| # taz.de -- Anhörung zur Bamf-Affäre: „Ein handfester, schlimmer Skandal“ | |
| > Fünf Stunden berät der Innenausschuss über die Affäre an der Bremer | |
| > Außenstelle des Bamf. Zunächst wird es keinen Untersuchungsausschuss | |
| > geben. | |
| Bild: Die Bamf-Präsidentin Jutta Cordt neben dem parlamentarischen Staatssekre… | |
| Berlin dpa/rtr | Auch nach den Beratungen im Innenausschuss des Bundestags | |
| über die [1][Unregelmäßigkeiten beim Bundesamt für Migration und | |
| Flüchtlinge (Bamf)] in Bremen beharrt die FDP auf der Einsetzung eines | |
| Untersuchungsausschusses. Nur dieses Gremium gebe dem Parlament das Recht | |
| auf Akteneinsicht und Vorladung, sagte der FDP-Vorsitzende Christian | |
| Lindner den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. „Nur so lassen | |
| sich Transparenz und [2][umfassende Aufklärung] erreichen.“ Dies gehe nicht | |
| „in immer neuen Sondersitzungen des Innenausschusses“. | |
| Der Innenausschuss hatte am Dienstag über fünf Stunden lang über die Affäre | |
| beraten. Dort mussten Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wie auch die | |
| Bamf-Chefin Jutta Cordt Rede und Antwort stehen. Die Abgeordneten | |
| vereinbarten danach zunächst eine weitere Sondersitzung. Ob es einen | |
| Untersuchungsausschuss geben wird, blieb vorerst offen. Nur die FDP und die | |
| AfD halten diesen für zwingend notwendig. | |
| Seehofer sicherte volle Transparenz bei der Aufklärung der | |
| Unregelmäßigkeiten im Bamf zu. Zugleich entschuldigt er sich nach der | |
| Ausschusssitzung im Namen der Bundesregierung bei der Bevölkerung für die | |
| Fehler, insbesondere beim Bamf in Bremen. „Der Vorgang in Bremen ist ein | |
| handfester, schlimmer Skandal“, sagte er. | |
| Seehofer sagte, er habe zudem verhängt, dass beim Bamf künftig wieder | |
| Qualität vor Quantität gehen solle. Er setze sich dafür ein, dass das | |
| Parlament ihm mehr Geld für zusätzliches Personal zur Verfügung stelle. | |
| Sonst bestehe, auch wegen der geplanten Nachprüfungen von Entscheidungen, | |
| die Gefahr, dass in kurzer Zeit die Rückstände bei den Anträgen wieder auf | |
| Größenordnungen von 80.000 oder 100.000 anstiegen. Cordt verwies etwa auf | |
| die angesetzte Prüfung von 18.000 positiven Asylbescheiden aus Bremen seit | |
| dem Jahr 2000. Da Personal an anderer Stelle fehle, würden sich nicht | |
| abgearbeitete Asylanträge wieder stauen. | |
| Seehofer zeigte sich zufrieden mit den Antworten von Cordt im Ausschuss. | |
| Sie sei es gewesen, die im Jahr 2017 die Innenrevision der Behörde im | |
| Oktober und dann nochmal im Dezember mit Nachprüfungen beauftragt habe. | |
| Seehofer begrüßte zugleich, dass zeitlich befristete Beschäftigte beim Bamf | |
| künftig dauerhafte Verträge bekommen sollten. | |
| Cordt sagte, sie stehe selbstverständlich für Aufklärung: „Bei mir wird | |
| nichts vertuscht.“ Die 54-Jährige sagte, es habe bereits lange Zeit vor | |
| ihrer Amtszeit Hinweise auf Manipulationen in Bremen gegeben. Diesen werde | |
| nachgegangen. Laut Seehofer lässt sich aber nicht erkennen, dass Vorgänger | |
| von Cordt mit diesen Dingen befasst gewesen seien. | |
| In der Außenstelle sollen zwischen 2013 und 2016 mehr als 1200 Menschen | |
| ohne rechtliche Grundlage Asyl erhalten haben. Es gibt deshalb Ermittlungen | |
| der Staatsanwaltschaft Bremen und des Bundesamts gegen die frühere Leiterin | |
| der Außenstelle, weitere Mitarbeiter, einen Dolmetscher und Anwälte. Der | |
| Dolmetscher steht im Verdacht, von Asylbewerbern Geld genommen zu haben. | |
| Die ehemalige Leiterin der Bremer Bamf-Außenstelle verteidigte ihr Vorgehen | |
| bei der Anerkennung von Asylbewerbern. Ihr sei es bei ihrer Arbeit stets | |
| darum gegangen, dass Menschen in Not zählten, nicht blanke Zahlen, sagte | |
| Ulrike B. der Bild-Zeitung. Daher stehe sie zu allem, was sie getan habe. | |
| Die Beamtin betonte, sie habe niemals Geld genommen. Der Vorwurf der | |
| Korruption sei lächerlich. | |
| ## Verdacht der Bestechlichkeit | |
| Die Frau war bis zum 21. Juli 2016 im Amt gewesen. Sie wurde nach einem | |
| Disziplinarverfahren ihrer Position enthoben. Gegen sie wird wegen des | |
| Verdachts der Bestechlichkeit und bandenmäßigen Verleitung zur | |
| missbräuchlichen Asylantragstellung ermittelt. | |
| Aus der CDU wurde die Forderung nach einer Gesetzesänderung laut. „Wir | |
| sollten die wesentlichen Qualitätskriterien für das Asylverfahren | |
| gesetzlich normieren“, sagte der CDU-Innenexperte Armin Schuster der | |
| Rheinischen Post. | |
| Danach solle künftig eine positive Asylentscheidung nur noch getroffen | |
| werden können, wenn der Antrag persönlich und nicht durch Anwälte gestellt | |
| werde, die Identität und die Staatsangehörigkeit geklärt seien und eine | |
| persönliche Anhörung stattgefunden habe. Bei den Entscheidern über | |
| Asylanträge solle es Personalrotationen geben. | |
| 30 May 2018 | |
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