| # taz.de -- Bessere Normen für Unternehmen: Deutschland bremst Menschenrechte | |
| > Die UNO will, dass Unternehmen Menschenrechte einhalten. Weil sich die | |
| > Bundesregierung nicht beteiligen will, werfen ihr NGOs Blockade vor. | |
| Bild: Fridays for Future in NRW: statt mehr Verantwortung beim Konsumartikelher… | |
| Genf taz | Von diesem Montag an verhandeln in Genf über 100 Mitgliedstaaten | |
| der UNO zum fünften Mal seit 2015 über ein Abkommen zu verbindlichen | |
| Menschenrechtsnormen für Wirtschaftsunternehmen („Binding Treaty“). Doch | |
| Deutschland und seine EU-Partner beteiligen sich, [1][wie in der | |
| Vergangenheit], weiterhin nicht aktiv und versuchen, die Verhandlungen zu | |
| sabotieren. | |
| Grundlage der Verhandlungen ist ein Mandat, das der UNO-Menschenrechtsrat | |
| 2014 beschlossen hatte. Ziel ist ein Abkommen mit verbindlichen | |
| Menschenrechtsnormen und Sorgfaltspflichten für Unternehmen sowie mit | |
| Mechanismen zu deren Überwachung. Vorgesehen sind auch Instrumente, um | |
| Verstöße zu sanktionieren, sowie bessere Klagemöglichkeiten für von | |
| Menschenrechtsverletzungen betroffene Personen. | |
| Im Unterschied zu Frankreich, Schweden und anderen EU-Staaten, die sich | |
| aktiv und konstruktiv an den bisherigen vier Verhandlungsrunden | |
| beteiligten, war Deutschland bislang immer nur mit BeobachterInnen | |
| vertreten – zumeist niederrangigen VertreterInnen des federführenden | |
| Auswärtigen Amtes ohne Verhandlungsbefugnis. Zugleich versuchte die | |
| Bundesregierung den Prozess zu stoppen, indem sie das Verhandlungsmandat | |
| von 2014 infrage stellte, formalistische Einwände gegen den | |
| ecuadorianischen Verhandlungsleiter erhob und in der UNO-Generalversammlung | |
| beantragte, die Haushaltsmittel für die Genfer Verhandlungsrunden zu | |
| streichen. | |
| Auch ist die Bundesregierung wesentlich dafür verantwortlich, dass die EU | |
| bis heute kein gemeinsames Mandat für eine konstruktive | |
| Verhandlungsteilnahme beschlossen hat. Auch bei dieser fünften Runde wird | |
| die EU lediglich zum Auftakt am Montag ein Statement abgeben und sich dann | |
| auf eine Beobachterrolle zurückziehen. | |
| Ende August hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) die Nichtbeteiligung | |
| Deutschlands an den Verhandlungen in einem Schreiben an Kritiker damit | |
| begründet, die Bundesregierung wolle zunächst die Ergebnisse des im | |
| Dezember 2016 verabschiedeten „Nationalen Aktionsplans“ zur Umsetzung der | |
| „UNO-Leitprinzipien Wirtschaft und Menschenrechte“ abwarten. Als | |
| zusätzliche Rechtfertigung dient in Berlin und Brüssel diesmal auch der | |
| Vorwand, die noch bis zum 31. Oktober amtierende EU-Kommission sei nicht | |
| mehr handlungsfähig und die künftige Kommission müsse erst ein | |
| Verhandlungsmandat beschließen. | |
| Das Verhalten stößt auf scharfe Kritik. „Leider tritt die Bundesregierung | |
| weiterhin als Bremserin auf und blamiert sich bis auf die Knochen, wenn es | |
| darum geht, den Menschenrechtsschutz in der globalisierten Wirtschaft | |
| voranzutreiben“, meint der Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz (Grüne). Für | |
| Michel Brandt (Die Linke), der als Beobachter an den Genfer Verhandlungen | |
| teilnehmen wird, „beweist die Bundesregierung durch ihr Verhalten aufs | |
| Neue, dass ihr Profitinteressen von Konzernen wichtiger sind als die | |
| Menschenrechte“. | |
| Auch die Treaty Alliance, ein Bündnis aus 27 Nichtregierungsorganisationen, | |
| kritisierte die „Blockade“ der Bundesregierung. Außenminister Maas habe im | |
| September „im Rahmen der Vereinten Nationen das erste Treffen seiner | |
| Allianz für Multilateralismus abgehalten“. Nun müsse „Maas zeigen, dass | |
| seinem Eintreten für den Multilateralismus auch praktische Konsequenzen | |
| folgen“. | |
| 14 Oct 2019 | |
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| [1] /Verhandlung-ueber-UN-Abkommen/!5540430 | |
| ## AUTOREN | |
| Andreas Zumach | |
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