# taz.de -- Spionage-Prozess in Dresden: Krah-Assistent vor Gericht | |
> Jahrelang soll der AfD-Mitarbeiter Jian G. für China spioniert haben. Er | |
> schweigt beim Prozessauftakt. Seine mutmaßliche Komplizin spricht | |
> hingegen. | |
Bild: Der Hauptangeklagte Jian G. (r) wird vor Prozessbeginn in den Gerichtssaa… | |
Dresden taz | Jian G. trägt eine medizinische Maske, als er am | |
Dienstagmorgen den Gerichtsaal in Dresden betritt. Er ist wegen Spionage | |
„für eine fremde Macht“ angeklagt. [1][Unter anderem als Mitarbeiter des | |
früheren EU-Abgeordneten Maximilian Krah] (AfD) soll er Informationen | |
gesammelt und an einen chinesischen Geheimdienst weitergegeben haben. | |
Demnach ging es G. nicht nur um Dokumente aus dem EU-Parlament. Er habe | |
auch Persönliches über die AfD-Spitze Alice Weidel und Tino Chrupalla | |
gespeichert. G. schweigt an diesem ersten Prozesstag zu den Vorwürfen. Sein | |
Anwalt bestreitet jedoch eine geheimdienstliche Tätigkeit seines Mandanten. | |
G. habe nur seine Arbeit als Krahs Assistent erledigt. | |
Die Zuschauer:innen sehen den Prozess durch dickes Sicherheitsglas, | |
Handys sind im Saal verboten. Für den chinesischen Geheimdienst arbeitete | |
Jian G. laut Anklage seit 2002. Er kam in China zur Welt, ist aber | |
mittlerweile deutscher Staatsbürger. Ab 2019 kam er als akkreditierter | |
Assistent des damaligen AfD-Europaabgeordneten Krah in Brüssel unter | |
anderem an Informationen über Beratungen und Entscheidungen des | |
Europaparlaments. Mehr als 500 Dokumente habe er gespeichert, darunter auch | |
mindestens elf als vertraulich gekennzeichnete. | |
Zudem habe G. chinesische Oppositionelle und Dissidenten in Deutschland | |
ausgespäht – und die Vorsitzenden der AfD, Alice Weidel und [2][Tino | |
Chrupalla]. Für sie könnte der weitere Verlauf der Verhandlung besonders | |
unangenehm werden: Dem Spiegel zufolge hat sich Krah ausschweifend über | |
Parteiinternes ausgelassen, selbst über intime Lebensdetails etwa von | |
Weidel. Diese könnten im Lauf des Prozesses öffentlich werden. | |
## Yaqi X. schickte Informationen vom Flughafen Leipzig/Halle | |
Laut Anklage erstellte G. Dossiers auf Chinesisch über Treffen mit seinem | |
Chef Krah. Dem Spiegel zufolge widerspricht Krah, inzwischen | |
Bundestagsabgeordneter, dem Protokoll seines Mitarbeiters: dies sei | |
„Wichtigtuerei“. Was Krah damit genau meint, kann er dem Oberlandesgericht | |
in seiner Heimatstadt Dresden am 3. September genauer erklären. Da ist er | |
als Zeuge geladen. | |
Neben G. [3][angeklagt ist Yaqi X]., seine mutmaßliche Komplizin. Sie | |
arbeitete am Flughafen Leipzig/Halle. Von dort habe sie zwischen August | |
2023 und Februar 2024 Informationen über den Transport von | |
Militärfahrzeugen, Truppen und Kampfdrohnen an G. weitergeleitet, der sie | |
nach China übermittelte, so die Anklage. Im Oktober wurde sie festgenommen, | |
am Dienstag sitzt sie mit einer Übersetzerin im Gerichtssaal. | |
Im Gegensatz zu G. gab die 39-jährige Yaqi X. beim Prozess ein | |
vorgefertigtes Statement ab. Sie sei 2015 nach Deutschland gekommen, um zu | |
studieren. Über den chinesischen Messengerdienst WeChat habe G. sie damals | |
angeschrieben und Hilfe angeboten. Sein Deutsch sei besser gewesen, er | |
kannte das Land. Obwohl G. verheiratet war, habe sich eine Liebesbeziehung | |
zwischen den beiden entwickelt. Die hielt nicht lange, dann sei der Kontakt | |
verloren gegangen. | |
Nach dem Studium habe X. am Flughafen Leipzig/Halle gearbeitet. Später habe | |
sich G. wieder bei ihr gemeldet. Er sei einer ihrer wenigen Freunde in | |
Deutschland gewesen, aber immer etwas mysteriös. Jian G. habe ihr | |
politische Probleme erklärt und etwa zum Krieg in der Ukraine behauptet, | |
die AfD werde verhindern, dass sich dieser nach Deutschland ausweite. Als | |
G. im Kontext des Krieges Informationen vom Flughafen Leipzig/Halle wollte, | |
habe X. das nicht weiter hinterfragt. Sie schickte Fotos von Flugzeugen, | |
Fracht und Passagierlisten. | |
## Bundesanwalt: Interesse Chinas wird deutlich | |
An dieser Stelle hakt der Vorsitzende Richter Hans Schlüter-Staats nach: | |
Sei X. nicht misstrauisch gewesen, als G. immer mehr Infos wollte? X. | |
streicht sich Haare hinters Ohr, wirkt verunsichert. Dann beugt sie sich | |
zur Übersetzerin und flüstert leise. Nein, sie habe nicht darüber | |
nachgedacht, dass G. die Fotos und Informationen weitergeben könnte. Laut | |
Anklage tat er genau das. Daraus, so heißt es, seien etwa Rückschlüsse auf | |
militärische Fähigkeiten der Bundeswehr möglich geworden. | |
Laut Bundesanwalt Stephan Morweiser hat es bislang keinen vergleichbaren | |
Fall in Deutschland gegeben – zumindest was die Volksrepublik angehe. Er | |
zeige aber „exemplarisch das umfassende Ausspähungsinteresse Chinas in | |
Bezug auf politische, militärische und wirtschaftliche Belange Deutschlands | |
und der EU“, so Morweiser. Für X. stehen bis zu fünf Jahre Haft im Raum. | |
Weil es bei G. um eine Agententätigkeit im besonders schweren Fall geht, | |
drohen ihm bis zu zehn Jahre. | |
Diesen Mai wurde bekannt, dass die Generalstaatsanwaltschaft Dresden | |
mittlerweile auch gegen Krah selbst ermittelt. Die Vorwürfe: Geldwäsche und | |
Bestechlichkeit. | |
5 Aug 2025 | |
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## AUTOREN | |
David Muschenich | |
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