| # taz.de -- Australien ändert Nationalhymne: Eins statt jung | |
| > Aus Respekt vor den Indigenen wird ein Wort der Hymne geändert. Die | |
| > Geschichte Australiens sei nicht jung, sondern sehr alt, schreibt der | |
| > Premier. | |
| Bild: Ein echter Knaller an Neujahr: Feuerwerk in der australischen Stadt Sydney | |
| Sydney dpa/afp/taz | Pünktlich zum Start ins neue Jahr hat Australien ein | |
| Wort seiner Nationalhymne verändert. Mit der Änderung weniger Buchstaben | |
| wird seit Freitag die 60.000 Jahre lange Geschichte der Ureinwohner des | |
| Kontinents gewürdigt. Aus der Zeile „For we are young and free“ („Wir si… | |
| jung und frei“) wurde „For we are one and free“ („Wir sind eins und fre… | |
| Nach Meinung vieler Australier verengte die bisherige Formulierung den | |
| Blick auf die moderne Geschichte des Landes, ließ dabei aber außer Acht, | |
| dass etwa die Aborigines schon lange vor der Ankunft weißer Siedler dort | |
| lebten. | |
| „Als moderne Nation mag Australien relativ jung sein, aber die Geschichte | |
| unseres Landes stammt aus alter Zeit“, [1][schrieb Premierminister Scott | |
| Morrison in einem Gastbeitrag für die Zeitung „The Age“]. Die Textänderung | |
| nehme nichts weg, „aber ich glaube, sie fügt viel hinzu“. Die neue zweite | |
| Zeile der Hymne „Advance Australia Fair“ wählte Morrison dann auch | |
| demonstrativ [2][für seinen Neujahrs-Tweet an alle Landsleute]. | |
| Die seit rund einem Jahr diskutierte Überarbeitung der Hymne ist aus Sicht | |
| vieler ein überfälliges Zeichen der Anerkennung für die indigenen | |
| Landesbewohner. Der Schritt von Morrison kam dennoch überraschend. Der | |
| konservative Regierungschef [3][gilt als tiefgläubig, rücksichtslos und | |
| neoliberal, bis es kracht]. | |
| Australien hadert mit seiner kolonialen Vergangenheit und der Ungleichheit | |
| zwischen indigenen Einwohnern und dem Rest der Bevölkerung. In den | |
| vergangenen Monaten hatte es zahlreiche Proteste in mehreren Städten | |
| gegeben, bei denen die Demonstranten gegen die zahlreichen ungeklärten | |
| Todesfälle von Ureinwohnern in Haft protestierten. Sie sind seit der | |
| Kolonisierung zur Minderheit geworden und machen heute nur noch etwa drei | |
| Prozent der 25 Millionen Menschen in Australien aus. | |
| Großbritannien hatte den Kontinent im Jahr 1788 zur Strafkolonie für aus | |
| der Heimat verbannte Verbrecher erkoren. Mit dem Zusammenschluss von | |
| Neusüdwales, Victoria, Queensland, Süd- und Westaustralien sowie Tasmanien | |
| zum Bundesstaat Australien folgte 1901 die Unabhängigkeit. | |
| 1 Jan 2021 | |
| ## LINKS | |
| [1] https://www.theage.com.au/national/now-is-the-time-to-recognise-that-austra… | |
| [2] https://twitter.com/ScottMorrisonMP/status/1344633815231172609 | |
| [3] /Australiens-Wahlsieger-Scott-Morrison/!5596378 | |
| ## TAGS | |
| Australien | |
| Scott Morrison | |
| Nationalhymne | |
| Indigene | |
| Canberra | |
| Schwerpunkt Rassismus | |
| Schwerpunkt Klimawandel | |
| Lesestück Recherche und Reportage | |
| Aborigines | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| Stimme für Australiens Ureinwohner: Mehr Einfluss für Aboriginals | |
| In Australien wollen Regierung und Parlament sich künftig von Indigenen | |
| beraten lassen, sofern die Bevölkerung per Verfassungsreferendum zustimmt. | |
| Australien und China im Konflikt: Tiefe Risse | |
| Die Beziehung zwischen Canberra und Peking ist eine ökonomische Zweckehe. | |
| Nun droht die Zerrüttung. | |
| Waldbrandsaison in Australien: Wenn sogar die Bäume sterben | |
| Die Flammen bedrohen das einzigartige Biotop auf der Insel Fraser. | |
| Wissenschaftler warnen vor einem neuen Horrorsommer. | |
| Neujahr nach dem Maori-Kalender: Silvester mit Siebengestirn | |
| Neuseeland feiert das Maori-Neujahr mit Blick auf die Sterne. Matariki ist | |
| keine Böllerparty, sondern Rückbesinnung auf die indigene Kultur. | |
| Debatte über Aborigines in Australien: Rassismus verkauft sich nicht | |
| Eine australische Tageszeitung vergrault mit einem Cartoon wichtige Leser | |
| und zahlende Kunden. Der Karikaturist sieht sich im Recht. |