| # taz.de -- Verlängerung des Kioto-Protokolls: EU taktiert beim Klima weiter | |
| > Vor der nächsten Klimakonferenz fordern die EU-Umweltminister als | |
| > Zwischenlösung eine Verlängerung des Kioto-Protokolls – unter bestimmten | |
| > Bedingungen. | |
| Bild: Braunkohlekraftwerk Jänschwalde: CO2-Einsparungen müssten eigentlich fo… | |
| BRÜSSEL taz | Die EU-Umweltminister haben sich bei ihrem Treffen am Montag | |
| in Luxemburg nicht auf ein klares Bekenntnis zur Fortführung des | |
| Kioto-Protokolls nach 2012 geeinigt. Sie wollen sich bei der nächsten | |
| UN-Klimakonferenz, die Ende November in Durban beginnt, einen | |
| entsprechenden Verhandlungsspielraum offenhalten, sagte Staatssekretärin | |
| Ursula Heinen-Esser, die das deutsche Umweltministerium in Luxemburg | |
| vertrat. In den Schlussfolgerungen der Minister heißt es, die Europäische | |
| Union sei "offen" für eine Verlängerung des Kioto-Protokolls. Mehr aber | |
| nicht. | |
| "Es ist schon ein positives Signal, dass die Minister überhaupt dazu bereit | |
| sind, darüber zu reden", sagt der Klimaschutzexperte von Greenpeace, Joris | |
| van den Blanken. Zurzeit wollen weder Russland noch Japan das | |
| Klimaschutzprogramm verlängern. "Deshalb sollte auch die EU das nicht von | |
| vornherein versprechen und damit alle Karten auf den Tisch legen. Sonst | |
| werden sich die anderen gar nicht bewegen", meint van den Blanken. | |
| Ursprünglich wollte die Europäische Union für die Zeit nach 2012 ein | |
| komplett neues Klimaschutzabkommen, zu dem auch die Vereinigten Staaten | |
| beitreten sollten, die das Kioto-Protokoll nicht unterzeichnet hatten; | |
| zudem sollten auch Schwellenländer wie China sich zu einem langsameren | |
| Anstieg verpflichten. | |
| Aber nach der gescheiterten Klimakonferenz von Kopenhagen im Dezember 2009 | |
| suchen die Europäer nach neuen Lösungen. EU-Kommissarin Connie Hedegaard | |
| schlug am Montag vor, das Kioto-Protokoll bis zum Inkrafttreten eines neuen | |
| Abkommens zu verlängern; denkbar wäre ein Zeitraum bis 2015. Eine solche | |
| Verlängerung würde zumindest Länder wie Russland und Japan zu weiteren | |
| CO2-Einsparungen verpflichten. | |
| Für die EU-Staaten würde diese Entscheidung zunächst nichts ändern. Sie | |
| bleiben weiterhin bei ihrem Ziel, die CO2-Emissionen bis 2020 im Vergleich | |
| zu 1990 um 20 Prozent zu reduzieren - unabhängig von einem internationalen | |
| Abkommen. Nur wenn die übrigen Industriestaaten mitziehen, wollen die | |
| Europäer dieses Ziel auf 30 Prozent erhöhen. | |
| ## Übrig gebliebene Zertifikate | |
| Auch zum Umgang mit den aus dem Kioto-Protokoll übrigen | |
| Emissionszertifikaten wollten die EU-Minister am Montag keinen konkreten | |
| Vorschlag machen. Unter dem Kioto-Protokoll dürfen Länder, die weniger CO2 | |
| ausstoßen, als ihnen zugestanden wurde, die überschüssigen | |
| Emissionszertifikate verkaufen. | |
| Nun muss entschieden werden, was mit den Zertifikaten passiert, die übrig | |
| geblieben sind. Die Minister formulierten das vorsichtig. Die neue Regelung | |
| dürfe nicht umweltschädlich sein. | |
| Greenpeace ist das zu wenig: "Ich hätte mir gewünscht, dass die EU eine | |
| klare Vorgabe macht. Wenn die Länder ihre Zertifikate auch nach 2012 noch | |
| verkaufen können, würde das den gesamten Klimaschutz aushebeln", befürchtet | |
| Joris van den Blanken. Greenpeace fordert, dass die Zertifikate gestrichen | |
| oder zumindest beschränkt werden. | |
| In dem 1997 beschlossenen Kioto-Protokoll sollten sich eigentlich die | |
| Industrieländer verbindlich verpflichten, ihren Ausstoß an Klimagasen bis | |
| 2012 im Durchschnitt um 5,2 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. | |
| Allerdings blasen viele Staaten heute mehr CO2 und andere Gase in die Luft | |
| als damals, auch innerhalb der EU. | |
| 10 Oct 2011 | |
| ## AUTOREN | |
| Ruth Reichstein | |
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