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# taz.de -- Kommentar Geplante Unterhaltsreform: Ungerechter Shitstorm
> Familienministerin Giffey will den Unterhalt reformieren und kriegt dafür
> viel Kritik. Dabei ist ihre Idee richtig. Sie reicht nur allein noch
> nicht.
Bild: Franziska Giffey muss gerade mit viel Müll umgehen
Familienministerin Franziska Giffey trifft wegen ihrer [1][geplanten
Unterhaltsreform] ein [2][feministischer Shitstorm]. Die Sozialdemokratin
findet es falsch, dass ein Elternteil, meist der Vater, „den vollen
Unterhalt zahlen muss, auch wenn das Kind viel Zeit bei ihm verbringt und
sogar ein eigenes Zimmer bei ihm hat“. Es gebe viel schlimmere
Ungerechtigkeiten, tönt es ihr nun entgegen. Giffey, sagt etwa die Grüne
Katharina Schulze, solle sich lieber darum kümmern, dass der Unterhalt
[3][von männlichen Drückebergern auch eingetrieben] werde.
Das aber ist kein Argument, sondern Whataboutism, um mal dieses neumodische
Wort zu verwenden. Giffeys Anliegen wird mit Verweis auf größere
Ungerechtigkeiten lächerlich gemacht. Dazu lässt sich sagen: Ja, es ist ein
Skandal, dass viele Männer keinen Unterhalt zahlen – und der Staat sie
nicht ernsthaft sanktioniert. Ja, das [4][reaktionäre Ehegattensplitting]
gehört abgeschafft.
Und ja, es wäre höchste Zeit für eine Kindergrundsicherung, die
Alleinerziehenden hilft. Aber erstens regiert die SPD nicht allein, die
Union verhindert die wesentlichen Fortschritte. Und zweitens ändert all das
nichts daran, dass Giffey einen Punkt hat.
Es gibt heute viele (auch schlecht verdienende) Männer, die sich mit ihren
Frauen die Erwerbs- und Familienarbeit teilen – und die sich nach einer
Trennung selbstverständlich um ihr Kind kümmern wollen. Es ist deshalb
nicht mehr zeitgemäß, wenn ein Elternteil den vollen Unterhalt zahlt,
obwohl die Betreuung des Kindes 40:60 aufgeteilt ist. Selbstverständlich
kann man deshalb über Gesetzesänderungen nachdenken, die das
Unterhaltsrecht an die Vielfalt heutiger Lebensmodelle anpassen.
Gegen die Abschaffung einer ungerechten Praxis zu sein, weil vor allem
Männer profitieren würden, ist kein seriöses Konzept, auch für
Feministinnen nicht. Der Jetzt-Zustand bestraft ja ausgerechnet die
modernen und progressiven Männer, ohne die die feministische Revolution
nicht zu machen ist. Polemik gegen Giffey ist deshalb falsch. Die
Familienministerin sollte das eine tun, aber das viele andere, das nötig
wäre, nicht lassen.
11 Mar 2019
## LINKS
[1] /Unterhalt-fuer-Trennungskinder/!5579220
[2] /Kommentar-Giffeys-Unterhaltsreform/!5576364
[3] /Massnahmen-gegen-saeumige-Vaeter/!5485761
[4] /Pro-und-Contra-zum-Ehegattensplitting/!5425379
## AUTOREN
Ulrich Schulte
## TAGS
Unterhalt
Franziska Giffey
Scheidung
Kinder
Trennung
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Franziska Giffey
§219a
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