| # taz.de -- Sharing-Angebote in Berlin: Teilen lernen | |
| > Anbieter klagen über unfaire Bedingungen, die Politik fürchtet mehr | |
| > Individualverkehr. Ein Gesetz soll Pkw- und Zweiradsharing in Berlin | |
| > regulieren. | |
| Berlin taz | Dynamisch, nachhaltig und vor allem sehr entspannt ist sie, | |
| die Welt des Carsharings. Jedenfalls, wenn man den Bildwelten auf den | |
| Websites der großen Anbieter Glauben schenkt. Hier hat gerade ein | |
| fröhliches Paar den geteilten Flitzer am ganz leeren Straßenrand in einem | |
| Altbauquartier geparkt, dort wirbt ein Mitbewerber mit Wellness-Slogans wie | |
| „Frühlingsgefühle auf der Stadtautobahn“, ein anderer, der auf Elektroaut… | |
| setzt, mit „Dein Leben ohne Benzin“. | |
| Die Wirklichkeit sieht nicht ganz so rosig aus, weder für die NutzerInnen | |
| noch für die Unternehmen. Erstere stehen – zumindest in den Autos der | |
| Anbieter, die im Minutentakt abrechnen – unter Zeitdruck, wenn sie im Stau | |
| versauern oder keinen Parkplatz finden, letztere unter Konkurrenzdruck. Vor | |
| allem aber sehen sich viele Anbieter nicht ausreichend vom Senat | |
| unterstützt, obwohl sie doch, wie sie finden, eine zukunftsfähige Form der | |
| Mobilität verkaufen. Genau daran hat die Politik aber ihre Zweifel. | |
| „Free Floating“ nennt sich das Carsharing-Prinzip, das ohne feste Orte für | |
| Abholung und Rückgabe auskommt: Geparkt werden die Fahrzeuge einfach am | |
| Straßenrand. Rund 6.000 gibt es davon zurzeit, sie gehören den vier | |
| Unternehmen Share Now, WeShare, Miles und Sixt. Ein Fuhrpark, fast zehnmal | |
| so groß wie der der klassischen stationsbasierten Anbieter: Firmen wie | |
| Cambio und Greenwheels sind deutlich länger auf dem Markt, dümpeln aber bei | |
| rund 700 Fahrzeugen vor sich hin. Zum Vergleich: Insgesamt sind in Berlin | |
| derzeit über 1,2 Millionen Pkws zugelassen. | |
| Beim Free-Floating ist der Berliner Markt dynamisch, wie man so sagt. Den | |
| Anfang machte 2011 DriveNow, ein Tochterunternehmen von BMW, 2012 folgte | |
| car2go von Konkurrent Daimler. Beide Anbieter, die selbstverständlich auch | |
| die jeweiligen Fahrzeuge promoten sollten, kamen zusammen auf rund 2.500 | |
| Pkws in Berlin – bis sie tatsächlich zusammenkamen: Vor zwei Jahren gingen | |
| sie im Joint Venture Share Now auf. Auf dessen Website steht zwar, in der | |
| Stadt stünden „2.300+ Autos“ bereit, auf taz-Anfrage hieß es jedoch, die | |
| Flotte – vom Smartfortwo bis zum Mercedes-Benz GLA („Kompakt-SUV mit | |
| Allradantrieb“) – sei nur 1.800 Fahrzeuge stark. | |
| Elektrisch betriebene Modelle werden von Share Now derzeit in Berlin nicht | |
| vorgehalten, im Gegensatz etwa zu München oder Hamburg. Sprecherin Kathrin | |
| Amthor begründet das so: „Um eine teilelektrische Flotte zu etablieren, | |
| braucht es vorteilhafte Rahmenbedingungen wie die konsequente Anwendung des | |
| Elektromobilitätsgesetzes, das kostenfreies Parken von EV [E-Autos, Anm. d. | |
| Red.] ermöglicht.“ Das vermisse man in Berlin ebenso wie optimale | |
| Lademöglichkeiten: „Wir brauchen eine öffentliche, dezentrale | |
| Ladeinfrastruktur mit einer hohen Anzahl an verfügbaren Ladepunkten, die | |
| untereinander vernetzt und für alle Fahrzeuge kompatibel sind.“ | |
| Das will Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung, so nicht | |
| stehen lassen: „Freefloating-Firmen nutzen regelmäßig die durch das Land | |
| Berlin finanzierte öffentliche Ladestruktur.“ Dazu gehörten auch | |
| Parkplätze, die während des Ladevorgangs kostenlos seien. „Die Unternehmen | |
| profitieren insofern vom Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur, der in Berlin | |
| übrigens mit aktuell rund 1.400 Ladepunkten im Bundesvergleich am weitesten | |
| fortgeschritten ist“, so Thomsen. Zudem habe die Verwaltung die | |
| Erfordernisse der Carsharing-Anbieter abgefragt und berücksichtigt, wenn es | |
| um Konzepte für die öffentliche Ladeinfrastruktur ging. | |
| ## 1.400 Ladepunkte | |
| Ob 1.400 Ladepunkte viel oder wenig sind, darüber lässt sich streiten. In | |
| absoluten Zahlen liegt Berlin damit tatsächlich deutschlandweit vorn, dicht | |
| gefolgt allerdings von Hamburg mit nur halb so vielen EinwohnerInnen. Die | |
| auch noch häufiger elektrisch unterwegs sind: Laut Kraftfahrt-Bundesamt | |
| waren im vergangenen Oktober 1,26 Prozent aller in Hamburg zugelassenen | |
| Pkws batteriebetriebene E-Autos und Plug-in-Hybride, in Berlin nur 1,08 | |
| Prozent. Richtig ist trotzdem: Berlin gehört beim Ausbau der | |
| Ladeinfrastruktur zur Spitzengruppe. | |
| Ein weiterer großer Anbieter im Free-Floating-Geschäft, das 2018 von VW | |
| gegründete Unternehmen WeShare, fühlt sich mit seiner rein elektrischen | |
| Flotte von 1.500 E-Golfs und ID.3 offensichtlich wohl in Berlin. Den Preis | |
| von 19 Cent pro Leihminute konnte es allerdings nicht lange halten, vor | |
| wenigen Monaten wurde auf 29 Cent erhöht. ShareNow liegt dagegen noch bei | |
| 19 Cent für die kleinsten Modelle. Grundsätzlich sind die Preisstrukturen | |
| aufgrund unterschiedlicher Tarifklassen und Abonnement-Angebote nicht ganz | |
| einfach zu vergleichen. Beim kleinsten und jüngsten Anbieter in Berlin, | |
| Sixt share (Slogan: „Carsharing in Geil“), kann man sogar schon ab 9 Cent | |
| pro Minute fahren – wenn Tageszeit und Auslastung gerade günstig sind. | |
| Die meisten Fahrzeuge bietet derzeit das 2017 als Start-up in Berlin | |
| gegründete Unternehmen Miles an: „Über 2.000“ seien es zurzeit in Berlin, | |
| sagt Geschäftsführer Oliver Mackprang zur taz, eine Ausweitung sei | |
| angedacht. Die Flotte besteht lediglich aus Verbrennern – ob eine | |
| Elektrifizierung betriebswirtschaftlich Sinn mache, werde noch geprüft, so | |
| Mackprang. Miles unterscheidet sich in mehrlei Hinsicht von den | |
| Mitbewerbern: Es ist keine Ausgründung eines Automobilkonzerns und es | |
| rechnet bei den KundInnen nach gefahrenen Kilometern ab, nicht pro Minute. | |
| Das kann mal etwas billiger, mal etwas teurer sein – in jedem Fall ist es | |
| entspannter. | |
| Mackprang hat in der jüngsten Vergangenheit mehr als einmal öffentlich | |
| Kritik an der Verkehrsverwaltung erhoben, und er wiederholt das gegenüber | |
| der taz: Berlin sei in Sachen Carsharing „leider nicht so fortschrittlich | |
| wie andere Städte in Deutschland“. Als Beispiele nennt er Hamburg, München | |
| und Düsseldorf, aber: „Es gibt auch viele Kleinstädte, die innovativer und | |
| zielgerichteter an eine Mobilitätswende herangehen. Unsere Gesprächs-, | |
| Kommunikations- und Dialogversuche laufen meist ins Leere, auch als Branche | |
| und im Verbund mit anderen Mobilitätsdienstleistern.“ | |
| Hauptärgernis für die Sharer: Ihre Fahrzeuge werden in Zonen der | |
| Parkraumbewirtschaftung nicht privilegiert. Stellen KundInnen sie dort ab, | |
| werden die ganz normalen Gebühren fällig und müssen von den Anbietern | |
| entrichtet werden. Ausnahmeregeln wie die immer noch sehr billige | |
| Parkvignette für AnwohnerInnen gibt es fürs Carsharing nicht – gleichzeitig | |
| werden die bewirtschafteten Zonen immer mehr. | |
| Auch WeShare-Sprecher Michael Fischer hat damit ein großes Problem: „Im | |
| Vergleich zum Besitzer eines privaten Pkw werden Nutzer von | |
| Carsharingsystemen indirekt benachteiligt. Jedes Fahrzeug muss pro Jahr | |
| mehr als das Hundertfache an Parkgebühren eines Anwohnerfahrzeugs mit | |
| Anwohnervignette entrichten.“ In anderen deutschen Großstädten werde | |
| Carsharing beim Thema Parkgebühren gesondert gefördert, es würden exklusive | |
| Parkflächen geschaffen und E-Autos teils gänzlich von den Gebühren befreit. | |
| Sein Fazit: „Carsharing wird aus unserer Sicht nicht aktiv in die | |
| Nachhaltigkeitsplanungen der Stadt einbezogen.“ | |
| Der Sprecher der Verkehrssenatorin hält dem entgegen, dass eine höhere | |
| Bepreisung von Parkraum auch für AnwohnerInnen in Arbeit sei. Als | |
| Nebeneffekt werde dadurch das Carsharing attraktiver, so Thomsen. Nicht zu | |
| vergessen sei, dass die Privilegierung von AnwohnerInnen bloß für die Zone | |
| gelte, in der sie wohnen. Das Parken für Carsharing-Anbieter billiger zu | |
| machen, bringe jedenfalls „die verkehrspolitischen Ziele nicht voran“, | |
| meint Thomsen. Es wäre „ein falscher Anreiz, weil er zu mehr Autoverkehr | |
| statt zu seiner Vermeidung beiträgt“. Denn Ziel sei es, den Parksuchverkehr | |
| in Kiezen erheblich zu mindern. | |
| Auf Anhieb nachzuvollziehen ist die Argumentation nicht unbedingt: Warum | |
| sollten mehr Carsharing-Autos in den Kiezen herumkurven als heute, wenn | |
| sich für sie Parkgebühren verringerten? Auch jetzt schon steht es den | |
| NutzerInnen frei, das geliehene Fahrzeug dort abzustellen, bezahlt werden | |
| die Gebühren vom Anbieter, der sie in die Sharingtarife einpreist. | |
| Tatsächlich ist genau das die Logik der Verkehrsverwaltung: Privilegierung | |
| bei den Parkgebühren führt – wahrscheinlich – zu günstigeren | |
| Sharingtarifen, und das führt am Ende zu noch mehr Autoverkehr. | |
| Im Grunde steckt hinter alledem eine Frage, die Anbieter und Politik | |
| mittlerweile sehr unterschiedlich beantworten: Reduziert Carsharing das | |
| Auto-Aufkommen in einer Stadt? Die Unternehmen sind davon überzeugt. „Ein | |
| Share-Now-Fahrzeug wird im Schnitt über sechsmal mehr bewegt als ein | |
| privates Fahrzeug“, sagt Sprecherin Kathrin Amthor. Damit mache die | |
| Share-Now-Flotte in Berlin „eine Parkfläche von über 12.000 Quadratmetern“ | |
| frei. Und: „Insgesamt fahren Carsharing-Nutzer weniger Autokilometer in der | |
| Stadt, was Staus, Lärm und Luftverschmutzung reduziert.“ Bei der Konkurrenz | |
| argumentiert man genauso. | |
| In der Senatsverkehrsverwaltung hat man da Zweifel: Ja, Carsharing biete | |
| theoretisch die Chance, dass die Zahl privater Autos abnehme, sagt Sprecher | |
| Thomsen. Das aber sei „nach den vorliegenden Untersuchungen und | |
| Erkenntnissen keineswegs gesichert“. Im Gegenteil erzeuge Carsharing in | |
| seiner momentanen Form eher „unerwünschte verkehrliche Effekte“, ziehe | |
| ÖPNV-NutzerInnen ins Auto und sorge für zusätzliche Belastungen der | |
| Innenstadt. Während das Sharing-Angebot außerhalb des S-Bahn-Rings dünn sei | |
| – bisher gehören nur Steglitz, Wedding, Pankow und Lichtenberg dazu –, | |
| erhöhten die Fahrzeuge in manchen zentralen Bereichen den | |
| Parkraum-Suchdruck. „Hier erzeugt Carsharing offenbar insgesamt mehr statt | |
| weniger Verkehr.“ | |
| Auch Jan Thomsen verweist auf Studien: solche, die lediglich den | |
| stationsbasierten Anbietern mit festen Stellplätzen und | |
| Reservierungsmöglichkeit einen Nachhaltigkeitseffekt bescheinigen. Diese | |
| fungierten häufig als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zum ÖPNV. Dass | |
| beim Thema Carsharing die Ergebnisse unterschiedlicher Studien stark | |
| variieren, räumt Thomsen ein. | |
| Eine weitere Sorge treibt die Free-Floater um: „In Berlin droht eine | |
| gesetzliche Regulierung für Carsharing und damit eine weitere Verschärfung | |
| der Rahmenbedingungen“, so Michael Fischer von WeShare. Tatsächlich | |
| arbeitet die Verkehrsverwaltung an einem Gesetz, das die Bereitstellung von | |
| Mietfahrzeugen auf öffentlichem Straßenland erstmals regulieren soll – | |
| durch Mengenbegrenzungen, aber auch durch Gebühren. „Das heutige Angebot | |
| orientiert sich an den betriebswirtschaftlichen Erwägungen der Verleiher“, | |
| sagt Sprecher Thomsen, der Politik fehlten „Möglichkeiten, auf eine | |
| stadtverträgliche und verkehrspolitisch sinnvolle Ausgestaltung der | |
| Angebote Einfluss zu nehmen“. Das sei aber notwendig: nicht nur was die | |
| räumliche Verteilung angehe, sondern auch bei der Art des Antriebs. | |
| Wie teuer die geplante „Sondernutzungserlaubnispflicht“ für die Anbieter | |
| werde, stehe noch nicht fest, sagt Thomsen. Klar sei: Die Gebühren sollten | |
| „nicht verdrängend oder übermäßig belastend“ wirken, sondern lediglich … | |
| Steuerungswirkung entfalten. Wie das konkret aussehen werde, wolle man | |
| „auch im Dialog mit den Anbietern“ erarbeiten. Gut möglich, dass dies nicht | |
| exakt die Art von Dialog ist, die sich die Sharing-Branche wünscht. | |
| Bei Initiativen für nachhaltige Mobilität kommt das schon besser an. | |
| Ragnhild Sørensen, Sprecherin von Changing Cities e. V., hält Carsharing | |
| grundsätzlich für unverzichtbar, wenn es darum gehe, die Zahl der Autos | |
| massiv zu verringern – wobei sie stationsbasierte Dienste für | |
| energieeffizienter hält. Die Anbieter müssten ihre Daten künftig über eine | |
| „gemeinsame Mobilitätsplattform und -datenbank“ mit der Verkehrsverwaltung | |
| teilen. Nur so lasse sich ihr Angebot „aktiv, mengenregulierend und | |
| auslastungseffizient“ steuern. „Damit das funktioniert, sind Konzessionen | |
| erforderlich“, meint Sørensen. | |
| ## Zweirad-Sharing: Rad weg vom Gehweg | |
| Genau unter dem Fenster von Michael Springer (Name geändert) hat das | |
| Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg im vergangenen Sommer etwas beinahe | |
| Revolutionäres getan: Es richtete den ersten Parkplatz für E-Scooter ein. | |
| Stabile rotweiße Baken wurden im Asphalt versenkt und ein Verkehrsschild | |
| aufgestellt, das einen Roller mit Stromkabel zeigt. Theoretisch können hier | |
| auch Mietfahrräder abgestellt werden, faktisch sind es aber ausschließlich | |
| die elektrischen Roller der Verleiher wie Lime, Tier oder Bird, die hier | |
| stehen. | |
| Wenn sie denn hier stehen: „Manchmal ist der Platz völlig leer oder es | |
| stehen Mülltonnen drauf“, weiß Springer zu berichten, „aber dann kommt au… | |
| mal wieder ein Transporter und stellt ein Dutzend Roller auf.“ | |
| Grundsätzlich findet der Anwohner das Angebot nicht schlecht, nur an die | |
| Nebenwirkungen scheint niemand gedacht zu haben: „Wenn ich nachts das | |
| Fenster auflasse, darf ich mir manchmal bis in den frühen Morgen das | |
| Gedudel der Scooter anhören, immer wenn jemand einen freischaltet.“ | |
| Aber das ist nur ein Nebenschauplatz im Konflikt um die Hoheit auf Berlins | |
| Gehwegen, der seit einigen Jahren schwelt. Nicht nur der Fußgängerverband | |
| FUSS e. V. beklagt regelmäßig, dass die akkubetriebenen Gefährte oft kreuz | |
| und quer herumliegen und zu Stolperfallen werden. Schon 2019 gab es deshalb | |
| ein Treffen der Bezirksämter mit der Senatsverkehrsverwaltung, bei dem die | |
| Einrichtung Hunderter fester Abstellflächen vereinbart wurde. | |
| Allein, bis heute kann man diese Parkplätze an zwei Händen abzählen. Das | |
| Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg etwa erklärt, es gebe neben der | |
| Bergmannstraße bislang nur zwei weitere am Boxhagener Platz, obwohl man für | |
| 2020 die Schaffung von 20 Stellplätzen versprochen hatte. Die Finanzierung | |
| sei lange unklar gewesen, teilt die Pressestelle mit, in diesem Jahr gehe | |
| es aber weiter. | |
| Wie auch immer: Der Nutzen solcher Flächen ist äußerst begrenzt. Denn auch | |
| wenn die Anbieter einen Teil ihrer Fahrzeuge dort platzieren – von den | |
| NutzerInnen werden sie im Normalfall genau dort zurückgelassen, wo ihre | |
| Fahrt endet. Denn das ist es ja, was die Verwendung der Roller attraktiv | |
| macht. | |
| Auch weil ein Gesetz in Vorbereitung ist, das eine stärkere Regulierung | |
| aller Sharingdienste ermöglichen soll, sind die Anbieter alarmiert und | |
| versuchen, ans Verantwortungsbewusstsein der Ausleihenden zu appellieren: | |
| „Wir weisen bei jeder Neuregistrierung in unserer App mit einer Serie an | |
| leicht verständlichen Erklärbildern, die auch nicht übersprungen werden | |
| können, auf die wichtigsten Benutzungs- und Verhaltensregeln hin“, sagt | |
| David Krebs vom Berliner Anbieter Tier. Beim Austausch der Batterien würden | |
| falsch geparkte Scooter umgesetzt, PassantInnen könnten sie auch | |
| telefonisch melden. | |
| Tier stellt in Berlin nach eigenen Angaben rund 3.000 E-Scooter und 1.000 | |
| E-Mopeds zur Verfügung. Corona habe im Frühjahr zu einem lediglich | |
| temporären Umsatzeinbruch geführt, sagt Krebs, „ab Juni waren unsere | |
| Geschäfte profitabel“. Die Scooter würden im Übrigen zu 90 Prozent von | |
| Menschen genutzt, die sich mit inländischen Zahlungsmitteln registrierten. | |
| Das sei ein Hinweis darauf, dass entgegen dem Klischee keineswegs vor allem | |
| Touristen das Angebot nutzten. | |
| Krebs betont, „weite Teile des Geschäftsgebiets“ von Tier lägen aktuell | |
| außerhalb des S-Bahn-Rings. Und auch beim Konkurrenten Lime arbeitet man | |
| daran, die oft kritisierte Beschränkung auf den Innenstadtbereich | |
| aufzulösen: Ab sofort ließen sich E-Scooter sowie E-Bikes, die das | |
| Unternehmen ebenfalls im Angebot hat, auch in Steglitz und Spandau mieten. | |
| „Wir sind überzeugt davon, dass Lime auch und gerade außerhalb des Zentrums | |
| weitere Autofahrten ersetzen kann“, sagt Lime-Deutschland-Chef Jashar | |
| Seyfi. Gerade in der Pandemie wolle man „sicherstellen, dass Menschen | |
| Zugang zu einfacherer und sicherer Mobilität haben, die physische Distanz | |
| ermöglicht“. | |
| Laut der Senatsverkehrsverwaltung hatten die Sharingdienste in Berlin vor | |
| Beginn der Pandemie rund 16.000 E-Scooter, 14.000 Fahrräder und 800 | |
| E-Mopeds im Angebot. Im Laufe des Jahres 2020 hätten einige ihre Fahrzeuge | |
| gänzlich abgezogen, andere teilweise. Konkrete Zahlen lägen aber nicht vor, | |
| sagt Sprecher Jan Thomsen, und auch gegenüber der Presse reden viele | |
| Scooter-Anbieter nicht gern über den Umfang ihres Fuhrparks und dessen | |
| Auslastung. | |
| Beim dänischen Fahrrad-Sharer Donkey Republic heißt es dagegen ganz offen, | |
| die Vermietungen seien im Coronajahr 2020 auf 320.000 gesunken – nach | |
| 469.000 im Jahr 2019. Um der Nutzung durch lokale AusleiherInnen | |
| entgegenzukommen, habe man vor einem halben Jahr eine günstige | |
| 7-Tage-Mitgliedschaft eingeführt, damit Benutzer die Räder länger am Stück | |
| behalten könnten. | |
| Beim vom Senat geförderten Leipziger Fahrrad-Sharer Nextbike dagegen heißt | |
| es, man habe trotz Corona 34 Prozent mehr Fahrten verzeichnet als 2019. | |
| „Die Leute wollten schlichtweg raus an die Luft, um das schöne Wetter zu | |
| genießen und sich sicher mit genügend Abstand fortbewegen“, erklärt | |
| Sprecherin Mareike Rauchhaus diesen Anstieg. | |
| Er könnte allerdings auch damit zu tun haben, dass Nextbike sich immer noch | |
| im Ausbau befindet und das schon für 2018 geplante Angebotsziel von 5.500 | |
| Rädern weiterhin deutlich verfehlt. Was wiederum auch daran liegt, dass die | |
| Genehmigung der festen Nextbike-Stationen durch die Bezirke schon vor | |
| Corona nur schleppend vorankam. | |
| 23 Jan 2021 | |
| ## AUTOREN | |
| Claudius Prößer | |
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