| # taz.de -- Parteiendialog mit Chinas KP: „Wir laden China ein, faire Regeln … | |
| > Der SPD-Politiker Armand Zorn möchte mit Peking im Dialog bleiben, auch | |
| > für eine Lösung des Ukraine-Kriegs. Er sieht allein den Austausch als | |
| > Erfolg. | |
| Bild: In der Großen Halle des Volkes: Finanzminister Klingbeil und Armand Zorn… | |
| taz: Sie waren vergangene Woche in Peking [1][beim Parteiendialog zwischen | |
| der Kommunistischen Partei Chinas und der SPD.] Wie war es in der Großen | |
| Halle des Volkes der KP-Führung gegenüberzusitzen? | |
| Armand Zorn: Das ist imposant, es ist beeindruckend in dieser Halle voller | |
| Symbolik zu sein. Man setzt sich an langen Tischen gegenüber, und dann | |
| trägt sehr strukturiert erst die eine und dann die andere Seite vor, | |
| Statement für Statement. Das war gut und erkenntnisreich, wir haben einige | |
| Gemeinsamkeiten identifizieren können, aber selbstverständlich auch jede | |
| Menge Differenzen. | |
| taz: Ist es noch zeitgemäß als Sozialdemokrat extra nach China zu reisen, | |
| um einer Partei die Aufwartung zu machen, die Andersdenkende brutal | |
| unterdrückt und die eigene Bevölkerung permanent überwacht? | |
| Zorn: Ja. Lieber miteinander als übereinander sprechen. Es wird ja nichts | |
| besser, wenn man nicht miteinander redet. Und wir machen das nicht aus | |
| Spaß, es geht nicht darum, dass wir eine gute Zeit mit der Kommunistischen | |
| Partei Chinas haben. Wir machen das für die Menschen in Deutschland und in | |
| Europa. Es ist in unserem Interesse, dass es diese Kanäle gibt und man mit | |
| einer politischen und wirtschaftlichen Macht wie China im Gespräch ist. | |
| taz: Es war nicht ihr erster Besuch in China. | |
| Zorn: Ich habe 2011 für sieben Monate in Chongqing gelebt und studiert. Die | |
| Kultur, die Leidenschaft und Disziplin haben mich damals schon sehr | |
| beeindruckt. Neben aller berechtigten Kritik, ist mein Appell: Wir brauchen | |
| eine realistische Perspektive. Wir können nicht nur von Berlin und Brüssel | |
| aus Politik machen, sondern brauchen mehr Verständnis für andere Länder und | |
| ihre Herausforderungen. Und deshalb war es gut, nach so vielen Jahren | |
| wieder zurückzukehren. | |
| taz: Über welche kritischen Themen haben Sie mit der KP gesprochen? | |
| Zorn: Wir haben den Krieg in der Ukraine sehr prominent angesprochen und | |
| darauf hingewiesen, dass die KP einen starken Einfluss auf Russland hat und | |
| sie diesen Einfluss geltend machen sollte, um schnell eine friedliche | |
| Lösung herbeizuführen. Darüber haben wir in Peking auch mit anderen | |
| gesprochen. | |
| taz: Mit wem? | |
| Zorn: Mit verschiedenen Botschaften, etwa der französischen und der EU. Wir | |
| hatten auch ein sehr gutes Gespräch mit dem ukrainischen Botschafter in | |
| Peking. Und das haben wir auch gegenüber der KP-Führung angesprochen. | |
| taz: Die USA haben einen Friedensplan vorgelegt, der vor allem die Ukraine | |
| zu Zugeständnissen zwingt und Russlands Angriffskrieg belohnt. Wenn das | |
| klappt, wäre das ein Freibrief für China, das die Wiedervereinigung mit | |
| Taiwan bis 2027 will? | |
| Zorn: Die Verhandlungen zum Friedensplan für die Ukraine laufen noch, und | |
| die Bundesregierung setzt sich weiterhin für wichtige Anpassungen zu | |
| Gunsten der Ukraine ein. Für Taiwan gilt jedoch: Wir halten an der | |
| Ein-China-Politik fest. Jede Veränderung des Status quo muss im Einklang | |
| mit dem Völkerrecht stehen und vollkommen gewaltfrei erfolgen. Einseitige | |
| und nicht einvernehmliche Schritte lehnen wir klar ab. | |
| taz: Welche Themen haben Sie noch mit der KP besprochen? | |
| Zorn: Es ging auch um die Überkapazitäten und Subventionen der chinesischen | |
| Industrie, die uns stark treffen und um den Marktzugang für deutsche | |
| Unternehmen. Wir haben klargemacht, dass wir uns nach wie vor für | |
| Freihandel einsetzen, aber der muss fair sein. Die chinesische Seite hat | |
| wiederum die Buy-European-Maßnahmen kritisiert. | |
| taz: Zurecht? | |
| Zorn: Wir haben darauf hingewiesen, dass China das jahrzehntelang selbst | |
| gemacht hat, um die heimische Produktion und die eigene Souveränität zu | |
| stärken. Und das muss die EU jetzt auch. Ein drittes Thema war die | |
| regelbasierte, multilaterale Ordnung. Wir erkennen an, dass viele Regeln | |
| westlich dominiert sind, wir erleben, dass die USA sich zurückziehen, es | |
| gibt mehr Alleingänge und Protektionismus. Wir haben China herzlich dazu | |
| eingeladen, faire Regeln für alle zu gestalten. | |
| taz: Konnten Sie irgendwas erreichen? | |
| Zorn: Das Gespräch an sich ist schon ein Erfolg. | |
| taz: Also nichts. | |
| Zorn: Nein, jeder Austausch ist ein Mehrwert. Wir haben verabredet, dass | |
| wir den Dialog fortführen. Im nächsten Jahr kommt eine chinesische | |
| Delegation nach Berlin. | |
| taz: Und haben Sie vor mal wieder privat nach China zu reisen, etwa in den | |
| Urlaub? | |
| Zorn: Erst mal nicht. Da gibt es andere Länder. | |
| 24 Nov 2025 | |
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| ## AUTOREN | |
| Anna Lehmann | |
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