| # taz.de -- Pläne der Städte für die Wärmewende: Vielleicht Fernwärme, vie… | |
| > Die Kommunen kommen bei der Wärmeplanung voran. Trotzdem bleibt für viele | |
| > Bürger:innen unklar, welche Heizung für sie infrage kommt. | |
| Bild: Fernwärme in der Frankfurter Innenstadt. Viele Kommunen wollen diese Art… | |
| Bald wissen die meisten Privathaushalte in Großstädten, ob sie sich künftig | |
| [1][an ein Fernwärmenetz] anschließen lassen können. Für eine größere | |
| Minderheit dürfte allerdings Unsicherheit herrschen, wie ihre | |
| Heizungszukunft aussieht. Denn manche Städte stellen den | |
| Einwohner:innen offenbar nicht die nötigen Informationen zur Verfügung. | |
| „Defizite bei der Wärmeplanung“, kritisiert deshalb die Stiftung | |
| Klimaneutralität. | |
| Die Organisation hat die fertigen Wärmepläne von 15 Städten und Gemeinden | |
| in acht Bundesländern untersucht, die rund 650.000 Haushalte betreffen. | |
| Dabei stellte sie fest, dass einige Stadtverwaltungen bis zu einem Drittel | |
| der Einwohner:innen nicht mitteilen, ob diese später Fernwärme bekommen | |
| oder nicht. Diese Gebiete in den Städten und Gemeinden werden dann nur als | |
| sogenannte „Prüfgebiete“ ausgewiesen. Die Bürger:innen sollten jedoch | |
| „eine deutschlandweit ähnliche Qualität und vergleichbare Annahmen bei der | |
| Planung erwarten können“, sagt Thomas Losse-Müller, Direktor der Stiftung, | |
| die wissenschaftliche Politikberatung betreibt. | |
| [2][Die gesetzlich verankerte Wärmeplanung] sieht vor, dass alle knapp | |
| 11.000 deutschen Kommunen in den nächsten Jahren festlegen, welche | |
| Stadtteile an öffentliche Wärmenetze angeschlossen werden sollen. | |
| Großstädte über 100.000 Einwohner:innen müssen das bis Ende Juni 2026 | |
| erledigen, kleinere Kommunen haben bis Mitte 2028 Zeit. | |
| Die Pläne sind für viele Hausbesitzende entscheidend. Falls nicht mit | |
| Fernwärme zu rechnen ist, müssen sie sich um individuelle Lösungen für ihre | |
| Heizungen bemühen. Dafür schreibt das Gebäudeenergie-Gesetz momentan vor, | |
| dass nach Abschluss der Wärmeplanung neue Heizungen grundsätzlich mit 65 | |
| Prozent erneuerbarer Energie laufen sollen. Bis 2045, also in 19 Jahren, | |
| sind alle Anlagen von Kohle, Öl und Erdgas auf erneuerbare Energien | |
| umzustellen. | |
| ## Pläne der Großstädte bis Juni fertig | |
| Einerseits scheint der Prozess der kommunalen Wärmeplaung schon gut in Gang | |
| gekommen. So hätten 38 Prozent der Großstädte die Untersuchungen bereits | |
| abgeschlossen, teilt die Deutsche Energieagentur (Dena) mit, eine | |
| öffentliche Beratungseinrichtung. Die übrigen zwei Drittel der Großstädte | |
| arbeiteten an der Planung. Man gehe davon aus, dass sie bis Juni dieses | |
| Jahres fertig würden, heißt es beim in Halle (Saale) ansässigen | |
| Dena-Kompetenzzentrum für Kommunale Wärme. | |
| Insgesamt „befindet sich über die Hälfte der Kommunen im Prozess [3][der | |
| Kommunalen Wärmeplanung“], sagt Dena-Sprecherin Manja Rothe-Balogh. | |
| Andererseits bedeutet das aber auch, dass die andere, knappe Hälfte vor | |
| allem der kleinen Städte und Gemeinden noch gar nicht begonnen hat. | |
| Zu den 15 Städten und Gemeinden, die die Stiftung Klimaneutralität | |
| untersuchte, gehört unter anderem Hannover, wo 54 Prozent der | |
| Einwohner:innen mit Wärmenetzen rechnen können. In Heidelberg sind es | |
| 72 Prozent und in Lübeck 30 Prozent. Insgesamt wollten alle untersuchten | |
| Kommunen etwa der Hälfte der Bevölkerung Fern- oder Nahwärme-Versorgung | |
| anbieten. | |
| In manchen Städten und Gemeinden auffällig sind jedoch auch die bisherigen | |
| Leerstellen. Während Hannover und Heidelberg nur 8 Prozent, beziehungsweise | |
| 17 Prozent als nicht zugeordnete Prüfgebiete festgelegt haben, erreicht der | |
| Anteil in Lübeck 35 Prozent, im schleswig-holsteinischen Neumünster 39 | |
| Prozent und in der hessischen Gemeinde Löhnberg bei Gießen 76 Prozent. | |
| ## Unklarheit für viele Gebiete | |
| Das Problem daran: Die Prüfgebiete heißen auch deshalb so, weil die | |
| Stadtverwaltungen bisher keinen Plan haben, wie die Wärmeversorgung später | |
| am besten zu organisieren ist. Teilweise können sie nicht abschätzen, ob | |
| die Netze wirtschaftlich wären. Damit wissen die Immobilienbesitzer und | |
| auch die Mieter:innen ebenfalls nicht, woran sie sind. Ihnen fehlt eine | |
| wichtige Grundlage für die Entscheidungen über ihre eigenen Heizungen. | |
| „Eine Spezifizierung der gesetzlichen Kriterien für die kommunale | |
| Wärmeplanung wäre vor diesem Hintergrund sinnvoll“, empfiehlt Losse-Müller. | |
| Bundestag und Bundesregierung könnten das berücksichtigen, wenn es | |
| demnächst zu einer Reform des Gebäudeenergie-Gesetzes kommt. | |
| Außerdem warnt die Klimastiftung, bei der bisherigen Wärmeplanung würden | |
| „die sozialen und ökonomischen Voraussetzungen oft völlig ausgeblendet“. | |
| Die Expert:innen haben festgestellt, dass gerade in den Prüfgebieten | |
| viele Leute wohnen, die wenig Geld haben – Hausbesitzer ohne flüssiges | |
| Vermögen und Mieter:innen mit niedrigen Einkommen. Das gilt auch für die | |
| dritte Gebietskategorie: Neben den Stadtteilen mit Fernwärme und bisher | |
| unklarer Zuordnung sind das die sogenannten dezentralen Versorgungsgebiete, | |
| wo es definitiv keine öffentlichen Wärmenetze geben wird. Dort bedürfe es | |
| dringend zusätzlicher, sozial ausgerichteter „Quartierslösungen“, sagt die | |
| Stiftung, ohne jedoch konkrete Vorschläge zu machen. | |
| 13 Jan 2026 | |
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| ## AUTOREN | |
| Hannes Koch | |
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