wahlprogrammen von SPD, CDU, SSW und FDP fehlt der Schwerpunkt. Sie | |
versprechen alles gleichzeitig: Straßen zu bauen, den öffentlichen | |
Nahverkehr zu verbessern und das Radfahren attraktiv zu machen. Sie wollen | |
zwar mehr Menschen dazu bringen, auf Bus und Bahn oder das Rad umzusteigen, | |
es finden sich aber wenige konkrete Vorschläge und vor allem nicht der | |
Wille zur strukturellen Veränderung. | |
Das beginnt schon auf der Bekenntnisebene. Zwar räumt die CDU ein, der | |
Verkehr befinde sich „in einer großen Phase der Transformation“, sie sagt | |
aber zugleich: „Für uns sind alle Verkehrsträger gleichberechtigt.“ [1][D… | |
SPD erklärt, die Bedürfnisse des Radverkehrs gleichberechtigt mit den | |
Bedürfnissen des Kraftverkehrs] berücksichtigen zu wollen und die FDP will | |
die Verkehrsträger nicht gegeneinander ausspielen. | |
Was das für den Haushaltsplan bedeutet, ist ungewiss. Die CDU versichert: | |
„Der motorisierte Individualverkehr bleibt Teil unserer | |
Mobilitätsstrategie“ – als ob daran Zweifel beständen. „Problematisch s… | |
für uns nicht neue Straßen, sondern die Antriebe der Fahrzeuge, die darauf | |
unterwegs sind“, formuliert die SPD. Und die FDP bekennt sich „ausdrücklich | |
zum motorisierten Individualverkehr (MIV)“. | |
## Die Autofahrer sollen nicht eingeschränkt werden | |
Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) fordert eine Verkehrswende, ohne | |
den Autoverkehr einzuschränken und behauptet: „Das ist nicht die Quadratur | |
des Kreises, sondern eine Frage des politischen Willens und Handelns.“ Nur | |
die Grünen formulieren ausdrücklich das Ziel, „dass der motorisierte | |
Individualverkehr künftig eine geringere Rolle im Mobilitätsmix als zurzeit | |
noch spielt“. | |
Nur die Grünen „möchten bei der Finanzierung Priorität auf den öffentlich… | |
Verkehr und die Schiene legen“. Folgerichtigerweise schlagen die Grünen | |
nicht wie SPD und FDP eine bessere Ausstattung des Landesbetriebs | |
Straßenbau und Verkehr (LBV) vor, sondern einen Landesbetrieb | |
Mobilitätswende. | |
Konkret wünschen sich die Grünen [2][keine neuen Bundesfernstraßen] und | |
betonen ihre Kritik an der [3][geplanten Fortführung der A20] über die | |
Anbindung an die A7 hinaus und den Ausbau der A23. Alle anderen Parteien | |
dagegen wollen die Fortführung der A20 und darüber hinaus den Bau oder | |
Ausbau weiterer Straßen. | |
Um Leute vom Auto wegzulocken, versprechen CDU und FDP, die Radstrategie | |
der gegenwärtigen Landesregierung konsequent fortzusetzen, dito der SSW. | |
Ziel der Strategie ist es, den [4][Anteil des Radverkehrs auf allen Wegen] | |
bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen. Die FDP schlägt vor, die Radwege mit | |
den Landstraßen gleich mit zu sanieren. Die SPD will 1.000 Kilometer | |
Radwege herrichten und die überregionalen Radwege künftig vom Land statt | |
den Kommunen bauen lassen. | |
Die Grünen verbinden das mit einem Qualitätsanspruch: Sie fordern höhere | |
Mindeststandards für Rad- und Fußwege und sehen das als Voraussetzung für | |
eine finanzielle Förderung durch das Land. | |
## Grüne wollen Strecken reaktivieren | |
Alle Parteien versprechen, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, ihn | |
zugänglicher und durch Digitalisierung intelligenter zu machen, die Takte | |
zu verdichten und besser aufeinander abzustimmen sowie Bahnstrecken | |
auszubauen und zu reaktivieren. Letzteres machen CDU und FDP im Gegensatz | |
zu den Grünen davon abhängig, dass dies wirtschaftlich tragfähig sei. | |
Die CDU will das Schienennetz nur erweitern, wenn das „von einem breiten | |
kommunalen Konsens getragen“ ist. Das führt dazu, dass im Programm zwischen | |
Radwegen und Velorouten ein Bahnprojekt aufgeführt ist, das die CDU | |
explizit nicht will: „Eine Reaktivierung der problembehafteten Strecke | |
Flensburg-Niebüll lehnen wir ab“, heißt es darin. | |
Die Grünen wollen Bahnstrecken mit Geld aus dem | |
Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz reaktivieren. Geht es nach ihnen, soll | |
keine Bahnstrecke mehr entwidmet werden. Kurgäste sollen, wie in | |
Skigebieten üblich, Busse und Bahnen kostenlos nutzen können. Die Bahncard | |
50 soll auch im Schleswig-Holstein-Tarif gelten. Die SPD will, „dass die | |
nächste Bahnstation überall in Schleswig-Holstein nicht weiter als 20 | |
Kilometer vom Wohnort entfernt ist“. | |
Beim Straßenverkehr setzen die Parteien auf CO2-neutrale Antriebe. Sie | |
wollen deshalb ein Netz an E-Ladesäulen aufbauen, der SSW ein Netz an | |
Wasserstoff-Tankstellen und auch CDU und FDP betonen, dass synthetischen | |
Kraftstoffen aus erneuerbarer Energie (E-Fuels) eine Chance gegeben werden | |
müsse. Aus heutiger Sicht ergeben Wasserstoff oder E-Fuels nur in Nischen | |
einen Sinn. | |
Der SSW fordert Tempo 130 auf Autobahnen, die Grünen schlagen Tempo 80 auf | |
Landstraßen vor und Tempo 30 innerorts. Das würde Sprit sparen und der | |
kostbare Öko-Treibstoff könnte anderweitig verwendet werden. | |
5 May 2022 | |
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## AUTOREN | |
Gernot Knödler | |
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