| # taz.de -- Parlamentswahl in Portugal: Sieg für Costas „Klappergerüst“ | |
| > Die Sozialistische Partei von Ministerpräsident António Costa gewinnt | |
| > hinzu und kann weiterregieren. Doch wird sie wie bisher Partner brauchen. | |
| Bild: Anhänger von Premierminister Antonio Costa feiern die Wahlergebnisse | |
| Madrid taz | Der portugiesische Ministerpräsident Antonio Costa hat die | |
| Parlamentswahlen am Sonntag mit großem Vorsprung gewonnen. [1][Seine | |
| Sozialistische Partei (PS)] erreichte 36,7 Prozent und damit 106 der 230 | |
| Parlamentssitze, 20 mehr als bisher. Zu einer absoluten Mehrheit reicht es | |
| damit zwar nicht, doch lässt Costa seinen Herausforderer der konservativen | |
| Sozialdemokratischen Partei (PSD) Rui Rio deutlich hinter sich. Die PSD | |
| bekam 27,9 Prozent und damit 77 Sitze. Das sind 20 weniger als noch vor | |
| vier Jahren, als die Partei im Bündnis mit einer kleineren rechten | |
| Formation antrat. | |
| Costa bedankte sich für „die Abstimmung zugunsten der Kontinuität“ und | |
| beteuerte wie bereits im Wahlkampf, dass der Sieg der Sozialisten „Garant | |
| der Stabilität, des Ausgleichs und des Gemeinsinns“ sei. Die beiden großen | |
| Pareien könnten jeweils noch um ein oder zwei Sitze zulegen. Denn die | |
| Ergebnisse der Wahlen bei den im Ausland lebenden Portugiesen waren am | |
| Montag noch nicht bekannt. | |
| Vor vier Jahren hatte der 58-jährige Costa die Wahlen verloren. Doch da die | |
| siegreichen Konservativen keine Regierungsmehrheit zustande bekamen, | |
| ergriff der Jurist die Chance und schmiedete mit dem linksalternativen | |
| Bloco de Equerda (Linksblock, BE) und der Kommunistischen Partei (PC) ein | |
| gemeinsames Regierungsprogramm. | |
| Presse und politische Gegner beschimpften die geduldete | |
| Minderheitsregierung als „geringonça“ (Klappergerüst, Pfusch). Jetzt, nach | |
| einer erfolgreichen Legislatur, in der es Costa gelang, Portugal aus dem | |
| Rettungsschirm der EU zu führen, große Teile der Sparpolitik | |
| zurückzunehmen, Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung zu senken und die | |
| Kredite der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) schneller | |
| zurückzuzahlen als vereinbart, benutzt der Sozialist den Ausdruck | |
| „geringonça“ mit Stolz. Er kündigte an, das Bündnis wiederholen zu wolle… | |
| Anders als 2015 würde ihm ein Partner reichen. | |
| ## Verhandlungen mit zwei Linksparteien wahrscheinlich | |
| Der BE ist weiterhin drittstärkste Partei mit 9,7 Prozent. Trotz leichter | |
| Stimmenverluste haben die Linksalternativen weiterhin 19 Abgeordnete. | |
| Würden sie mit den Sozialisten zusammengehen, wäre das Ergebnis eine | |
| stabile Mehrheit. Doch der BE verlangte im Wahlkampf, neben einer Erhöhung | |
| des Mindestlohnes von 600 auf 800 Euro und Tausender neuer Stellen im | |
| öffentlichen Gesundheitswesen, eine Regierungskoalition statt der | |
| bisherigen Duldung. Costa lehnte dies im Wahlkampf immer wieder ab. | |
| Er könnte auch mit dem grün-kommunistischen Wahlbündnis CDU eine Einigung | |
| suche. Zwar verlor dieses fünf Abgeordnete, hat aber immer noch mit 6,7 | |
| Prozent 12 Sitze im neuen Parlament. Anders als der BE wollen die | |
| Kommunisten bisher nur programmatische Zugeständnisse. | |
| Auch sie verlangen unter anderem einen Erhöhung des Mindestlohnes auf 850 | |
| Euro, eine allgemeine Lohnerhöhung sowie die Rücknahme der | |
| Arbeitsmarktreform. Die war dem Land in den Krisenjahren von der Troika aus | |
| Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und IWF aufgezwungen worden. Costas | |
| Sozialisten werden umgehend in Verhandlungen mit dem beiden Linksparteien | |
| eintreten. | |
| Das neue portugiesische Parlament hat drei Neuzugänge zu verzeichnen. Die | |
| Iniciativa Liberal, die ökosozialistische Livre (Frei) sowie die | |
| rechtsextreme Chega (Genug) sind mit jeweils einen Abgeordneten vertreten. | |
| Die Tierschutzpartei PAN hat künftig vier statt bisher einen Abgeordneten. | |
| 7 Oct 2019 | |
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| ## AUTOREN | |
| Reiner Wandler | |
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