| # taz.de -- Bewegung im Katalonienkonflikt: Spaniens Premier will neues Votum | |
| > Pedro Sánchez strebt ein Referendum in der Region an – aber keins über | |
| > die Frage nach Unabhängigkeit. Mit dem Plan steht er ziemlich alleine da. | |
| Bild: Mehr Autonomie für Katalonien – das kann sich Premier Pedro Sánchez s… | |
| MADRID taz | Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez will den Herbst ganz | |
| und gar dem Katalonienkonflikt widmen. Das versprach er noch im Urlaub. | |
| Kaum zurück, machte der Regierungschef im Vorfeld des katalanischen | |
| Nationalfeiertag am morgigen Dienstag einen ersten Vorschlag. Er will ein | |
| Referendum in der rebellischen Nordostregion – aber nicht über eine | |
| Loslösung, nur über mehr Autonomie. Es gehe im Katalonienkonflikt „nicht um | |
| die Unabhängigkeit, sondern um das Zusammenleben“, erklärte der Sozialist | |
| Sánchez immer wieder. | |
| Der katalanische Regierungschef Quim Torra sieht das anders. Zwar spricht | |
| auch er im Vorfeld des Feiertags, der Diada, immer wieder von einem | |
| Referendum. Doch er will „eine verbindliche Volksabstimmung über die | |
| Selbstbestimmung“ Kataloniens. Als Vorbild dient die Volksabstimmung über | |
| eine Unabhängigkeit Schottlands im Jahr 2014, die von schottischen | |
| Nationalisten und der Tory-Regierung in London unter David Cameron | |
| ausgehandelt worden war. Laut Umfragen sprechen sich bis zu 80 Prozent der | |
| Katalanen für einen solchen Urnengang aus, um den Konflikt ein für alle Mal | |
| zu lösen. | |
| Die katalanische Regierung wirft Sánchez vor, die Debatte ins Jahr 2006 | |
| zurückdrehen zu wollen. Damals gab es in Katalonien bereits ein Referendum | |
| über eine weiter gehende Selbstregierung innerhalb Spaniens. Das damalige, | |
| reformierte Autonomiestatut wurde von 73,9 Prozent der Wähler angenommen. | |
| Das Verfassungsgericht kassierte vier Jahre später dennoch einen Großteil | |
| der Reformen. Geklagt hatte die konservative Partei PP (Partido Popular) | |
| unter dem im Juni vom Parlament abgewählten Mariano Rajoy. | |
| Die Unabhängigkeitsbewegung wächst seither und hat heute laut Umfragen die | |
| Hälfte der Bevölkerung der reichsten spanischen Region hinter sich. Vor | |
| knapp einem Jahr, am 1. Oktober 2017, hielt die katalanische Regierung | |
| trotz Verbot aus Madrid ein Unabhängigkeitsreferendum ab. Von den knapp 2,3 | |
| Millionen – 43 Prozent der Wahlberechtigten –, die trotz polizeilicher | |
| Repression zur Wahl gingen, stimmten mehr als 90 Prozent für die Loslösung | |
| von Spanien. | |
| Die spanische Justiz reagierte damals mit der Verhaftung von Politikern der | |
| Regionalregierung, die Zentralregierung in Madrid stellte die Region mit | |
| dem erstmals angewandten Verfassungsartikel 155 unter Zwangsverwaltung. | |
| ## Unabhängigkeitsbewegung mobilisiert für Feiertag | |
| Sánchez genießt mit seinem Vorschlag eines Referendums über zusätzliche | |
| Autonomie nicht einmal die Unterstützung durch die anderen spanienweit | |
| agierenden Parteien. Der wichtigste Partner seiner Minderheitsregierung, | |
| die linksalternative Podemos, tritt wie die Befürworter der Unabhängigkeit | |
| Kataloniens für ein verbindliches Unabhängigkeitsreferendum ein, auch wenn | |
| die Partei für einen Verbleib der Katalanen in Spanien ist. | |
| Und PP sowie die rechtsliberalen Ciudadanos (Cs) lehnen jedweden Urnengang | |
| ab. Ein Ausbau der Autonomierechte gilt ihnen als Verstoß gegen die | |
| spanische Einheit. „Will Sánchez ein neues verfassungswidriges | |
| Autonomiestatut?“, fragte der Cs-Chef Albert Rivera mit Blick auf das | |
| Urteil gegen die Statutreform von 2006. | |
| Während die Zentralregierung in Madrid und die Regionalregierung in | |
| Barcelona in dieser angespannten Lage weiter den Dialog beschwören, ohne | |
| sich wirklich näherzukommen, mobilisiert die Unabhängigkeitsbewegung. | |
| „Machen wir die katalanische Republik“, lautet das Motto der Kundgebung für | |
| den katalanischen Feiertag Diada am 11. September. Es wird erwartet, dass | |
| Hunderttausende mit ihren Fahnen eines unabhängigen Kataloniens die Straßen | |
| Barcelonas füllen werden. | |
| 10 Sep 2018 | |
| ## AUTOREN | |
| Reiner Wandler | |
| ## TAGS | |
| Spanien | |
| Katalonien | |
| Pedro Sánchez | |
| Referendum | |
| Autonomie | |
| Spanien | |
| Spanien | |
| Unabhängigkeitstag | |
| Katalonien | |
| Katalonien | |
| Katalonien | |
| Spanien | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| Regionalwahl in Andalusien: Königsmacher von rechtsaußen | |
| In Andalusien sind die Sozialisten stärkste Kraft, haben aber kaum mehr | |
| Aussicht auf eine Koalition. Gewinner des Abends waren die Ultrarechten. | |
| Prozess gegen katalanische Separatisten: Anklage fordert 25 Jahre Haft | |
| Die Staatsanwaltschaft fordert lange Haftstrafen für die katalanischen | |
| Separatistenführer. Die Regierung fordert, dass sie nur wegen Aufwiegelung | |
| angeklagt werden. | |
| Proteste zu katalanischer Unabhängigkeit: Vermummte wollen ins Parlament | |
| Etwa 180.000 Menschen demonstrieren zum Jahrestag des | |
| Unabhängigkeitsreferendums in Barcelona. Die Polizei wendet Gewalt an. | |
| Kataloniens Separatisten vor Jahrestag: Die Bewegung ist angeschlagen | |
| Bei Protesten in Barcelona ist es zu Krawallen gekommen. Vor dem Jahrestag | |
| des Unabhängigkeitsreferendums zeigt sich die Bewegung politisch gespalten. | |
| „Säuberungsbrigade“ in Katalonien: Die Bändchenabschneider | |
| In Katalonien hinterlassen Unabhängigkeitsaktivisten gelbe Schleifen. | |
| Unterwegs mit deren Gegnern, die sich provoziert fühlen und sie entfernen. | |
| Kataloniens Ex-Regionalpräsident: Puigdemont macht wieder Politik | |
| Kataloniens Exregionalpräsident reist am Samstag aus Deutschland ab. Nach | |
| Spanien kann er nicht. Von Belgien aus will er Politik machen. | |
| Spaniens neue Regierung und Katalonien: Barcelona trifft auf Madrid | |
| Erstmals haben sich Kataloniens Regionalchef Torra und der spanische | |
| Regierungschef Sánchez getroffen. Viele werten das als erste Annäherung. |