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# taz.de -- Trainer im diplomatischen Dienst: Nur Fußball, bitte!
> Urs Fischer hat bei seiner Rückkehr zu Union seine Emotionen natürlich im
> Griff. Und auch Leverkusens Coach Kasper Hjulmand lässt sich nicht
> locken.
Bild: Nur aufs Spiel konzentriert: Urs Fischer beim Spiel gegen seinen alten Kl…
Es gab Zeiten in der Bundesliga, als Trainer nicht nur gekokst haben,
sondern [1][in aller Öffentlichkeit auch noch über ihre Kollegen hergezogen
sind.] Langweiler waren verpönt und wurden wegen ihrer zurückhaltenden Art
angegriffen.
Über das eigene Image machte man sich noch wenig Gedanken. Max Merkel
erzählte einst freimütig über seine Arbeitsweise: „Im Training habe ich mal
die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Antialkoholiker spielen lassen.
Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da habe ich gesagt: Sauft's weiter!“
Nicht nur die leistungssportlichen Denkansätze, auch die Trainer haben sich
fundamental geändert. Der Schweizer Urs Fischer ist sicherlich ein
Paradebeispiel dafür. Bei der Rückkehr an die Alte Försterei in Köpenick,
[2][an den Ort seiner größten Erfolge], hatte der Mainzer Trainer am
Samstag wie stets alles unter Kontrolle. Was seine Emotionen anging, gab er
nicht das Mindeste preis. Beim Umarmen seiner jahrelangen Weggefährten vor
dem Anpfiff, behielt er seine linke Hand bis auf eine Ausnahme immer in der
Jackentasche. Und danach beteuerte er, sein Fokus sei mehrheitlich beim
Spiel gewesen.
Verrückt ist, dass dieser nüchterne Fischer an so einem gefühlsduseligen
Standort wie Union Berlin solche Schwingungen auslösen konnte – sportlich
wie emotional. Trainer sind längst zu Diplomaten im höheren Dienst
geworden. Woche für Woche loben sie ihre Kollegen, die Stärke der anderen
Teams, umkurven konfliktträchtige Themen im eigenen Klub mit der Eleganz
eines Slalomfahrers und können stundenlang reden, ohne wirklich etwas
gesagt zu haben. Urs Fischer ragt in dieser Kunst nur heraus.
All dies trägt dazu bei, dass schon kleine Abweichungen eine mediale
Übererregung erzeugen. Eine halbe Stunde vor dem Bundesliga-Topspiel
zwischen Leverkusen und Stuttgart wollte der übertragende Sender Sky mit
Bayer-Trainer [3][Kasper Hjulmand] dessen Social-Media-Post vom
Jahresbeginn besprechen. Hjulmand, der mit einer grönländischen Politikerin
liiert ist, hatte geschrieben, für einige Staats- und Regierungschefs der
Welt seien Wissen, internationale Strukturen, Dialog und Respekt vor
kulturellen Unterschieden der Feind. Er wünsche sich „mehr Menschlichkeit,
Empathie und Liebe“.
Wohl bewusst hatte Hjulmand seinen Wunsch recht unpolitisch, ja eigentlich
diplomatisch formuliert. Zum Aufreger hochgejazzt wurde es trotzdem. Im
Interview vor dem Spiel musste Leverkusens Trainer mehrfach darum bitten,
doch jetzt nur über Fußball zu reden. Seine krasse Forderung nach mehr
Menschlichkeit blieb unbesprochen.
11 Jan 2026
## LINKS
[1] /Nachruf-auf-Christoph-Daum/!6029634
[2] /Bekenntnisse-eines-Union-Fans/!5969742
[3] /Fussball-Bundesligist-Mainz-05/!5042230
## AUTOREN
Johannes Kopp
## TAGS
Kolumne Press-Schlag
Trainer
Diplomatie
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