| # taz.de -- Landwirte behalten teils Mehrwertsteuer: Bund verzichtet illegal au… | |
| > Das Umsatzsteuergesetz schreibt vor, den Steuersatz für viele Landwirte | |
| > zum 1. Januar zu ändern. Die schwarz-rote Regierung hat das aber | |
| > ignoriert. | |
| Bild: Agrarunternehmer genießen mehrere Steuerprivilegien: Ein Traktor fährt … | |
| Die Bundesregierung [1][schenkt den Bauern mehrere Millionen Euro | |
| Umsatzsteuer pro Jahr] – obwohl das nicht erlaubt ist. Das | |
| Finanzministerium hat es entgegen einer gesetzlichen Verpflichtung | |
| versäumt, den Durchschnittssteuersatz für Landwirte zum 1. Januar zu | |
| senken. „Eine Entscheidung bezüglich einer Absenkung des | |
| Durchschnittssatzes im Sinne von § 24 Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 | |
| Umsatzsteuergesetz für 2026 liegt derzeit noch nicht vor“, teilte das von | |
| SPD-Chef Lars Klingbeil geleitete Ministerium am Freitag der taz mit. Laut | |
| Bundesrechnungshof behalten Agrarunternehmer dadurch jährlich rund 90 | |
| Millionen Euro Umsatzsteuer, die eigentlich dem Staat zustehen. | |
| Die Rechnungsprüfer hatten das Vorgehen bereits Ende Oktober als „einen | |
| gravierenden Rechtsverstoß“ kritisiert, der Deutschland auch eine Klage der | |
| EU-Kommission wegen unzulässiger Subventionen einbringen könne. | |
| Hintergrund ist eine [2][Sonderregel für Agrarunternehmen mit höchstens | |
| 600.000 Euro Umsatz] pro Jahr: Sie dürfen ihren Kunden pauschal 7,8 Prozent | |
| Umsatzsteuer berechnen – müssen dieses Geld aber nicht an das Finanzamt | |
| weitergeben. Im Gegenzug dürfen sie sich auch keine Umsatzsteuer vom Staat | |
| erstatten lassen, die sie selbst beim Einkauf zahlen. Diese | |
| Pauschalregelung soll ihnen Bürokratie ersparen. | |
| ## Mehr Steuer eingenommen als ausgegeben | |
| Das Problem für den Staat: In den vergangenen Jahren haben die | |
| Pauschallandwirte im Schnitt mehr Umsatzsteuer eingenommen als ausgegeben. | |
| Der Steuersatz hätte nach Berechnungen des Agrarministeriums von 2021 bis | |
| 2023 durchschnittlich nur 6,1 Prozent betragen dürfen. | |
| „In dieser Größenordnung entspricht ein um 1,7 Prozentpunkte zu hoher | |
| Durchschnittssatz einem Umsatzsteuerbetrag von über 90 Millionen Euro | |
| jährlich, die die Pauschallandwirte ihren Abnehmern zu viel berechnen und | |
| als Subvention vereinnahmen“, so der Bundesrechnungshof. Dieses Geld geht | |
| also dem Finanzamt verloren. | |
| Lange tolerierte die Bundesregierung diese steuerliche Bevorzugung vieler | |
| Bauern. Doch nachdem die EU-Kommission Deutschland deshalb verklagt hatte | |
| [3][(die taz berichtete 2019)], beschränkte das Parlament 2022 die | |
| Pauschalregel auf Landwirte mit bis zu 600.000 Euro Umsatz. Damals schrieb | |
| der Gesetzgeber auch vor, die Höhe des Durchschnittssatzes jedes Jahr zu | |
| überprüfen. Das Umsatzsteuergesetz gibt in seiner Anlage 5 sogar die genaue | |
| Formel vor, Paragraf 24 verpflichtet das Finanzministerium, den so | |
| errechneten Satz „mit Wirkung zum 1. Januar des Folgejahres“ in einer | |
| Verordnung vorzuschreiben. | |
| ## Landwirtschaftsministerium verhindert Anpassung | |
| Doch das von CSU-Politiker Alois Rainer geführte Agrarministerium blockiert | |
| die Anpassung. Das Ressort hat zwar laut Rechnungshof den neuen Steuersatz | |
| auf 6,1 Prozent kalkuliert, sich aber dagegen verwahrt, ihn anzuwenden. Die | |
| Berechnungsmethode bilde nicht die Realität bei den Pauschallandwirten ab. | |
| Statt Daten aus der offiziellen Umsatzsteuerstatistik will das Ministerium | |
| nun Angaben etwa von Unternehmen nutzen, die Buchführungssoftware für | |
| Landwirte herstellen. Dabei ist dem Rechnungshof zufolge sogar unklar, auf | |
| welcher gesetzlichen Grundlage das Agrarministerium diese Daten dort | |
| erheben will. | |
| Das Landwirtschaftsressort hatte das Vorgehen auf Anfrage der taz damit | |
| gerechtfertigt, Ziel des Ministeriums sei es, die Bauern zu stärken. Die | |
| Option für die pauschale Umsatzsteuer baue Bürokratie für die | |
| Agrarunternehmen ab, sei aber keine Subvention. | |
| Die Rechnungsprüfer verweisen darauf, dass das ihrer Meinung nach | |
| eindeutige Gesetz der Regierung in dieser Frage „kein Ermessen“ einräume �… | |
| sie müsse den Steuersatz senken. Das Finanzministerium ging nicht auf die | |
| Frage der taz ein, wie die Bundesregierung damit umgehe, dass sie | |
| eigentlich dazu verpflichtet sei, den Satz zum 1. Januar 2026 zu ändern. | |
| 2 Jan 2026 | |
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| [1] /Umsatzsteuer-bleibt-teils-bei-Landwirten/!6130438 | |
| [2] https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__24.html | |
| [3] /Falsch-berechnete-Umsatzsteuer-Pauschale/!5613710 | |
| ## AUTOREN | |
| Jost Maurin | |
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