| # taz.de -- Wer wird Bundespräsident?: Verzweifelte Suche im Kanzleramt | |
| > Die ParteichefInnen von CDU, CSU und SPD suchen einen Kandidaten für die | |
| > Gauck-Nachfolge. Wie wäre es mit Frank-Walter Steinmeier? | |
| Bild: Ganz weit vorne? Steinmeier selbst äußert sich nicht, wie man das eben … | |
| Berlin taz | Sollte sich die Koalition in trauter Einigkeit präsentieren | |
| wollen, was die Suche nach dem nächsten Staatsoberhaupt angeht, gibt es am | |
| Sonntag die letzte Möglichkeit dafür: Die ParteichefInnen Angela Merkel, | |
| Horst Seehofer und Sigmar Gabriel treffen sich im Kanzleramt, um final über | |
| die Kandidatenfrage für das Amt des Bundespräsidenten zu beratschlagen. | |
| Die Lage ist, wie fast jedes Mal, ziemlich verfahren. Nachdem Joachim Gauck | |
| angekündigt hatte, 2017 aus Altersgründen nicht für eine zweite Amtszeit | |
| zur Verfügung zu stehen, trudelte eine Absage nach der anderen ein | |
| (Voßkuhle, Lammert, Käßmann). Und die Lichtgestalt, auf die sich | |
| VertreterInnen des gesamten Parteienspektrums einigen könnten, will einfach | |
| nicht erscheinen. Seit letzter Woche sorgt immerhin ein Name für | |
| Spekulationen, den Gabriel ins Spiel gebracht hat: Frank-Walter Steinmeier. | |
| Union und SPD sollen sich, so hieß es, eigentlich darauf verständigt haben, | |
| einen gemeinsamen Kandidaten für die Wahl am 12. Februar zu präsentieren. | |
| Für einen Alleingang fehlt es beiden Parteien an Stimmen in der | |
| Bundesversammlung. Also müssen Verbündete her. Nach leichter Übung für die | |
| Koalitionspartner klingt das sowieso nicht, dieses Mal ist es wegen der | |
| Bundestagswahl nächsten Herbst aber noch komplizierter: Wer gibt wie die | |
| Richtung für den Wahlkampf vor? | |
| Ein Problem, das der 60-Jährige, in der Bevölkerung beliebte derzeitige | |
| Außenminister hat, ist insofern sein SPD-Parteibuch. Zwar können sich die | |
| Genossen ganz wunderbar auf einen der ihren einigen. Doch für CDU und CSU | |
| wäre diese Besetzung eine Demütigung. Vor allem die CSU hat nach Merkels | |
| Flüchtlingspolitik ein Bedürfnis nach Selbstvergewisserung. Schließlich | |
| stellt die Union die meisten Stimmen in der Bundesversammlung. Warum sollte | |
| sie da die Juniorpartnerin spielen? | |
| ## Keine offensive Ablehnung gegen Steinmeier | |
| Bereits im April hatte der Spiegel berichtet, Merkel habe Gabriel | |
| vertraulich erklärt, sie könne in ihrer Partei keinen SPD-Kandidaten | |
| durchsetzen. Zwar stößt Steinmeier bei den beiden Generalsekretären von CDU | |
| und CSU, Peter Tauber und Andreas Scheuer, nicht unbedingt auf Gegenliebe – | |
| aber, und das ist das Auffällige, auch nicht auf offensive Ablehnung. | |
| Überhaupt halten sich Unionspolitiker mit Kommentaren eher vornehm zurück. | |
| Was wiederum ein Hinweis darauf sein könnte, dass Merkel sich weiter schwer | |
| damit tut, einen eigenen Kandidaten zu finden – schon gar keinen ähnlich | |
| gewichtigen wie Steinmeier. Und dass sich die SPD auf einen Hardliner wie | |
| Wolfgang Schäuble einlässt, dessen Name immer mal wieder fiel? Kaum | |
| vorstellbar. | |
| Spannend wird die Wahl, wenn sich die Parteispitzen am Sonntag nicht einig | |
| werden. Hält die SPD dann an Steinmeier fest, braucht sie Stimmen aus dem | |
| Oppositionslager. Bekäme sie diese, wäre das eine denkbar ungemütliche | |
| Situation für Merkel und die Union. Dann könnten die Grünen zum Zünglein an | |
| der Waage werden. Ihr Chef Cem Özdemir hält Steinmeier Medienberichten | |
| zufolge immerhin für einen „respektablen“ Kandidaten. | |
| Ein eigener Grünen-Kandidat in Gestalt von Winfried Kretschmann ist bisher | |
| nicht in Sicht. Kretschmann selbst hatte mehrfach gesagt, er „strebe dieses | |
| Amt nicht an“. Und nach der jüngsten Merkel-Lobhudelei (siehe links) wäre | |
| fraglich, ob die eigene Partei, namentlich der linke Flügel, ihn als | |
| Bundespräsidenten mittragen würde. Vom fehlenden Wohlwollen der Union ganz | |
| zu schweigen. | |
| Die Linkspartei schließlich sträubt sich zwar gegen Steinmeier – aber nicht | |
| in Gänze. Parteichef Bernd Riexinger gab Steinmeier wegen der Mitarbeit an | |
| der Agenda 2010 das Prädikat „unwählbar“. Aber die Doppelspitze der | |
| Bundestagsfraktion zeigt sich gewogen – nicht nur Dietmar Bartsch vom | |
| Realoflügel. Auch Sahra Wagenknecht, Vertreterin des Fundiflügels, lobte in | |
| der Bild am Sonntag ganz offensiv die Russlandpolitik des Außenministers. | |
| Sie hält alles offen: „Warten wir mal ab, ob und gegen wen er überhaupt | |
| antritt.“ | |
| Das ist die Frage. Steinmeier selbst nämlich äußert sich nicht, wie man das | |
| eben so macht als möglicher Kandidat, der sich nicht ins Aus schießen will | |
| – oder der zwar nicht antreten, aber auch seinen Parteichef nicht | |
| öffentlich brüskieren möchte. Sicher sein dürfte derzeit nur, dass sich | |
| Steinmeier nach mehr als 20 Jahren in der Politik nicht verheizen lassen | |
| wird. Ohne im Vorfeld auf eine klare Mehrheit bauen zu können, wird er kaum | |
| antreten. | |
| 4 Nov 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| Patricia Hecht | |
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