| # taz.de -- Terror von rechts: Nazis verschicken Drohbriefe | |
| > PolitikerInnen, AktivistInnen und Verlage erhalten derzeit bedrohliche | |
| > Post. Wer hinter den Morddrohungen steckt, ist noch unklar. | |
| Bild: NSU-Opfer nicht vergessen: Demo gegen Rechtsextremismus in Berlin | |
| Berlin taz | Ein rechtsextremes Drohschreiben, das Unbekannte in der Nacht | |
| auf Mittwoch an Redaktionen und PolitikerInnen in ganz Deutschland | |
| verschickt haben, bezeichnet die Erschießung von Walter Lübcke als Beginn | |
| „bevorstehender Säuberungen“. Die Absender kündigen Terror [1][gegen | |
| politische GegnerInnen, JüdInnen und Geflüchtete] an. Außerdem sprechen sie | |
| Morddrohungen gegen die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker | |
| (parteilos) und den Altenaer Bürgermeister Andreas Hollstein (CDU) aus. | |
| Beide waren in den vergangenen Jahren bei Attentaten rechtsextremer Täter | |
| verletzt worden. Irene Mihalic, Innenpolitikerin der Grünen, sagte dazu, | |
| das Schreiben sei „krass“ und deute „eine neue Eskalationsstufe | |
| rechtsextremer Agitation und Gewalt an“. Die Schreiben reihen sich ein in | |
| eine Serie von Mails, die seit Dezember 2018 zu Hunderten verschickt wurden | |
| und zum Teil auch Bombendrohungen enthielten. | |
| Wiederholt mussten deshalb Gebäude geräumt werden, etwa der Lübecker | |
| Hauptbahnhof und das Oberlandesgericht Bamberg. Sprengstoff fanden die | |
| Ermittler in keinem der Fälle. Unterzeichnet ist das aktuelle Schreiben | |
| mit: [2][„Die Musiker des Staatsstreichorchesters]“, in anderen Fällen | |
| nannten sich die Absender „Nationalsozialistische Offensive“, „Wehrmacht�… | |
| oder auch „NSU 2.0“. Wer hinter den Schreiben steckt, ist unklar. | |
| ## Wer steckt hinter den Drohbriefen? | |
| Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin, bei der die bundesweiten Ermittlungen | |
| in der Sache zusammenlaufen, äußerte sich am Mittwoch auf taz-Anfrage bis | |
| zum Redaktionsschluss nicht. Ursprünglich ging sie von einem Einzeltäter | |
| aus. Diese These war allerdings ins Wanken geraten, nachdem Anfang Mai der | |
| mutmaßliche Täter verhaftet wurde. Nur wenige Tage später verschickten | |
| Unbekannte wieder eine Nachricht, in der sie den Verhafteten als | |
| „Mitarbeiter“ bezeichneten und Kenntnisse offenbarten, über die reine | |
| Trittbrettfahrer nicht verfügen dürften. | |
| Grünen-Politikerin Irene Mihalic sagte, es sei ein Versäumnis, dass der | |
| Vernetzung von gewaltbereiten Rechtsextremen bisher kaum Beachtung | |
| geschenkt worden sei. „Nun fehlen oft die Zusammenhänge, aber auch die | |
| klaren Kriterien, um solche Schreiben richtig einordnen zu können. Die | |
| Verharmlosung der Gefahr von rechts muss endlich ein Ende haben.“ Noch | |
| immer nicht gefasst sind auch die TäterInnen, die seit Mitte 2018 mehrere | |
| rassistische Morddrohungen an die Frankfurter NSU-Opferanwältin [3][Seda | |
| Başay-Yıldız] und deren Familie geschickt hatten. | |
| Auch diese waren mit „NSU 2.0“ unterzeichnet. Die ErmittlerInnen gehen aber | |
| davon aus, dass die beiden Komplexe nicht miteinander zusammenhängen. Der | |
| Fall hatte in Frankfurt am Main einen Polizeiskandal ausgelöst. Persönliche | |
| Daten von Başay-Yıldız, darunter auch ihre Privatadresse, waren von | |
| internen Computern eines Frankfurter Reviers abgerufen und mutmaßlich von | |
| BeamtInnen weitergeleitet worden. Sechs BeamtInnen wurden daraufhin vom | |
| Dienst suspendiert. Weitere Konsequenzen gab es bisher nicht. | |
| 20 Jun 2019 | |
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| ## AUTOREN | |
| Alicia Lindhoff | |
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