| # taz.de -- Umstrittene Demo-Parole in Berlin: Drastischer Zugriff | |
| > Ist „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ eine zulässige Äußerung? … | |
| > einer Griechenland-Solidemo ermittelt die Polizei gegen 21 Personen. | |
| Bild: Da war das Transparent schon weg: auf der Demonstration in Berlin | |
| Berlin taz | Die Debatte über Griechenland wird nicht erst seit Sonntag | |
| immer hitziger – dem will die Berliner Polizei offenbar einen Riegel | |
| vorschieben: Gegen 21 Personen, die vergangenen Freitag an einer | |
| Demonstration gegen die europäischen Sparvorgaben teilnahmen, ermittelt die | |
| Polizei jetzt wegen „Verunglimpfung des Staates“. Der Grund: ein 22 Meter | |
| langes Transparent der linken Gruppe Theorie Organisation Praxis Berlin | |
| (TOP) mit der prägnanten Aufschrift „Deutschland, du mieses Stück Scheiße�… | |
| Noch am Auftaktort, dem Kreuzberger Oranienplatz, habe die Polizei das | |
| Transparent beschlagnahmt und einen Kessel um alle gebildet, die sich in | |
| der Nähe aufhielten, berichtet ein Aktivist aus dem Vorbereitungskreis der | |
| Demonstration. Als Grund hätten die Beamten wörtlich „Beleidigung von | |
| Deutschland“ angegeben. Über zwei Stunden habe das Aufnehmen der | |
| Personalien gedauert, in dieser Zeit habe die Demonstration nicht beginnen | |
| können. | |
| Wer „die Bundesrepublik Deutschland beschimpft oder böswillig verächtlich | |
| macht“, kann laut Strafgesetzbuch mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft | |
| werden. Dass DemonstrantInnen aufgrund dieses Paragrafen in Gewahrsam | |
| genommen werden, ist in Berlin allerdings unüblich „In meiner langjährigen | |
| Tätigkeit habe ich das noch nie erlebt“, sagt der Rechtsanwalt Ulrich von | |
| Klinggräff, der am Freitag vor Ort mit der Polizei verhandelte. Der Vorwurf | |
| sei auch in diesem Fall nicht haltbar: „Diese Aufschrift steht hier klar im | |
| Kontext eines Meinungskampfes, in dem man sehr wohl auch zu drastischen | |
| Äußerungen greifen darf“, so Klinggräff. | |
| Nachdem das Transparent beschlagnahmt wurde, druckten DemonstrantInnen die | |
| strittige Parole in einem nahe gelegenen Copy-Shop aus und stellten sich | |
| mit den Plakaten vor die Polizei. „Diese spontane Solidarität hat uns sehr | |
| gefreut“, sagt Marlies Sommer, Sprecherin der Gruppe TOP. | |
| Sie seien „sehr optimistisch, dass diese absurde Maßnahme keinen Bestand | |
| hat“, sagt Sommer. Alle Betroffenen seien eingeladen, sich zu melden, um | |
| ein gemeinsames Vorgehen zu koordinieren. Aus ihrer Sicht ist das Verhalten | |
| der Polizei bezeichnend für die aktuelle Debatte: „Während deutsche | |
| Politiker glauben, sich als neue europäische Supermacht aufspielen und die | |
| Menschen in Griechenland nach Lust und Laune beleidigen und herab würdigen | |
| zu können, reagiert der deutsche Staat auf jede Kritik äußerst | |
| empfindlich.“ | |
| taz-Kommentar zum Thema: [1][Ein Staat muss Kritik aushalten] | |
| 6 Jul 2015 | |
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| ## AUTOREN | |
| Malene Gürgen | |
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