| # taz.de -- Wegen Rückgang der Auto-Nachfrage: Doch kein VW-Werk für Erdoğan | |
| > Corona macht möglich, was die Kritik an Menschenrechtsverletzungen nicht | |
| > erreicht hat: VW stoppt ein geplantes Werk in der Türkei. | |
| Bild: Seine Nachfolger müssen auch weiterhin importiert werden: VW-Käfer auf … | |
| Der größte deutsche Autobauer hat seine Pläne, in der Türkei ein großes | |
| neues Werk zu bauen, gestoppt. Das teilte Volkswagen-Chef Herbert Diess in | |
| einem Schreiben an den türkischen Industrieminister Mustafa Varank mit, das | |
| am Donnerstag von Reuters veröffentlicht wurde. | |
| Angesichts des weltweiten Einbruchs bei Autoverkäufen sei es nicht | |
| sinnvoll, jetzt noch ein neues Werk zu bauen, heißt es darin. Diess | |
| bedankte sich in dem Brief bei Präsident Recep Tayyip Erdoğan für dessen | |
| Unterstützung und verspricht, Volkswagen werde nach Überwindung der | |
| Corona-Epidemie in zwei oder drei Jahren die Lage noch einmal neu bewerten. | |
| Der Türkei attestierte er ein großes Potenzial für die Zukunft. | |
| Damit kann VW dank Corona erst einmal ein Kapitel zu den Akten legen, das | |
| auch politisch für viel Unmut gesorgt hatte. Der Konzern wollte in der | |
| Westtürkei, in Manisa nahe bei Izmir, ein sogenanntes Mehrmarkenwerk bauen, | |
| in dem pro Jahr 300.000 Fahrzeuge vorwiegend für den osteuropäischen und | |
| nahöstlichen Markt produziert werden sollten. Vorgesehen war eine | |
| Investitionssumme von rund 1 Milliarde Euro. Das Werk sollte mindestens | |
| 4.000 Menschen eine Beschäftigung bieten. | |
| Nach Bekanntwerden der Pläne [1][hagelte es in Deutschland Kritik], dass VW | |
| damit ausgerechnet den Autokraten Erdoğan unterstützen würde, obwohl dieser | |
| mit Deutschland und der Bundesregierung vielfach über Kreuz liegt. | |
| Rückendeckung bekam das VW-Management dagegen vom niedersächsischen | |
| SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil, der das Land Niedersachsen als | |
| größten Anteilseigner im Aufsichtsrat vertritt, sowie von den | |
| Gewerkschaften. | |
| Denn in Deutschland sollten keine Arbeitsplätze wegfallen, sondern das | |
| VW-Werk Emden sollte auf E-Autos umgestellt werden, während man in der | |
| Türkei weiterhin Verbrenner produzieren wollte. | |
| ## Gute Gelegenheit zum Herauswinden | |
| Folglich bereitete VW seine Pläne weiter vor, gründete bereits eine | |
| Tochtergesellschaft in der Türkei und einigte sich mit den türkischen | |
| Behörden auf das Grundstück sowie auf weitere Subventionen, die Erdoğan VW | |
| in Aussicht stellte. Dies rief wiederum die EU auf den Plan, weil es einen | |
| von VW angefachten [2][Subventionswettlauf zwischen der Türkei und | |
| Bulgarien] gegeben hatte. | |
| Den verlor Bulgarien letztlich, weil nach den Regeln der EU nur ein | |
| bestimmter Anteil an Subventionen zulässig ist, den Erdoğan offenbar locker | |
| überbot. VW stellt sich damit gegen die EU-Regeln, hieß es in Brüssel. | |
| Als mitten in der Debatte im Oktober letzten Jahres dann noch die türkische | |
| Armee im Nordirak einmarschierte, wurde die Umsetzung der Baupläne erst | |
| einmal auf Eis gelegt. Zu heikel für den Moment. VW wollte abwarten, bis | |
| sich die erste Empörung über die türkische Aggression wieder gelegt hatte. | |
| Die Coronakrise ist nun für VW-Chef Diess eine gute Gelegenheit, sich, ohne | |
| die türkische Seite zu verärgern, erst einmal aus der politisch verfahrenen | |
| Situation herauszuwinden. Die Verbrenner-Produktion, die den E-Autos in | |
| Emden Platz machen soll, wird auf bestehende Werke umverteilt. Sollten | |
| allerdings die Autoverkäufe nach der Coronakrise wieder relevant ansteigen, | |
| behält VW sich vor, sein Engagement in der Türkei wieder zu reaktivieren. | |
| Politische Vorbehalte, sich in der Türkei zu engagieren, hat VW-Chef Diess, | |
| wie sein Schreiben zeigt, offenbar nach wie vor nicht. | |
| 2 Jul 2020 | |
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| ## AUTOREN | |
| Jürgen Gottschlich | |
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