| # taz.de -- Sachsen-Anhalts Landtagspräsident: Rücktritt nach vier Monaten im… | |
| > Der Landtagspräsident Sachsen-Anhalts reagiert mit seinem Rücktritt auf | |
| > Vertuschungsvorwürfe. Ihm fehle die Vertrauensbasis, um sein Amt | |
| > sachgerecht fortzuführen. | |
| Bild: Peter Hardy Güssau gibt seine Glocke als Landtagspräsident wieder ab | |
| Magdeburg afp | Nach nur vier Monaten im Amt ist Sachsen-Anhalts | |
| Landtagspräsident Hardy Peter Güssau (CDU) zurückgetreten. Der | |
| CDU-Politiker zog damit am Montag die Konsequenzen nach Vorwürfen im | |
| Zusammenhang mit mutmaßlichen Manipulationen bei der Kommunalwahl in | |
| Stendal. In einer in Magdeburg verbreiteten Erklärung begründete Güssau den | |
| Schritt mit einer fehlenden Vertrauensbasis. Dies mache ihm „die | |
| sachgerechte Fortführung meines Amtes unmöglich“. | |
| Güssau wurde vorgeworfen, er habe nach der Kommunalwahl vor zwei Jahren in | |
| seiner Heimatstadt einen Skandal um die Manipulation der Briefwahl | |
| vertuschen wollen. Der 53-jährige, der auch Vorsitzender des Stendaler | |
| CDU-Stadtverbandes ist, hatte dies stets vehement bestritten. Güssau war | |
| auch in der eigenen Partei zunehmend unter Druck geraten. | |
| „Ich habe nicht vertuscht, nicht getarnt und auch nicht getrickst“, | |
| erklärte Güssau am Montag. Er halte an seiner „persönlichen Unschuld“ fe… | |
| Zugleich sprach Güssau von einer Vorverurteilung. Er sei weder | |
| Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren noch habe er sich einer | |
| Straftat schuldig gemacht. | |
| Der 53-Jährige war seit April dieses Jahres Präsident des Magdeburger | |
| Landtags. In den vergangenen Tagen hatte er in den einzelnen | |
| Landtagsfraktionen zu den Vorwürfen Stellung genommen und einen umfassenden | |
| Fragenkatalog der schwarz-rot-grünen Koalitionsfraktionen beantwortet. | |
| Am Montag wollte ursprünglich der Ältestenrat des Landtags in einer | |
| Sondersitzung entscheiden, ob Güssau noch das Vertrauen des Parlaments | |
| genießt. Aus der SPD und von den Linken hatte es zuvor bereits | |
| Rücktrittsforderungen gegeben. Die Linksfraktion hatte zudem mit einem | |
| Abwahlverfahren gedroht. | |
| ## Unbefangene Amtsführung unmöglich | |
| Er habe nicht den Eindruck gewonnen, „dass man sich mit meiner Sicht der | |
| Dinge ernsthaft auseinandergesetzt hat“, kritisiert Güssau. „Vielmehr wurde | |
| ich vorverurteilt.“ | |
| Als Landtagspräsident sei er darauf angewiesen, dass „eine Mehrheit der | |
| Abgeordneten ihm vertraut“, hieß es weiter in der persönlichen Erklärung | |
| des CDU-Politiker. Es habe sich aber zuletzt gezeigt, „dass die notwendige | |
| Vertrauensbasis in einer Weise beeinträchtigt ist, die mir die sachgerechte | |
| Fortführung meines Amtes unmöglich macht“. | |
| Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nahm den Rücktritt | |
| „mit Respekt“ zur Kenntnis. Es verdiene „hohe Anerkennung, dass er damit | |
| seine persönliche Sicht auf die Dinge übergeordneten Belangen sowie dem | |
| Wohle des Landes und des Landtages von Sachsen-Anhalt untergeordnet hat“. | |
| Der CDU-Fraktionschef im Landtag, Siegfried Borgwardt, betonte, die | |
| CDU-Mitglieder im Ältestenrat sähen „keine persönliche Schuld“ des | |
| Landtagspräsidenten. Der Fall habe aber inzwischen eine mediale Dimension | |
| erreicht, die Güssau eine unbefangene Amtsführung unmöglich mache. | |
| Der grüne Koalitionspartner hält den Rückzug hingegen für längst | |
| überfällig. Grünen-Fraktionschefin Conny Lüddemann erklärte, damit sei die | |
| „unwürdige Hängepartie“ beendet. | |
| 15 Aug 2016 | |
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