# taz.de -- Umfrage zu schnellerem Atomausstieg: Mehrheit der Deutschen dafür | |
> Das Kabinett bringt die Atomgesetznovelle auf den Weg. Ein früheres | |
> AKW-Aus ist nicht vorgesehen – obwohl 59 Prozent der Deutschen dafür | |
> wären. | |
Bild: Wollen AKWs gern früher abschalten: die Atomkraftgegner | |
Berlin taz | Eine Mehrheit von 59 Prozent der Deutschen ist dafür, die noch | |
laufenden Atomkraftwerke früher abzuschalten als derzeit geplant, selbst | |
wenn dafür Entschädigungen an die Betreiber gezahlt werden müssten; 35 | |
Prozent lehnen dies ab. Das geht aus einer repräsentativen Emnid-Umfrage | |
hervor, die der taz vorliegt. Besonders hoch ist die Zustimmung unter | |
AnhängerInnen von Grünen und SPD. Aber auch jene, die der Union nahestehen, | |
plädieren mit 54 zu 39 Prozent für einen schnelleren Atomausstieg gegen | |
Entschädigung. | |
Die Umfrage, für die Emnid im Auftrag der Anti-Atom-Initiative Ausgestrahlt | |
vom 17. bis 19. Mai 1.007 Personen befragt hat, unterstützt damit eine | |
Forderung, die die Grünen sowie diverse Verbände im Zusammenhang mit der | |
geplanten Änderung des Atomgesetzes erhoben haben: Sie wollen, dass vor | |
allem die norddeutschen Atomkraftwerke Brokdorf und Emsland früher | |
abgeschaltet werden. Denn im Norden sind die Netze aufgrund der vielen | |
Windräder oft so überlastet, dass diese schon jetzt bei starkem Wind | |
abgeschaltet werden müssen und der weitere Zubau begrenzt ist. | |
Im Rahmen der geplanten Atomrechtsnovelle, mit der die Regierung das | |
Verfassungsgerichtsurteil zum Atomausstieg von 2016 umsetzt, könnte diese | |
Forderung verwirklicht werden. Und zwar, indem die Übertragung von | |
Strommengen auf diese Kraftwerke ausgeschlossen wird. | |
Laut geltendem Gesetz müssen Brokdorf Ende 2021 und Emsland Ende 2022 | |
abgeschaltet werden. Die sogenannten Reststrommengen, die ihnen beim | |
rot-grünen Atomausstieg zugestanden worden waren, werden aber jeweils schon | |
etwa eineinhalb Jahre früher aufgebraucht sein. Bis zum Schluss | |
weiterlaufen können sie darum nur, wenn Strommengen von anderen AKWs | |
übertragen werden. | |
## Entschädigung im oberen dreistelligen Millionenbereich | |
„Die Bevölkerung ist bereit, sich einen schnelleren Atomausstieg etwas | |
kosten zu lassen“, sagt Ausgestrahlt-Sprecher Jochen Stay. „Deswegen sollte | |
der Bundestag den Mut haben, bei der Novellierung des Atomgesetzes die | |
Übertragung von Strommengen von bereits abgeschalteten Reaktoren auf noch | |
laufende zu verbieten.“ Auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter fordert: | |
„Atomkraftwerke wie Emsland und Brokdorf müssen endlich vom Netz gehen und | |
den Weg für erneuerbaren Strom frei machen.“ Geteilt wird diese Forderung | |
auch vom Umweltverband BUND und dem Bundesverband Erneuerbare Energie. | |
Die Bundesregierung lehnt dies ab. Der Gesetzentwurf, der am Mittwoch vom | |
Kabinett verabschiedet wurde, sieht zwar keinen Zwang zum | |
Reststrommengenverkauf vor, aber auch kein Verbot. Und Eon und RWE wollen | |
diese Möglichkeit nach eigenen Angaben nutzen. „Wir sind hier in | |
ernstzunehmenden Gesprächen und hoffen, dass wir zu einem vernünftigen | |
Ergebnis kommen“, sagte RWE-Finanzvorstand Markus Krebber kürzlich dem | |
Handelsblatt. | |
Für die Reststrommengen, die am Ende verfallen, sagt das Gesetz den | |
Betreibern entsprechend den Vorgaben des Verfassungsgerichts eine | |
Entschädigung zu. Die genaue Höhe wird erst im Jahr 2023 ermittelt, wenn | |
die tatsächlich nicht produzierte Strommenge und die entgangenen Gewinne | |
feststehen. „Aus heutiger Sicht scheint ein Betrag im oberen dreistelligen | |
Millionenbereich plausibel“, heißt es im Gesetzentwurf. | |
Würden die AKWs Brokdorf und Emsland wie gefordert früher abgeschaltet, | |
dürfte diese Summe etwa um die Hälfte steigen. Im Gegenzug würden aber die | |
Kosten sinken, die derzeit aufgrund der Netzüberlastung im Norden | |
entstehen. | |
23 May 2018 | |
## AUTOREN | |
Malte Kreutzfeldt | |
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