| # taz.de -- Studie zur Wohnzufriedenheit: Mehr als Miete | |
| > Lärm, Schimmel, Schmutz: Viele Deutsche fühlen sich in ihrer Wohnung | |
| > nicht wohl. Das Problem kann nur durch Geld, nicht durch Rücksicht gelöst | |
| > werden. | |
| Bild: Der Lärm beim Landeanflug auf den Flughafen Tegel ist nicht zu überhör… | |
| Berlin taz | Für viele Menschen hierzulande stellt nicht einmal die eigene | |
| Wohnung einen Ort des Rückzugs dar. Zu diesem Ergebnis kommt [1][Statistik | |
| der EU], deren aktuelle Ergebnisse am Donnerstag in Wiesbaden vorgestellt | |
| wurden. Demnach fühlte sich 2018 mehr als ein Viertel der Bundesbürger | |
| durch Verkehrs- oder Nachbarschaftslärm im eigenen Wohnumfeld gestört. | |
| Die „Lösung“, die man aus den Reihen des Bürgertums dafür erwartet, laut… | |
| Lasst uns einfach mehr Rücksicht aufeinander nehmen! Das ist nicht nur | |
| deswegen wohlfeil, weil es an der städtebaulichen Segregation von Arm und | |
| Reich nichts ändert. Laut der Erhebung liegt der Bevölkerungsanteil, der | |
| über Industriedreck und andere Umweltbelastungen klagt, ebenfalls bei einem | |
| Viertel. Die Forderung nach Rücksicht missachtet also die | |
| [2][lebensweltlichen Realitäten von Armut]. | |
| Die beschrieb der französische Schriftsteller Édouard Louis in seinem Essay | |
| „Wer hat meinen Vater umgebracht“. Den schildert er als zerstörte | |
| Persönlichkeit, die von der schweißtreibenden Arbeit in der Fabrik ruiniert | |
| wurde. Eines Tages wollte sein Rücken nicht mehr, ein neues | |
| Sozialhilfegesetz zwang ihn aber, als Straßenkehrer anzuheuern. | |
| Die Politik [3][des Sozialabbaus], wie man sie auch hierzulande seit den | |
| Tagen der Schröder-Regierung kennt, treibt Menschen in die Verzweiflung, | |
| wenn da noch Alkohol ins Spiel kommt, kann es auch mal lauter werden, als | |
| es den Nachbarn gefällt. Und wie hoch sind die Chancen auf einen | |
| „Aufstieg“, um den strukturschwachen Regionen zu entfliehen, in denen | |
| obendrein Straßen- und Flugverkehr die Ruhe stört? | |
| Wie der französischen Regierung die Gesundheit von Louis’ Vater | |
| gleichgültig war, ist den amtierenden Politikern das Wohlbefinden hiesiger | |
| Armer scheinbar egal. Knapp jeder Achte gab an, von Feuchtigkeit und | |
| Schimmel in der Wohnung betroffen zu sein. Ja, der Sozialetat ist der | |
| größte Posten im Haushalt. Aber das Geld [4][fließt oft in die falschen | |
| Taschen]. Stichwort: Baukindergeld. | |
| 29 Nov 2019 | |
| ## LINKS | |
| [1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/11/PD19_N011_639.… | |
| [2] /Sprecher-Landesarmutkonferenz-Berlin/!5640500 | |
| [3] /Studien-zur-Weissen-Arbeiterklasse/!5637316 | |
| [4] /Kollektiv-fuer-eine-bessere-Behandlung/!5635557 | |
| ## AUTOREN | |
| Dorian Baganz | |
| ## TAGS | |
| Schwerpunkt Armut | |
| Segregation | |
| Städte | |
| Lebensqualität | |
| Mieten | |
| Schwerpunkt Armut | |
| Urbanität | |
| Gesundheitspolitik | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| Grüne und Eigenheime: Intellektuelle Flurbegradigung | |
| Die Debatte um neue Einfamilienhäuser wird mit schlichten Reflexen | |
| abgewürgt. Stattdessen sollten alte Konsumgewohnheiten hinterfragt werden. | |
| Sprecher Landesarmutkonferenz Berlin: „Wir lassen sie verrecken“ | |
| Seit 10 Jahren gibt es die Landesarmutskonferenz. Weniger arm ist Berlin in | |
| der Zeit nicht geworden. Sprecher Hermann Pfahler hat klare Forderungen. | |
| Sammelband „Technopolis“: Geplünderte Urbanität | |
| Wie verändern sich Kapitalismus und Städte? Das kann man gut im Silicon | |
| Valley rund um IT-Giganten wie Apple, Facebook und Google beobachten. | |
| Kollektiv für eine bessere Behandlung: Gesundheit von unten | |
| Armut und Rassismus können krank machen. Ein Berliner Projekt will nicht | |
| mehr nur Symptome behandeln, sondern soziale Ursachen bekämpfen. |