| # taz.de -- Haltung zu Militärschlägen: Die Syrien-Krise spaltet die EU | |
| > Die EU-Außenminister äußerten zwar „Verständnis“ für die Luftangriff… | |
| > Mehrere EU-Mitglieder lehnen es jedoch ab, sie gutzuheißen. | |
| Bild: Nach dem Militärschlag: Überreste des zerstörten Syrian Scientific Stu… | |
| BERLIN taz | Die EU bleibt uneinig über die Militärsschläge in Syrien. Die | |
| Außenminister der 28 Mitgliedstaaten waren sich bei einem Treffen am Montag | |
| in Luxemburg zwar grundsätzlich einig, dass nach dem westlichen | |
| Militärschlag vom Wochenende nun wieder Diplomatie gefragt sei. Wie die | |
| Rückkehr an den Verhandlungstisch aussehen kann, blieb jedoch offen. | |
| Auch der Militäreinsatz war umstritten. Die Außenminister äußerten zwar | |
| „Verständnis“ für die Luftschläge, die die USA, Großbritannien und | |
| Frankreich ausgeführt hatten. Mehrere EU-Länder lehnten es jedoch ab, sie | |
| gutzuheißen. Diplomaten zufolge waren vor allem die Nicht-Nato-Mitglieder | |
| auf der Hut. Genannt wurden Schweden, Österreich, Finnland, Irland, Malta | |
| und Zypern. | |
| Einige dieser Länder hatten bereits nach der Giftgasattacke auf den | |
| früheren russischen Doppelspion Sergej Skripal in Großbritannien | |
| Zurückhaltung gefordert. Nun warnen sie vor einer militärischen Eskalation. | |
| Die Sorge teilen auch einige Nato-Länder. Vor allem Italien mahnt zu | |
| Mäßigung, auch Belgien gibt sich zurückhaltend. | |
| In Luxemburg standen sich nun vier Gruppen gegenüber: Frankreich und | |
| Großbritannien, die militärisch vorgeprescht sind; Deutschland und die | |
| Mehrheit der Nato-Staaten, die den Militärschlag befürworten; zögerliche | |
| Nato-Mitglieder wie Italien sowie als vierte Gruppe die neutralen Länder. | |
| Die EU ist wieder einmal gespalten. | |
| Allerdings gibt sie das nicht offen zu. EU-Ratspräsident Donald Tusk war | |
| bereits am Samstag mit einer Erklärung vorgeprescht, die den Eindruck | |
| erweckte, die EU stünde geschlossen hinter dem westlichen Militärschlag. In | |
| Luxemburg bemühte sich auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, die | |
| Fassade der Einheit zu wahren. | |
| ## „Weicher“ Formel-Kompromiss | |
| Im Ergebnis einigte man sich auf einen „weichen“ Formel-Kompromiss: Die EU | |
| „versteht, dass die gezielten Luftschläge auf Chemiewaffen-Einrichtungen in | |
| Syrien spezifische Maßnahmen waren, die alleine das Ziel hatten, den | |
| weiteren Einsatz von Chemiewaffen oder chemischen Substanzen durch das | |
| syrische Regime zur Tötung seiner eigenen Bevölkerung zu verhindern“, heißt | |
| es in der Erklärung der Außenminister. | |
| Eine klare Unterstützung der Luftschläge ist das nicht – im Gegenteil: Der | |
| Gebrauch militärischer Gewalt wird auf die Prävention von | |
| Chemiewaffen-Attacken begrenzt. Eine militärische Lösung des Konflikts | |
| könne es nicht geben, betonen die Außenminister. Vielmehr setzt sich die EU | |
| weiter für eine politische Lösung ein. Ob diese unter dem Dach der UN | |
| gesucht werden soll oder außerhalb, wie der deutsche Außenminister Heiko | |
| Maas (SPD) angedeutet hat, bleibt offen. In der gemeinsamen Erklärung heißt | |
| es lediglich, das vorhandene Momentum solle für eine Wiederbelebung des | |
| diplomatischen Prozesses genutzt werden. | |
| Neben der Syrien-Konferenz ist damit auch ein Vorstoß Frankreichs gemeint. | |
| Der französische Staatschef Emmanuel Macron hat eine diplomatische | |
| Offensive angekündigt. Dazu will er auch Russland und die Türkei an den | |
| Verhandlungstisch holen. | |
| Streit gab es auch über den weiteren Umgang mit Iran. Die Außenminister | |
| berieten über neue Sanktionen, mit denen die EU offiziell auf die iranische | |
| Unterstützung für das Regime in Syrien reagieren will. Die Strafmaßnahmen | |
| sollen aber vor allem die USA davon abhalten, den Atomdeal mit Iran wie | |
| angedroht aufzukündigen. Ein Ultimatum der USA läuft am 12. Mai aus. Ein | |
| EU-Beschluss wurde am Montag nicht erwartet. | |
| 16 Apr 2018 | |
| ## AUTOREN | |
| Eric Bonse | |
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