| # taz.de -- Einigung vor Neuwahlen: Bundestag will mehr Hilfen für DDR-Verfolg… | |
| > Die Ampel-Koalition wollte SED-Opfer stärker unterstützen, konnte sich | |
| > aber nicht auf Details einigen. Trotzdem kommt jetzt ein neues Gesetz. | |
| Bild: Gefängnismauer der Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen | |
| Berlin afp/taz | Der Bundestag soll noch vor der Neuwahl im kommenden Monat | |
| eine verbesserte Versorgung für politisch Verfolgte aus der früheren DDR | |
| beschließen. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen sowie die | |
| oppositionellen Fraktionen von Union und FDP einigten sich nach eigenen | |
| Angaben vom Dienstag auf einen gemeinsamen Gesetzentwurf. Über ihn soll der | |
| Bundestag in der kommenden Woche abstimmen. | |
| „Damit gehen wir einen wichtigen Schritt in der Anerkennung des Unrechts in | |
| der SED-Diktatur“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Mit der | |
| Gesetzesnovelle soll den Angaben zufolge auch ein bundesweiter | |
| Härtefallfonds eingerichtet werden. | |
| Die Opferrenten für die politischen Häftlinge und die Ausgleichsleistungen | |
| für beruflich Verfolgte sollen der Inflation angepasst werden. Nach Angaben | |
| aus den Fraktionen sollen die Opferrenten zunächst einmalig deutlich erhöht | |
| und ab dann an die Entwicklung der normalen Renten gekoppelt werden. Für | |
| Zwangsausgesiedelte, die bisher leer ausgingen, soll es einmalig 7.500 Euro | |
| geben. Zudem gebe es eine Beweislastumkehr bei der Anerkennung von | |
| gesundheitlichen Folgeschäden politischer Haft. Betroffene kommen künftig | |
| also leichter an eine Entschädigung. | |
| „Allen beteiligten Fraktionen war eine Einigung noch vor Ablauf dieser | |
| Legislaturperiode wichtig, da die Gruppe der Anspruchsberechtigten aus | |
| Altersgründen zunehmend kleiner wird“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung | |
| von SPD, CDU/CSU, Grünen und FDP. Die Opfer der politischen Verfolgung in | |
| der DDR hätten „durch die rechtsstaatswidrige Repression durch das | |
| SED-Regime schwerwiegende Eingriffe in ihr Leben erlitten, die bis heute | |
| wesentliche gesundheitliche, soziale und finanzielle Auswirkungen für die | |
| Betroffenen haben“. | |
| Die wirtschaftliche Lage der Verfolgten ist nach Angaben des federführenden | |
| Bundesjustizministeriums „häufig prekär, weil Haft- beziehungsweise | |
| Verfolgungszeiten in der Regel zu Brüchen in der Erwerbsbiografie der | |
| Betroffenen führen, die sich bis heute auswirken“. Verschärft habe sich die | |
| Situation „durch gestiegene Lebenshaltungskosten und Geldwertverlust | |
| infolge aktueller Krisen“. | |
| ## „Beeindruckendes Signal“ | |
| [1][Die SED-Opferbeauftragte des Bundestags, Evelyn Zupke,] nannte die | |
| Einigung „ein beeindruckendes Signal zum Beginn des Jubiläumsjahres zu 35 | |
| Jahre Deutsche Einheit“. Sie stelle „die Menschen in den Mittelpunkt (…), | |
| die mit ihrem jahrzehntelangen Einsatz gegen die Diktatur uns allen den Weg | |
| zur Einheit geebnet haben“. | |
| Mit dem bundesweiten Härtefallfonds schaffe der Bundestag „ein wichtiges | |
| Instrument, um SED-Opfern in wirtschaftlichen Notlagen schnell und | |
| unbürokratisch helfen zu können“, erklärte Zupke weiter. Über ihn könne | |
| unter anderem auch ein Betrag von sechs Millionen Euro, den die | |
| Möbelhauskette Ikea zur Verfügung gestellt habe, den Betroffenen | |
| zugutekommen. | |
| Ikea hatte die Summe im vergangenen Jahr zugesagt. Eine unabhängige | |
| Untersuchung hatte ergeben, dass in der DDR politische Häftlinge und | |
| Strafgefangene unter Zwang Möbel für den Konzern herstellen mussten. Der | |
| Konzern hatte davon nach der Untersuchung spätestens seit Anfang der 1980er | |
| Jahre Kenntnis über einen möglichen Einsatz von politischen Gefangenen in | |
| Produktionsstandorten und Zulieferbetrieben der DDR. | |
| Mit der Gesetzesnovelle wird ein Vorhaben umgesetzt, das ursprünglich im | |
| Koalitionsvertrag der inzwischen gescheiterten „Ampel“ vereinbart worden | |
| war. Solange SPD, Grüne und FDP noch gemeinsam regierten, [2][konnten sie | |
| sich auf die genaue Ausgestaltung aber nicht einigen]. | |
| 22 Jan 2025 | |
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