# taz.de -- Recht auf Vergessen: Google einigt sich mit Max Mosley | |
> Google wollte Seiten mit Sexbildern von Mosley nicht automatisch aus dem | |
> Suchindex entfernen. Jetzt ist die Suchmaschine wohl eingeknickt. | |
Bild: Max Mosley im Jahr 2008, in unverfänglicher Pose abgebildet. | |
FREIBURG taz | Muss Google künftig Filter in seine Suchmaschine einbauen, | |
damit rechtswidrige Sex-Fotos nicht mehr angezeigt werden? Nächste Woche | |
wollte das Oberlandesgericht Hamburg diese grundsätzliche Frage | |
entscheiden. Doch das Urteil fällt aus, denn Google und Kläger Max Mosley | |
haben sich in letzter Minute doch noch geeinigt. Vermutlich bekommt Mosley | |
den geforderten Filter und Google vermeidet eine negative | |
Grundsatzentscheidung. | |
Der 75-jährige englische Anwalt Max Mosley war früher Vorsitzender des | |
Welt-Automobilverbands FIA. Seit 2008 kursieren im Internet Bilder von | |
einer sado-masochistischen Sex-Orgie, die Mosley mit fünf Prostituierten | |
inszenierte. | |
Seit Jahren versucht Mosley die Verbreitung der Bilder zu verhindern, die | |
seine Intimsphäre verletzen und daher nicht ohne sein Einverständnis | |
gezeigt werden dürfen. Dabei ging er gegen die Inhaber der Domains vor und | |
wenn diese nicht greifbar waren, bat er Google, die Seiten zumindest aus | |
den Trefferlisten zu streichen. | |
Auf die Dauer war ihm dies aber zu aufwändig und er forderte Google auf, | |
einen Filter zu entwickeln, der verhindert, dass diese Bilder überhaupt in | |
Trefferlisten zu seinem Namen auftauchen. Google weigerte sich jedoch, man | |
sei schließlich keine Zensurmaschine. Der Suchkonzern werde aber weiterhin | |
illegale Bilder aus den Suchlisten entfernen, sobald Mosley diese meldet. | |
Das genügte Mosley nicht. | |
## Urteilsverkündung vertagt | |
Zunächst siegte der Engländer beim Landgericht Hamburg. Google wurde | |
verurteilt, für sechs konkrete Fotos Filter zu entwickeln. Dagegen ging | |
Google in Berufung. Doch das Oberlandesgericht Hamburg signalisierte | |
[1][bei seiner Verhandlung im Februar], dass Mosley auch in der zweiten | |
Instanz gewinnen wird. | |
Am 5. Mai sollte eigentlich das Urteil fallen, doch ohne Begründung wurde | |
der Termin auf 19. Mai verschoben. Inzwischen weiß man, dass Google und | |
Mosley hinter den Kulissen an einer Einigung in letzter Minute arbeiteten. | |
Am Montag wurde eine Vereinbarung unterzeichnet, [2][wie Spiegel Online | |
herausfand]. Inzwischen haben beide Seiten der taz fast wortgleich | |
bestätigt, dass der Streit „zur Zufriedenheit beider Seiten“ beigelegt sei. | |
Über Details werde man aber nichts sagen. | |
Es liegt allerdings ziemlich nahe, wie die Einigung aussieht: Max Mosley | |
bekommt das, was er wollte und zieht deshalb seine Erfolg versprechende | |
Klage zurück. Künftig wird Google wohl per Filter automatisch verhindern, | |
dass Mosleys Sex-Fotos erneut in die Trefferlisten gelangen. Die Einigung | |
gilt nicht nur für Google Deutschland, sondern "in allen Ländern“, wie | |
Google der taz bestätigte. Mosley hatte parallel auch Prozesse in | |
Frankreich und Großbritannien geführt. | |
Google hatte offensichtlich die Hoffnung verloren, am Ende beim | |
Bundesgerichtshof, beim Bundesverfassungsgericht oder beim Europäischen | |
Gerichtshof doch noch zu gewinnen. Nach der Einigung mit Mosley gibt es nun | |
immerhin kein Grundsatz-Urteil, auf das sich andere Betroffene berufen | |
können. Allerdings können jene hoffen, dass Google auch in ihrem Fall | |
einlenkt, wenn sie glaubwürdig mit einer Klage drohen. Mosleys Anwältin | |
Tanja Irion weiß nun, wie man Google in die Knie zwingt. | |
15 May 2015 | |
## LINKS | |
[1] /Recht-auf-Vergessen/!154034/ | |
[2] http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/max-mosley-und-google-beenden-ih… | |
## AUTOREN | |
Christian Rath | |
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