| # taz.de -- Umstrittener Immobilienverkauf: Bund spekuliert munter weiter | |
| > Heute stimmt der Bundestag über den umstrittenen Verkauf des | |
| > Dragnoner-Areals in Kreuzberg ab. Der Bezirk zweifelt am | |
| > Wohnungsbau-Konzept des Investors. | |
| Bild: Auch das Stadtbad Wedding wurde von Investor Piepgras gekauft | |
| Einmal mehr lässt der Bund Berlin bei einem Immobiliengeschäft abblitzen. | |
| Am Mittwoch stimmt der Haushaltsausschuss des Bundestags über den Verkauf | |
| des Kreuzberger Dragonerareals durch die bundeseigene Bundesanstalt für | |
| Immobilienaufgaben (Bima) ab. Den Zuschlag für den Erwerb des 4,7 Hektar | |
| großen Geländes zwischen Kreuzberger Rathaus, Obentrautstraße und | |
| Mehringdamm hatte im Oktober der Berliner Investor Arne Piepgras erhalten. | |
| Nach Informationen der taz soll Piepgras die Kaufoption aber an ein Wiener | |
| Konsortium übergeben haben. Dennoch gilt die Mehrheit für den Deal im | |
| Ausschuss als sicher. | |
| Besondere Brisanz bekommt das Geschäft, weil auch das Land Berlin | |
| angekündigt hatte, das Dragonerareal kaufen zu wollen. Berlins Regierender | |
| Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte noch als Bausenator die | |
| städtischen Wohnungsbaugesellschaften aufgefordert, ein Angebot bei der | |
| Bima abzugeben. So reichte etwa die Howoge – gemeinsam mit dem alternativen | |
| Mietshäusersyndikat – ein Angebot in Höhe von 20 Millionen Euro ein. „Wir | |
| wollten 700 Wohnungen auf dem Gelände bauen“, sagte der Architekt Bernhard | |
| Hummel vom Mietshäusersyndikat der taz. Außerdem sollten 10.000 | |
| Quadratmeter an Künstler vermietet werden. | |
| Doch die Bima ließ sich nicht umstimmen. Den Zuschlag bekam mit Arne | |
| Piepgras der Meistbietende. 36 Millionen Euro hat er nacheigenen Angaben | |
| über seine „Stattbad Wedding GmbH“ geboten. Darüber hinaus hatte Piepgras | |
| zugesichert, Künstlerateliers und ein Museum für den Berliner Maler George | |
| Grosz zu errichten. Wirksam wird der Kaufvertrag aber erst durch die | |
| Zustimmung im Haushaltsausschuss des Bundestags. | |
| Die grüne Bundestagsabgeordnete Lisa Paus kritisiert den geplanten Verkauf | |
| an Piepgras scharf: „Einmal mehr tritt hier der Bund als Spekulant auf, dem | |
| es einzig und allein um Millioneneinnahmen geht“, so Paus in einer | |
| Pressemitteilung am Dienstag. | |
| Kritiker gibt es auch in der SPD. Der Spandauer Bundestagsabgeordnete Swen | |
| Schulz, der selbst im Haushaltsausschuss sitzt, kündigte gegenüber der taz | |
| an, gegen den Vertragsentwurf zu stimmen. „Das Areal sollte in öffentlichem | |
| Besitz bleiben“, betonte Schulz. „Es ist sehr bedauerlich, dass es der Bima | |
| und dem Senat erneut nicht gelungen ist, einen Weg zu finden.“ | |
| Schulz spielte damit auf die gescheiterten Verhandlungen zum Kauf der | |
| Bima-Wohnungen in der Schöneberger Großgörschen- und Katzlerstraße durch | |
| die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag an. Dennoch sieht Schulz die Mehrheit | |
| für den Kaufvertrag nicht in Gefahr. | |
| Im Kaufvertrag, den die Abgeordneten im Haushaltsauschuss abnicken sollen, | |
| ist von Piepgras‘ „Stadtbad Wedding GmbH“ indes keine Rede mehr. | |
| Stattdessen soll das Areal an die „Dragonerhöfe GmbH“ mit Sitz in Wien | |
| verkauft werden. Dort soll Piepgras nur noch Gesellschafter sein. Weil | |
| Piepgras in das Stadtbad Wedding als Kulturstandort noch nicht investiert | |
| hat, spricht das Bündnis „Stadt von unten“ von einem „höchst spekulativ… | |
| Deal“. | |
| Kreuzbergs Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) zweifelt unterdessen am Konzept | |
| des designierten Eigentümers. „Für einen solch hohen Kaufpeis lohnen sich | |
| auf dem Gelände nur teure Wohnungen“, sagte Panhoff der taz. Der Bezirk | |
| habe dagegen in einem so genannten Aufstellungsbeschluss für einen | |
| Bebauungsplan ein Drittel bezahlbare Wohnungen vorgesehen. „Dafür fehlt | |
| aber noch die Zustimmung des Senats“, so Panhoff. | |
| Der Verkauf in Kreuzberg ist einer von zwei Deals der Bima, die am Mittwoch | |
| zur Abstimmung stehen. Der zweite ist ein Grundstück am Lützowufer, das | |
| ebenfalls an den Meistbietenden verkauft werden soll. | |
| 24 Mar 2015 | |
| ## AUTOREN | |
| Uwe Rada | |
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