# taz.de -- Antimuslimischer Rassismus: Die öffentliche Stille nach der Tat is… | |
> Rahma Ayat wurde Opfer. Nicht nur eines Täters. Sondern auch eines der | |
> medialen und öffentlichen Stille. Aber sie hat Lautstärke verdient. | |
Bild: Polizist*innen stehen vor dem Haus, in dem Rahma Ayat von ihrem Nachbarn … | |
Ein Name wie [1][Marwa El-Sherbini] bleibt im kollektiven Gedächtnis – eine | |
kopftuchtragende Frau, ermordet in einem deutschen Gerichtssaal. [2][Rahma | |
Ayat aber] kennt kaum jemand, der nicht auf den sozialen Medien nach ihr | |
sucht. Eine 26-jährige Frau aus Algerien, ermordet mitten in Deutschland. | |
Sichtbar als Muslima. Sichtbar verletzlich. Und öffentlich fast unsichtbar. | |
Als kopftuchtragende Muslima in Deutschland lässt mich diese Tat nicht los. | |
Nicht nur wegen der Gewalt – sondern wegen der Stille danach. Inzwischen | |
hat der Nachbar, der Rahma mit Messerstichen tötete, die Tat gestanden. | |
Doch mit seinem Geständnis ist die ohnehin spärliche Berichterstattung | |
nahezu verstummt. Wo bleibt der mediale Aufschrei? Wo sind die | |
Titelblätter, die investigativen Fragen, die öffentliche Empörung? | |
Täglich erleben Frauen mit Kopftuch rassistische Anfeindungen. Ich erfahre | |
sie selbst – auf der Straße, im Alltag. Ich engagiere mich gegen | |
Diskriminierung, schreibe Texte, kläre auf. Doch in Momenten wie diesem | |
wird klar: Wir dürfen sprechen, aber niemand hört zu. Wir trauern – doch | |
allein. Selbst internationale Medien haben offener reagiert als viele | |
Deutsche. Warum braucht es Stimmen aus dem Ausland, um hier einen Diskurs | |
zu starten, der längst überfällig ist? | |
Ich frage mich: Wie sähe die Berichterstattung aus, wenn Rahma weiß gelesen | |
worden wäre? Wenn sie [3][keinen Hijab] getragen hätte? Wenn sie nicht | |
sichtbar als „die Andere“ markiert gewesen wäre? Hätte es dann | |
Sondersendungen gegeben? Talkshows? Eilige Reaktionen von Politik und | |
Presse? | |
Ich appelliere an die deutschen Medien: Schaut nicht weg. Stellt Fragen. | |
Hört hin. Sprecht mit den Menschen, die betroffen sind – nicht über sie. | |
Rassismus tötet – manchmal schleichend, manchmal brutal. Und jedes mediale | |
Schweigen danach normalisiert ihn, lässt ihn wachsen – bis zur nächsten | |
Schlagzeile, die wieder ausbleibt. | |
Rahma war kein Einzelfall. Sie war Teil unserer Gesellschaft. Sie hatte | |
Träume. Und sie verdient, dass wir laut sind. Für sie. Für uns alle. | |
26 Aug 2025 | |
## LINKS | |
[1] /Erinnerung-an-Marwa-El-Sherbini/!5863124 | |
[2] /Femizid-bei-Hannover/!6100942 | |
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Hidsch%C4%81b | |
## AUTOREN | |
Maiyra Chaudhry | |
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