| # taz.de -- EU-Handelsabkommen mit Mercosur: Frankreich schießt quer | |
| > Am Samstag will die EU das Freihandelsabkommen mit südamerikanischen | |
| > Staaten nach 26 Jahren Verhandlungen abschließen. Doch es gibt weiter | |
| > Kritik. | |
| Bild: Hier in schöner Idylle, normalerweise aber in fieser Massentierhaltung: … | |
| Die nächste Woche könnte klären, ob es mit dem Freihandelsabkommen zwischen | |
| der EU und den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und | |
| Paraguay tatsächlich etwas wird. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der | |
| Leyen will den Vertrag bei einem Gipfel in der brasilianischen Stadt Foz do | |
| Iguaçu diese Woche unterzeichnen. Frankreichs Premierminister Sébastien | |
| Lecornu forderte am Sonntag jedoch Nachbesserungen des Vertrags. | |
| Damit die Kommissionschefin das Abkommen endgültig besiegeln kann, braucht | |
| sie die Zustimmung der EU-Staaten im Rat. Eine Abstimmung war noch vor der | |
| Reise geplant. Hierfür reicht eine qualifizierte Mehrheit, es müssen also | |
| mindestens 15 der 27 Mitgliedstaaten zustimmen, die zusammen mindestens 65 | |
| Prozent der EU-Bevölkerung ausmachen. | |
| Neben Frankreich stellen sich weiterhin Polen und Italien quer. Die | |
| Bundesregierung hat der Unterzeichnung des Abkommens in der vergangenen | |
| Woche zugestimmt. Die großen deutschen Wirtschaftsverbände drängen auf eine | |
| schnelle Unterzeichnung. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) | |
| forderte am Montag die Bundesregierung auf, sich entschlossen für einen | |
| Abschluss des Abkommens einzusetzen. | |
| Die EU-Kommission geht indes „weiterhin davon aus, dass das Abkommen | |
| zwischen der EU und dem Mercosur bis Ende 2025 unterzeichnet wird“, sagte | |
| eine Sprecherin der taz am Montag – allerdings „vorbehaltlich des | |
| Abschlusses der Verfahren im Rat“. | |
| ## Weltweit größte Freihandelszone | |
| Über das Abkommen wird seit 1999 verhandelt. Es soll die weltweit größte | |
| Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohner*innen schaffen. | |
| Ende letzten Jahres [1][hatte die EU-Kommission die Verhandlungen trotz | |
| Kritik einiger Mitgliedstaaten abgeschlossen]. | |
| Hinter dem Protest Frankreichs steht die Argrarlobby, die vor billigen | |
| Zucker- und Fleischimporten warnt. Frankreichs Finanzminister Roland | |
| Lescure [2][forderte im Handelsblatt,] der Vertragstext müsse weitere | |
| Maßnahmen zum Schutz der Bauern beinhalten: So sollten Kontrollen von | |
| Importen verankert werden, um sicherzustellen, dass Normen eingehalten | |
| werden. Vorgaben, die in der EU für die Produktion gelten, sollten auch für | |
| die Mercosur-Staaten gelten. | |
| Außerdem müsse die Schutzklausel verabschiedet werden. Sie sieht vor, dass | |
| die EU Zollbegünstigungen von sensiblen Agrarprodukten wie Fleisch und | |
| Zucker aussetzen könnte, wenn die Argrarindustrie stark benachteiligt | |
| würde. Die Klausel steht bereits im Vertrag, das Parlament muss ihr aber | |
| noch zustimmen. Sie ist nicht der einzige Versuch der Kommission, die | |
| Landwirte zu befrieden. | |
| ## Kritik von NGOs und Gewerkschaften | |
| Im EU-Haushalt sind 6,3 Milliarden Euro veranschlagt, mit denen Landwirte | |
| entschädigt werden können, sollten sie durch das Abkommen benachteiligt | |
| werden. Darüber hinaus sind im Vertrag Quoten für Importe von Geflügel und | |
| Rind festgelegt: Nur etwa 1,2 Prozent der acht Millionen Tonnen | |
| Rindfleisch, die in Europa pro Jahr konsumiert werden, würden demnach mit | |
| geringerem Zoll eingeführt werden dürfen. | |
| Vergangene Woche verkündete die Kommission zudem eine Verschärfung von | |
| Importkontrollen. Kontrollen in Produktionsstätten im europäischen Ausland | |
| und an den EU-Grenzen sollen verstärkt werden. Ende November musste die | |
| Kommission brasilianische Rindfleischimporte zurückrufen, nachdem darin | |
| verbotene Hormone nachgewiesen worden waren – worin sich Landwirte und | |
| Verbraucherschützer*innen in ihrer Kritik bestätigt sahen. | |
| Heftige Kritik an dem Freihandelsabkommen, die politisch weniger Gehör | |
| findet als die der Landwirte, kommt von zahlreichen Gewerkschaften, | |
| Menschenrechts- und Umweltorganisationen aus Europa und Südamerika. Sie | |
| kritisieren, [3][das Abkommen fördere Großkonzerne,] die Entwaldung in | |
| Südamerika vorantreiben sowie Kleinbäuerinnen unter Druck setzen und | |
| indigene Landrechte und Arbeitnehmerrechte missachten. Sie fürchten, dass | |
| umwelt- und klimaschädliche Exportgüter zunähmen, etwa europäische | |
| Pestizide und Autos. | |
| 15 Dec 2025 | |
| ## LINKS | |
| [1] /EU-Abkommen-mit-Mercosur-Staaten/!6050187 | |
| [2] https://www.handelsblatt.com/politik/international/mercosur-abkommen-koennt… | |
| [3] /EU-Mercosur-Freihandelsabkommen/!6090963 | |
| ## AUTOREN | |
| Leila van Rinsum | |
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