| # taz.de -- War Hamburgs AfD-Parteitag illegal?: Bei der AfD darf jeder mal ran | |
| > Der Parteitag vom Juni wird angefochten, weil Nichtstimmberechtigte | |
| > abgestimmt haben sollen. Parteichef spricht von Büroversagen, hält die | |
| > Beschlüsse aber für rechtmäßig. | |
| Bild: Der Parteitag Mitte Juni fand – ohne Journalisten – im stillen Kämme… | |
| Hamburg taz | Mehrere AfD-Mitglieder haben die Ergebnisse des | |
| Landesparteitags am 16. und 17. Juni am Donnerstag angefochten. Ihr | |
| Verdacht: Mindestens zwei Menschen, die nicht stimmberechtigte | |
| Parteimitglieder seien, hätten an den Abstimmungen teilgenommen. Nun muss | |
| sich das Landesschiedsgericht der Partei mit dieser Anfechtung | |
| beschäftigen. In der Konsequenz könnten die Abstimmungen für ungültig | |
| erklärt werden, der Parteitag müsste erneut einberufen werden. | |
| Bei dem Vorgang habe es sich wohl lediglich „um ein Büroversagen“ | |
| gehandelt, sagt Dirk Nockemann, von Haus aus Verwaltungsjurist und | |
| 2003/2004 für fünf Monate Nachfolger des „gnadenlosen“ Richters Ronald | |
| Schill als Innensenator der Schill-Partei. Eine Liste der stimmberechtigten | |
| Hamburger AfD-Mitglieder habe beim Parteitag ausgelegen, erläutert er das | |
| Geschehen. Der frühere Bürgerschaftsabgeordnete Joachim Körner habe, das | |
| sei unstrittig, die Namen eines Mannes und einer Frau handschriftlich | |
| hinzugefügt. | |
| Mindestens einer von ihnen habe dann an mindestens einer Abstimmung auch | |
| teilgenommen – rein formalrechtlich führt das zur Ungültigkeit des | |
| Vorgangs. Aber offenbar nicht so bei der AfD. Nockemann spielt die | |
| Angelegenheit runter: „Das waren doch nur Kleinigkeiten“, beteuert der | |
| Landesvorsitzende von Hamburgs AfD. Wirklich interessant sei es doch gar | |
| nicht zugegangen auf dem Landesparteitag. Doch es kann sein, dass der | |
| Konvent nun wiederholt werden muss. | |
| Die Beschlüsse zur Änderung der Parteisatzung seien „etwa mit | |
| Zweidrittel-Mehrheit gefasst worden“, erinnert sich Nockemann, da seien | |
| eine oder zwei Stimmen „nicht entscheidungsrelevant“ gewesen: „Die Satzung | |
| ist rechtmäßig zustande gekommen.“ | |
| Die Abstimmungen über die Wahl von Hamburger Delegierten zum | |
| AfD-Europaparteitag sei vorsichtshalber am Sonntag wiederholt worden. Das | |
| habe der Landesvorstand am Samstagabend beschlossen, nachdem ihm die | |
| handschriftlichen Ergänzungen bekannt geworden seien. Damit sei eigentlich | |
| alles wieder in Ordnung, findet Nockemann, „ohne dem Landesschiedsgericht | |
| vorgreifen zu wollen“. | |
| Körners Eigenmächtigkeit sei wohl dadurch zu erklären, vermutet Nockemann, | |
| dass die Mitgliedschaft der beiden fraglichen Personen von niemandem | |
| bezweifelt wurde. „Der Herr“ sei „seit Jahren vom Ansehen bekannt“, bei | |
| „der Dame“ habe der Landesvorstand ihren Eintritt befürwortet, nur sei der | |
| „möglicherweise noch nicht aktenkundig“ gewesen. Deshalb sei der Vorstand | |
| zu dem Schluss gekommen, „die parteiinterne Datenverwaltung zu | |
| hinterfragen“, so Nockemann. | |
| Hinterfragen kann die AfD gleich auch noch ihre Öffentlichkeitsarbeit. Der | |
| Parteitag Mitte Juni hatte im stillen Kämmerlein stattgefunden, die Medien | |
| waren über den Termin nicht informiert worden. Das hatte hinterher unter | |
| anderem zu einer harschen Reaktion des Vorstands der Landespressekonferenz | |
| (LPK), der Interessenvertretung der Rathausjournalisten geführt, der den | |
| Grundsatz „der freien Berichterstattung und der Pressefreiheit“ auch von | |
| der AfD einforderte. | |
| Wie aber erst jetzt bekannt wurde, hatte zu Beginn des Parteitags eine | |
| Mehrheit der Anwesenden dafür gestimmt, die Medien zuzulassen. Allerdings | |
| wartete logischerweise kein Journalist vor der Tür auf Einlass. Nockemann | |
| bestätigte diesen Vorgang jetzt gegenüber der taz. Und räumte ein: „Dem | |
| einen oder anderen mag das schon schräg vorkommen.“ | |
| 15 Jul 2018 | |
| ## AUTOREN | |
| Sven-Michael Veit | |
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