| # taz.de -- AfD in Baden-Württemberg: Die Fraktion spaltet sich | |
| > Wegen des Antisemitismus-Skandals verlassen 13 von 23 AfD-Abgeordnete die | |
| > Fraktion. Für Fraktionschef Meuthen ist die Spaltung endgültig. | |
| Bild: Sucht den Ausgang: AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen | |
| Stuttgart taz | Am Dienstagnachmittag ist der Showdown da. Um 16 Uhr tritt | |
| Jörg Meuthen im Stuttgarter Landtag vor die Kameras, in einer eilig | |
| einberufenen Pressekonferenz. Er werde die AfD-Fraktion verlassen, zusammen | |
| mit zwölf weiteren Abgeordnete, erklärte der Noch-Fraktionsvorsitzende. | |
| „Ich glaube, unsere Wählerschaft findet das konsequent und richtig.“ | |
| Damit fabriziert Meuthen ein gehöriges Chaos in der AfD. Grund für die | |
| Spaltung, zwei Monate nach der ersten Sitzung des Landtags, ist der | |
| anhaltende Streit über den Umgang mit den antisemitischen Schriften des | |
| Abgeordneten Wolfgang Gedeon, der sich etwa auf die „Protokolle der Weisen | |
| von Zion“ beruft. Meuthen hatte Gedeons Ausschluss verlangt und – falls ihm | |
| die Fraktion nicht folge – seinen eigenen Austritt angekündigt. Die nötige | |
| Zweidrittelmehrheit hatte er jedoch bei mehreren Probeabstimmungen nicht | |
| erhalten. | |
| Vor zwei Wochen einigte sich die Fraktion, dass eine Expertenkommission ein | |
| wissenschaftliches Gutachten zu Gedeons Schriften erstellen soll. Auf | |
| Wunsch Meuthens sollte mindestens einer der Wissenschaftler jüdischer | |
| Herkunft sein. Die Suche aber blieb ohne Erfolg. | |
| Offenbar erhielt die AfD nur Absagen, oder, wie ein Fraktionsmitglied sagt, | |
| eindeutige Beurteilungen von Gedeons Schriften. Namen der angefragten | |
| Experten mochte die Fraktion nicht nennen. Angefragt wurde aber etwa das | |
| Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, wie Wissenschaftler | |
| Marcus Funck erklärte. Man lehnte ab: „Der Fall erschien uns doch zu | |
| offensichtlich.“ | |
| Meuthen verlangte offenbar nach diesen Rückmeldungen in der | |
| Fraktionssitzung am Dienstag den sofortigen Ausschluss Gedeons. Auf der | |
| Sitzung, auf der es hoch herging, erklärten sich zehn Mitglieder der | |
| Fraktion mit Gedeon solidarisch – und Meuthen darauf seinen Austritt. | |
| ## Sieg der Hardliner | |
| Das Ausscheiden Meuthens kann als Sieg der rechten Hardliner in der | |
| Fraktion gewertet werden. Was das für die politische Zukunft des Bundes- | |
| und Landeschefs bedeutet, ist indes unklar. Meuthen bestätigte, dass | |
| Co-Parteichefin Frauke Petry auf dem Weg nach Stuttgart sei. Schon vorab | |
| hatte sie die Fraktion aufgerufen, Ruhe zu bewahren und sich nicht zu | |
| spalten. | |
| Doch Meuthen will seine Entscheidung nicht mehr rückgängig machen. Den | |
| Namen AfD nehme man mit. „Wir sind die AfD – wir denken nicht daran, als | |
| Mehrheit zu weichen.“ | |
| Noch am Nachmittag erklärte der AfD-Bundesvorstand, man werde nur die | |
| Gruppe um Meuthen „als Vertreter der AfD anerkennen“. Die Unterstützung der | |
| Gedeon-Getreuen missbillige man „aufs Schärfste“. Gedeons Schriften seien | |
| „eindeutig antisemitisch“. | |
| 5 Jul 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| Benno Stieber | |
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