| # taz.de -- Wahlprogramm der Berliner SPD: Helm auf zum Regieren! | |
| > Am Freitag beschließt die SPD ihr Wahlprogramm. Ganz vorn: das Thema | |
| > Wirtschaft. Beim Feiern der eigenen Erfolge begehen die Autoren schon mal | |
| > ein Foul. | |
| Bild: Der bisherige und wohl auch der künftige Regierungschef Michael Müller | |
| Die Berliner SPD hat das Thema Wirtschaft ganz nach oben gestellt. „Berlin | |
| boomt und holt mit dem höchsten Wirtschaftswachstum aller Bundesländer | |
| seinen Rückstand kontinuierlich auf“, heißt es im Leitantrag für den | |
| Landesparteitag am Freitagabend. Sollten die 240 Delegierten zustimmen, | |
| würde aus dem Papier automatisch ein Regierungsprogramm. | |
| Einen „Programmwahlparteitag“ nennt Parteisprecherin Marisa Strobel die | |
| Zusammenkunft in der „Station Berlin“ auf dem Gelände des ehemaligen | |
| Dresdener Bahnhofs am Gleisdreieck. „Wenn das Regierungsprogramm | |
| beschlossen wird, soll es zwei Wochen danach als Wahlprogramm vorliegen.“ | |
| Zusätzlich zu dem 100 Seiten starken Papier soll es dann noch eine | |
| Broschüre geben. „Die wollen wir an den Wahlständen verteilen“, so Strobe… | |
| Allerdings sind einige Streitpunkte noch nicht ausgeräumt, wie der | |
| „Dissensliste“ zu entnehmen ist, die die SPD ins Netz gestellt hat. So | |
| fordert das „Forum Netzpolitik“ die Delegierten auf, die | |
| Vorratsdatenspeicherung abzulehnen. Die Programmkommission hat den Antrag | |
| abgelehnt, schließlich hat Bundesjustizminister Heiko Maas die | |
| Vorratsdatenspeicherung gerade erst auf den Weg gebracht. Ebenfalls | |
| abgelehnt wurde ein Antrag aus Mitte, den ehemaligen Reichsminister Paul | |
| Hindenburg aus der Liste der Berliner Ehrenbürger zu entfernen. | |
| Der Leitantrag selber birgt keine großen Überraschungen. Nach dem Thema | |
| Wirtschaft werden die Themenfelder Stadtentwicklung, Mobilität, Bildung und | |
| Wissenschaft sowie Kultur und Integration abgearbeitet. Eine kleine | |
| Dreistigkeit erlauben sich die Verfasser beim Thema | |
| „Wohnraumversorgungsgesetz“. Dieses Gesetz, heißt es im Antrag, sei im | |
| Dezember 2015 „auf Initiative“ der SPD verabschiedet worden. Das mag | |
| parlamentarisch korrekt sein, doch tatsächlich ging die Initiative vom | |
| Mietenvolksentscheid aus, der der SPD Beine gemacht hat. So schamlos die | |
| Beteiligung anderer für sich zu vereinnahmen mag die | |
| Verhandlungsbereitschaft der Initiatoren des Fahrradvolksbegehrens nicht | |
| gerade fördern. | |
| Auch an anderen Stellen ist der Duktus, sich selbst auf die Schulter zu | |
| klopfen, nicht zu übersehen. Schon die erste Seite beginnt mit dem Satz: | |
| „In den vergangenen 15 Jahren hat sich Berlin hervorragend entwickelt.“ | |
| Soll heißen, es waren die Regierenden Bürgermeister Wowereit und Müller, | |
| die die Stadt vorangebracht haben. Und was war vor 2001 und dem Start von | |
| Rot-Rot? Auch als kleiner Partner war die SPD in Regierungsverantwortung. | |
| Ein bisschen „sich ehrlich machen“, wie Michael Müller gerne zu sagen | |
| pflegt, würde der „Berlin-Partei“ sicher nicht schaden. | |
| Wie die großflächigen Wahlplakate aussehen, wollte Parteisprecherin Strobel | |
| am Mittwoch nicht verraten. Sie dürfen ohnehin erst ab dem 31. Juli | |
| aufgestellt werden. Eine Woche vorher sollen sie vorgestellt werden. Schon | |
| zuvor aber kann der Regierende Bürgermeister am Freitag zeigen, wie er nach | |
| dem erfolgreichen Griff nach dem Landesvorsitz die jüngste Talfahrt bei den | |
| Umfragen überwinden will. Müller eröffnet den Parteitag am Freitag mit | |
| einer knapp halbstündigen Rede. | |
| 26 May 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| Uwe Rada | |
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