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# taz.de -- Normalisierung Israels Gewalt in Gaza: Tödliche Abstumpfung
> Das Berichterstatten über Gaza ist zum Verzweifeln, die meisten
> Leser:innen sind abgestumpft – auch deshalb, weil die Politik nichts
> unternimmt.
Bild: Palästinenserinnen warten verzweifelt im Stadtteil Al-Rimal im Zentrum v…
Es ist journalistisch zum Verzweifeln. Die Lage im Gazastreifen wird immer
schlimmer, aber medial ist sie schon längst zur Pflichtveranstaltung
verkommen. Denn das „Schlimmer“ kämpft gegen die kurze medialen
Aufmerksamkeitsspanne an. Haben wir [1][alles schon gesehen und gehört,
heißt es]: Der tägliche kurze Bericht über mehrere Dutzend Tote an den
israelisch-amerikanischen Essenverteilstellen der dubiosen Gaza
Humanitarian Foundation (GHF); die Bilder von Menschen in Zelten, die
erzählen, dass sie kaum mehr etwas zu essen finden. Die Einstellungen aus
einem Krankenhaus mit den abgemagerten Kinderkörpern in dieser
menschengemachten Katastrophe und natürlich die wiederkehrenden
[2][Aufnahmen von einem Meer von Kindern mit leeren Blech- und
Plastikschüsseln].
Irgendwann macht der Schock der Taubheit Platz. Dann sitzen wir in
Redaktionskonferenzen und fragen: Wie können wir die Geschichte
weiterdrehen, sie spürbar machen? Dann kommen wir mit den Statistiken der
Hilfsorganisationen, die versuchen, Hunger wissenschaftlich in Zahlen zu
kategorisieren, die viel und doch wieder nichts aussagen, weil sie keine
Namen haben. Oder wir finden einen amerikanischen oder deutschen, im besten
Fall „bio-weißen“ Arzt in Gaza, der über Unterernährung seiner Patienten
erzählt oder davon, mit welchen Schusswunden sie von den Verteilstellen auf
einem Eselskarren zum Spital transportiert wurden, weil es keinen
Treibstoff mehr gibt.
Doch die Taubheit bleibt. Wohl auch, weil all diese Berichte politisch
nichts bewirken. Statt aufzuschreien, sitzt die Politik das Ganze aus. Es
ist wie eine Decke, die über uns gezogen ist, die nicht durchdrungen werden
kann. Deutsche Staatsräson, leere EU-Nahost-Worthülsen, Trump’scher
Wahnsinn – die Decke hängt tief. Und wir darunter werden immer
abgestumpfter.
Es ist journalistisch zum Verzweifeln. Aber wie klein und unbedeutend ist
diese Verzweiflung im Vergleich zu jener der Menschen in Gaza, über die wir
berichten. Sie kämpfen mit ihren Familien jeden Tag ums Überleben, wir nur
darum, uns am Morgen als Journalisten im Spiegel ansehen zu können. Dann
fragt uns unser Gewissen wie jeden Tag: Was können wir recherchieren,
schreiben und erzählen, damit die Abgestumpften wieder etwas spüren.
21 Jul 2025
## LINKS
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## AUTOREN
Karim El-Gawhary
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Nahost-Debatten
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