| # taz.de -- Diskussion um den Görlitzer Park: Das alles und noch viel mehr | |
| > Vor dem „Sicherheitsgipfel“ beschließt die SPD einen eigenen | |
| > Forderungskatalog zum Görlitzer Park. Die Opposition kritisiert das | |
| > Papier scharf. | |
| Bild: Immerhin: An Mülleimern mangelt es nicht im Görlitzer Park | |
| Berlin taz | Kurz vor dem für Freitag vom Senat einberufenen „Gipfel“ zur | |
| „Verbesserung der Sicherheitslage“ insbesondere im Görlitzer Park in | |
| Kreuzberg hat die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus eine Art Gruß aus der | |
| Küche vorbereitet. In einem am Dienstag von den Abgeordneten beschlossenen | |
| Positionspapier widersprechen die Sozialdemokrat:innen dabei | |
| explizit jenen Stimmen aus den Reihen des Koalitionspartners CDU, die | |
| glauben, den Park ausschließlich über nächtliche Schließungen, | |
| Eingangskontrollen und Videoüberwachung „befrieden“ zu können. | |
| So heißt es in dem SPD-Papier: „Polizeiliche Maßnahmen allein werden das | |
| Problem nicht lösen.“ Das habe vor acht Jahren schon die gescheiterte | |
| [1][Zero-Tolerance-Politik] des damaligen CDU-Innensenators Frank Henkel | |
| bewiesen. Zugleich wendet sich die SPD aber auch dagegen, dass auf | |
| Repression verzichtet werden könne und einzig Sozialarbeit und Aufklärung | |
| zielführend seien – eine Position, die etwa von der Linkspartei vertreten | |
| wird. | |
| Vielmehr brauche es einen Mix aus allem und davon noch viel mehr: also mehr | |
| Drogenkonsumräume, mehr Therapieangebote, mehr Sozialarbeit, dazu eine | |
| „intensive Bestreifung“ des Parks und „eventuell befristet“ eine Schlie… | |
| während der Nachtzeiten. Oder um das Papier zu zitieren: „Um der | |
| Problematik entgegenzutreten, setzen wir auf den Dreiklang von Prävention, | |
| Intervention und Repression.“ | |
| Die „Abschiebung häufig überführter und verurteilter [2][Drogenhändler]“ | |
| darf dabei freilich nicht fehlen. „Im Kern passiert an der Stelle zu | |
| wenig“, verteidigt Martin Matz, der innenpolitische Sprecher der | |
| SPD-Fraktion und Verfasser des Papiers, die Passage gegenüber der taz. Doch | |
| letztlich gehe es ihm um mehr. Matz sagt: „Wir versuchen, mit dem Text | |
| klarzumachen, dass es nicht nur eine Maßnahme geben kann.“ | |
| ## SPD offen für kontrollierte Abgabe harter Drogen | |
| Wenigstens in einem Punkt zielt der SPD-Katalog weit über Berlin hinaus. So | |
| findet sich hier die Forderung an den Bund, eine „langfristig andere | |
| Drogenpolitik“ auf den Weg zu bringen, inklusive einer „kontrollierten | |
| Abgabe harter Drogen“. In der schwarz-roten Berliner Koalition dürfte nicht | |
| nur dieser Punkt für Diskussionen sorgen. | |
| CDU-Hardliner gehen seit Langem damit hausieren, dass Repression das | |
| Allheilmittel für die Probleme im Görlitzer Park seien. Der Kreuzberger | |
| Abgeordnete Timur Husein verlangt etwa, die Parkeingänge von privaten | |
| Sicherheitsfirmen kontrollieren zu lassen. „Das ist wie in der Disco“, | |
| zitiert ihn die Neue Zürcher Zeitung: „Wer die Eingänge kontrolliert, | |
| kontrolliert auch den Park.“ | |
| SPD-Innenpolitiker Matz kommentiert die aufmuskelnden Einlassungen Huseins | |
| lapidar mit: „ein völlig ungeeigneter Vorschlag“. Er setze in der | |
| Diskussion ohnehin eher auf die „ganz pragmatischen“ | |
| Unions-Politiker:innen. Matz sagt: „Ich bin da optimistisch.“ | |
| Kaum verwunderlich: Die Kritik der Opposition am sozialdemokratischen | |
| Kessel Buntes zur Parksicherheit lässt am Dienstag nicht lange auf sich | |
| warten. So erkennt Niklas Schrader, der Innenexperte der Linksfraktion, | |
| zwar an, dass das SPD-Papier „auch einige gute Punkte“ enthalte. Aber, so | |
| Schrader zur taz: „Der altbekannte [3][Repressionskatalog] aus Zäunen, | |
| Kameras, Polizeikontrollen und Abschiebungen wird nicht unbedingt besser, | |
| wenn man ihn mit einigen sozialpolitischen Bonbons garniert.“ | |
| Nicht nur deren Umsetzung sei mehr als fraglich, wenn im aktuellen | |
| Haushaltsentwurf weder Gelder für neue Konsumräume zu finden seien noch | |
| ausreichend Mittel zur Ausweitung der aufsuchenden Sozialarbeit. „Auch eine | |
| substanzielle Änderung der bundesdeutschen Drogenpolitik ist nicht in | |
| Sicht. Am Ende droht also nur die Repression übrig zu bleiben“, ist der | |
| Linke-Politiker überzeugt. Schrader ergänzt: „Die SPD-Fraktion in | |
| Friedrichshain-Kreuzberg ist da schon weiter.“ | |
| ## SPD Friedrichshain-Kreuzberg setzt auf Sozialarbeit | |
| Tatsächlich hatte sich die Bezirksverordnetenversammlung | |
| Friedrichshain-Kreuzberg ausgerechnet auf Initiative der SPD vor einer | |
| Woche mit klarer Mehrheit „gegen die populistische Forderung nach | |
| nächtlicher Absperrung und Videoüberwachung des Görlitzer Parks“ | |
| ausgesprochen. Denn, so der von Grünen und Linken unterstützte | |
| Beschlusstext: „Komplexe Problemstellungen lösen sich nicht durch | |
| unterkomplexe Parolen.“ | |
| Wie die Grünen und die Linke setzen auch die SPD-Genoss:innen in | |
| Friedrichshain-Kreuzberg vor allem auf eines: die Ausweitung der Sozial- | |
| und Jugendarbeit vor Ort. | |
| 5 Sep 2023 | |
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| ## AUTOREN | |
| Rainer Rutz | |
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