| # taz.de -- Angriffe auf Einsatzkräfte an Silvester: Rufe nach kurzem Prozess | |
| > Der Berufsverband Rettungsdienste zweifelt an der Wirksamkeit der | |
| > Regierungspläne zum Schutz von Helfern. Es genüge, Täter schneller | |
| > abzuurteilen. | |
| Bild: Bang, boom, bang: Silvester in Berlin | |
| dpa/epd/taz | Nett gemeint, aber nicht sehr hilfreich: So lautet das Urteil | |
| des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst über die kurz vor Silvester von | |
| Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) angekündigten | |
| Strafverschärfungen für Angriffe auf Helfer:innen. Der Verband bezweifelt | |
| vor allem deren abschreckende Wirkung. Es gebe bereits entsprechende | |
| Gesetze für hohe Strafen, die aber nicht angewendet würden, sagte der | |
| Verbandsvorsitzende Frank Flake den Zeitungen der Funke Mediengruppe. | |
| Bis es zu Prozessen komme, dauere es Monate, manchmal Jahre. „Bis dahin ist | |
| das Geschehene schon fast vergessen“, so der Chef der über 15.000 | |
| Mitglieder zählenden Interessenvertretung des Rettungsfachpersonals. Hinzu | |
| komme, dass das mögliche Strafmaß schon jetzt bei bis zu fünf Jahren liege, | |
| aber fast nie ausgereizt werde. „Den Vorschlag, jetzt den Strafrahmen zu | |
| erhöhen, halte ich deshalb für wenig zielführend“, sagte Flake. „Es wür… | |
| reichen, wenn wir die existierenden Gesetze anwenden.“ | |
| Ähnlich, aber in der Tonlage wesentlich schriller äußerte sich bereits am | |
| Donnerstag CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. „Was jetzt wirklich | |
| keiner mehr hören kann, sind die immer wiederkehrenden Rufe nach härteren | |
| Strafen“, sagte Linnemann der Bild-Zeitung. Viel wichtiger seien flink | |
| durchgeführte Verfahren: „Die Täter müssen mit einer schnellen Verurteilung | |
| innerhalb weniger Tage rechnen.“ | |
| Was Linnemann geflissentlich unter den Tisch fallen lässt: Die | |
| Justizbehörden haben vielerorts überhaupt nicht die Kapazitäten. Daran | |
| erinnerte am Freitag die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sonja | |
| Eichwede. „Wir brauchen mehr Personal“, forderte Eichwede im | |
| ARD-„Morgenmagazin“. Dazu solle der „Pakt für die Justiz“ von Bund und | |
| Ländern beitragen. Den Gesetzentwurf aus dem Justizministerium begrüße sie. | |
| ## Mindeststrafen von sechs statt drei Monaten | |
| Am Dienstag hatte Eichwedes Parteikollegin Stefanie Hubig [1][ein Paket mit | |
| Strafrechtsverschärfungen zum Schutz von Polizist:innen und anderen | |
| Einsatzkräften wie Feuerwehrleuten und Rettungssanitäter:innen], | |
| aber auch Ärzt:innen, Apotheker:innen und Krankenpfleger:innen | |
| vorgestellt. | |
| Laut Justizministerium soll es für Angriffe auf „Menschen, die für das | |
| Gemeinwohl tätig sind“, künftig Freiheitsstrafen von mindestens sechs statt | |
| wie bisher mindestens drei Monaten geben. In besonders schweren Fällen soll | |
| eine Mindeststrafe von einem Jahr statt wie bisher sechs Monaten drohen. | |
| Das soll etwa für Überfälle gelten, bei denen Einsatzkräfte in einen | |
| Hinterhalt gelockt werden. Wer Rettungs- und Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit | |
| behindert, soll grundsätzlich nicht mehr mit einer Geldstrafe davonkommen | |
| können, sondern in Haft. | |
| Die Präsentation des Gesetzentwurfes, der jetzt erst mal den Bundesländern | |
| und den Verbänden zur Stellungnahme zugeleitet wurde, war ohne Frage | |
| zeitlich gut platziert. Denn wie in den Vorjahren war auch vor der | |
| aktuellen Silvesternacht die Aufregung mit Blick auf etwaige | |
| Ausschreitungen groß. In Berlin kündigte der Regierende Bürgermeister Kai | |
| Wegner (CDU) an: „Heute ist auch die Nacht der Repression.“ | |
| Es wurde dann alles weit weniger dramatisch. Nach Angaben von Berlins | |
| Innensenatorin Iris Spranger (SPD) [2][gab es in der Silvesternacht in der | |
| Hauptstadt 420 kurzzeitige Festnahmen]. Das war dann tatsächlich mehr als | |
| in den beiden Jahren zuvor. Zugleich blieb die große Randale aus. Die | |
| Polizei meldete inzwischen 35 verletzte Beamt:innen, über 4.000 waren in | |
| der Nacht im Einsatz. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren [3][wurden noch weit | |
| über 50 Verletzte gezählt], damals hatte die Polizei ein ähnliches | |
| Mammutaufgebot aufgefahren. | |
| Die zurückliegende Silvesternacht scheine deutlich entspannter gewesen zu | |
| sein als in den vergangenen Jahren, sagte für die Rettungsdienste auch | |
| deren Verbandschef Frank Flake. „Es gab Übergriffe gegen Einsatzkräfte, die | |
| gibt es leider immer.“ Aber es seien auch nicht außergewöhnlich viele | |
| gewesen. | |
| 2 Jan 2026 | |
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| ## AUTOREN | |
| Rainer Rutz | |
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