| # taz.de -- Legendäre Interview-Reihe: Im Rahmen des Rauchersalons | |
| > Mit „Zur Person“ gelang Günter Gaus ein Gesprächsformat, das den harten | |
| > Männern der Kriegsgeneration einiges entlockte. Geraucht wurde dabei | |
| > auch. | |
| Bild: Günter Gaus 1977 | |
| Männer in Anzügen, in Uniform, mit Kollar und nur [1][Gustaf Gründgens] | |
| leger im Pullover; und dann natürlich eine – ja, 1 – Frau im wohl | |
| berühmtesten Gespräch der Reihe, [2][Hannah Arendt.] | |
| Die Männer sehen aus heutiger Sicht gezeichnet aus für ihre Alter; und es | |
| ist nicht schwer, dieses Erscheinungsbild auf das exzessive Rauchen | |
| zurückzuführen, wird aber der Sache nicht gerecht. | |
| Alter ist keine natürliche, sondern eine gesellschaftliche Kategorie, sagte | |
| mir jedenfalls mal eine Ärztin, die insbesondere Frauen aus Afghanistan | |
| betreut. Im Erscheinungsbild der von Günter Gaus zwischen 1963 und 1966 für | |
| das ZDF [3][in der Reihe „Zur Person“] Interviewten spiegeln sich | |
| mindestens so sehr die furchtbaren Zeitläufe wider, denen sie ausgesetzt | |
| waren, wie der persönliche Lebensstil. | |
| „Ich glaube, dass keiner zuständig ist, über sich selbst sehr viel zu | |
| sagen“, sagt der in der ZDF-Ankündigung als „Vater der Wasserstoffbombe“ | |
| ausgezeichnete Physiker Edward Teller zu Beginn des Interviews mit ihm, die | |
| Intention der Sendereihe gleich konterkarierend. | |
| Das ist bemerkenswert und erfüllt doch das Klischee des harten, | |
| schweigsamen, persönlichen Konfessionen völlig abholden Mannes. Das stimmt | |
| und stimmt nicht. Es sind harte Brocken, denen sich [4][der Mittdreißiger | |
| Gaus] nähert; er selbst versucht im Habitus älter zu sein. Die Zeit der | |
| Autoritätenerschütterung, in der alle versuchen werden, jünger zu wirken, | |
| steht mit 68 erst noch bevor – und hält bis heute an. | |
| Die Gaus’schen Gespräche stehen an der Schwelle. Es gelingt ihm, die | |
| Panzerungen seiner Gäste punktweise zu durchdringen – nicht zuletzt durch | |
| die impertinente Kameraführung –, man bleibt aber im Rahmen des | |
| Rauchersalons, wo Herren sich gepflegt austauschen. Und da denken wir, wenn | |
| wir den Vater hören, nicht zuletzt an seine Tochter, unsere verstorbene, | |
| brillante Kollegin [5][Bettina Gaus.] | |
| 30 Dec 2025 | |
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| [3] https://www.zdf.de/interviews/zur-person-196 | |
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| ## AUTOREN | |
| Ambros Waibel | |
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