| # taz.de -- Ordnungsruf für AfD-Politiker Gauland: „Nützliche Idioten“ | |
| > Der Brandenburger Landtag spricht sich für Offenheit und Integration aus. | |
| > Bis auf die AfD, deren Fraktionschef gegen Geflüchtete und Helfer | |
| > ausfällig wird. | |
| Bild: Gauland demonstriert mit Frauke Petry und Beatrix von Storch | |
| Potsdam dpa | In einer teils scharf geführten Debatte über die | |
| Flüchtlingspolitik hat sich der Brandenburger Landtag mit Ausnahme der AfD | |
| für eine offene Aufnahme und Integration der Tausenden Kriegsflüchtlinge | |
| ausgesprochen. Nach den Terroranschlägen in Paris betonten die Redner der | |
| Fraktionen am Mittwoch in der Plenardebatte, dass nun die freiheitliche und | |
| demokratische Gesellschaft mit allen Mitteln verteidigt werden müsse. Zuvor | |
| gedachten die Abgeordneten in einer Schweigeminute der Opfer des Terrors in | |
| Paris. | |
| „Die Anschläge richten sich gegen die Freiheit, gegen die Freude am Leben, | |
| gegen die Achtung der Menschenwürde – und damit gegen uns alle“, sagte | |
| Landtagspräsidentin Britta Stark. „Jetzt kommt es darauf an, dass sich die | |
| Gemeinschaft der Demokraten als stärker erweist, als die Allianz aus Hass, | |
| Terror und Angst.“ | |
| Sprecher der Fraktionen SPD, Linke, CDU und Grüne betonten nachdrücklich, | |
| dass nun die Flüchtlinge nicht unter den Generalverdacht gestellt werden | |
| dürften. „Es gibt Angehörige des Hohen Hauses, die die Rollen der Täter und | |
| Opfer vermengen wollen“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) mit | |
| Blick auf die AfD. Die Flüchtlinge seien vor dem Terror des Islamischen | |
| Staates geflohen. „Angst, Misstrauen und Hass zu säen, ist genau das, was | |
| die Terroristen erreichen wollen – und genau dieses Ziel dürfen sie in | |
| Brandenburg nicht erreichen“, sagte Woidke. | |
| AfD-Fraktionschef Alexander Gauland hatte in der Debatte zuvor erklärt, in | |
| Deutschland seien rund 300 000 Menschen unterwegs, die noch nicht | |
| registriert worden seien. „Woher wissen wir, dass unter den Flüchtlingen | |
| nur Opfer und keine Täter sind?“, fragte er. Es handele sich noch immer um | |
| eine unkontrollierte Zuwanderung und niemand wisse, „wer da zu uns kommt.“ | |
| ## Empörung im Landtag | |
| Gauland löste im Landtag Empörung aus, als er die vielen freiwilligen | |
| Helfer in den Willkommensinitiativen als „nützliche Idioten“ einer | |
| unfähigen Landespolitik bezeichnete. Dafür kassierte er einen Ordnungsruf | |
| der Landtagspräsidentin. | |
| CDU-Oppositionschef Ingo Senftleben erklärte, die Flüchtlinge seien eine | |
| große Chance für Brandenburg. In den 1990er Jahren hätten viele Menschen | |
| die Mark verlassen, Plattenbauten hätten abgerissen werden müssen. „Nun | |
| kann Brandenburg wachsen, auch mit den vielen Menschen, die zu uns kommen.“ | |
| Allerdings müssten die abgelehnten Asylbewerber schneller abgeschoben | |
| werden, forderte Senftleben. „Damit wir uns auf die Menschen konzentrieren | |
| können, die hier bleiben dürfen.“ | |
| Linken-Fraktionschef Ralf Christoffers sagte, die Antwort auf die | |
| Terroranschläge könne nicht nur der Ruf nach zusätzlichen | |
| Sicherheitsmaßnahmen sein. „Die Frage ist vielmehr: Wie können wir unsere | |
| freiheitliche und demokratische Gesellschaft erhalten?“ | |
| Die Grünen-Abgeordnete Ursula Nonnemacher erklärte, „die Einschränkung und | |
| Abschaffung der Werte, für die wir attackiert werden“, sei die falsche | |
| Antwort. „Schändlich ist es, die Flüchtlinge, die vor Krieg und Terror | |
| fliehen, als die Verursacher von Krieg und Terror darzustellen“, sagte sie | |
| in Richtung der AfD. | |
| 18 Nov 2015 | |
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