| # taz.de -- Kommentar Reform des Medizinstudiums: Für Streber und Reiche | |
| > Mehr Landärzte und ein gerechteres Auswahlverfahren? Die Reform des | |
| > Medizinstudiums wird ihre Ziele verfehlen. Dabei wäre es so einfach. | |
| Bild: Mehr LandärztInnen braucht das Land! | |
| Mehr Hausärzte aufs Land und ein gerechteres Auswahlverfahren an den Unis – | |
| das waren die Hauptziele, die Union und SPD 2013 als [1][„Masterplan | |
| Medizin 2020“] in ihren Koalitionsvertrag schrieben. Mit dem Beschluss, den | |
| Bund und Länder nun vorstellten, dürften sie jedoch kaum zu erreichen sein. | |
| Das zeigt die geplante „Landarztquote“. Künftig können die Länder bis zu… | |
| Prozent der rund 9.000 Allgemeinmedizin-Studienplätze für BewerberInnen | |
| freihalten, die sich verpflichten, nach dem Studium mehrere Jahre in einer | |
| unterversorgten Region zu arbeiten. Im Gegenzug müssen sie nicht den | |
| üblichen Abiturnotendurchschnitt von 1,0 oder 1,3 mitbringen. | |
| Klingt sinnvoll, hat aber einen Haken: Man wird sich herauskaufen können. | |
| Wer 150.000 Euro Strafe hinblättert – diese Summe ist im Gespräch –, muss | |
| sich nicht im brandenburgischen Güstrow oder im sächsischen Mittweida | |
| niederlassen. Das Worst-Case-Szenario, das nur die nun mit Detailfragen | |
| betraute Expertenkommission noch verhindern kann: Schnösel mit 3,0-Abi und | |
| reichem Papa studiert und pfeift anschließend aufs Gemeinwohl. | |
| Auch das Ziel, die notenfixierte Studienplatzvergabe zu öffnen, ist wenig | |
| aussichtsreich. Zwar sollen die Unis künftig zusätzliche Kriterien wie etwa | |
| soziale Kompetenz berücksichtigen, was viele der 34 staatlichen Ausbilder | |
| bereits heute tun. Nur: Bei diesen Tests muss die Note am stärksten | |
| gewichtet werden. Dass jemand mit 1,7-Abitur Medizin studiert, ist derzeit | |
| eine absolute Ausnahme. | |
| Das Medizinstudium bleibt weiter Generalisten vorbehalten, die in allen | |
| Schulfächern glänzen. Hervorragende NaturwissenschaftlerInnen bleiben außen | |
| vor, wenn sie in Sport oder Französisch mittelmäßig sind. Andere Maßnahmen, | |
| zum Beispiel mehr Studienplätze, sieht der „Masterplan“ nicht vor. Dabei | |
| wollten letztes Wintersemester 43.000 junge Menschen Medizin studieren – | |
| genug, um das Landarztproblem lösen zu können. | |
| 5 Apr 2017 | |
| ## LINKS | |
| [1] https://www.bmbf.de/files/2017-03-31_Masterplan%20Beschlusstext.pdf | |
| ## AUTOREN | |
| Ralf Pauli | |
| ## TAGS | |
| Studiengang Medizin | |
| Medizin | |
| Ärzte | |
| Krankenhäuser | |
| Arzt | |
| Landtagswahl in Niedersachsen | |
| Medizin | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| Ärztemangel auf dem platten Land: Studienplätze für Landärzte | |
| Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) will Medizin-Studienplätze für | |
| Bewerber reservieren, die sich verpflichten, Landarzt zu werden. | |
| Platzvergabe im Medizinstudium: Von den Besten die Sozialsten | |
| Beim Zugang zum Medizinstudium soll die Abinote bald weniger zählen – die | |
| soziale Kompetenz stattdessen mehr. Die Uni Münster testet das gerade. | |
| Studium trotz schwacher Abi-Note: Bildungsasyl an den Karpaten | |
| Abiturienten, die in Deutschland keinen Studienplatz finden, werden in | |
| Rumänien umworben: Die Unis bieten Programme auf Deutsch – von Medizin bis | |
| BWL. | |
| Europäisierte Ärzte-Ausbildung: Prestigeprojekt mit Konfliktpotenzial | |
| Ab Oktober will die Uni Oldenburg mit der Uni Groningen Mediziner | |
| ausbilden. In der Hochschule und unter Ärzten sorgt der Modellstudiengang | |
| für Unruhe. |