| # taz.de -- Proteste gegen AfD-Jugend: Brandgefährliche Neutralität | |
| > Die Absage einer Veranstaltung der Studis gegen rechts in Berlin ist eine | |
| > Zäsur. Proteste gegen den Faschismus drohen von Unis verwiesen zu werden. | |
| Bild: Ein klassisches Beispiel für unerlaubte Parteilichkeit an Unis: Die Ford… | |
| Dass an Hochschulen gesellschaftliche Entwicklungen kritisch debattiert und | |
| begleitet werden, ist eine wichtige Funktion für jede Demokratie. Wächst | |
| zum Beispiel eine faschistische Bedrohung heran, die die Demokratie | |
| gefährdet, ist es essenziell, dass an Universitäten dazu geforscht wird – | |
| damit auf Basis dieser Forschung der Faschismus besser bekämpft werden | |
| kann. Es ist eine grundlegende Lehre aus dem Nationalsozialismus, dass sich | |
| die Wissenschaft gegenüber der Gewalt des Faschismus niemals neutral | |
| verhalten darf. | |
| Mit ihrer Absage der [1][Mobi-Veranstaltungen der Studis gegen Rechts] | |
| gegen die Neugründung der AfD-Jugend in Gießen haben die Leitungen der | |
| Freien Universität (FU) und der Humboldt-Universität (HU) in Berlin in | |
| diesem Anspruch versagt. Nur das TU-Präsidium hatte am Mittwoch den Mut, | |
| die Veranstaltung doch stattfinden zu lassen – wenn auch nur unter strengen | |
| Auflagen. | |
| Die FU begründet ihre Absage mit dem Gebot der hochschulpolitischen | |
| Neutralität. Diese Norm besagt, dass sich Unis als letztlich staatliche | |
| Organe überparteilich verhalten sollen, was konkret heißt: sich nicht für | |
| die Propaganda einer Partei einspannen zu lassen. Das leuchtet auch ein. | |
| Selbstverständlich darf Wissenschaft keiner Parteidisziplin unterworfen | |
| sein. Naheliegend sich auch die Gefahren, die drohen, wenn Universitäten zu | |
| einem Machtinstrument einer Regierung werden. | |
| Doch nichts davon ist in diesem Fall geschehen. Die FU muss deshalb ihre | |
| Absage mit einer krassen Überdehnung rechtfertigen, indem sie argumentiert, | |
| die Veranstaltung der Studis sei „explizit gegen eine politische Partei“ | |
| gerichtet gewesen. Eine Veranstaltung gegen die AfD-Parteijugend, die | |
| immerhin als Bindeglied zu militanten Neonazistrukturen agiert, ist aber ja | |
| nicht dasselbe, wie eine Parteiwerbeveranstaltung. Zu Ende gedacht würde | |
| die Argumentation bedeuten, dass zivilgesellschaftliches Engagement gegen | |
| die AfD grundsätzlich keinen Platz mehr an Unis hätte. | |
| ## Neutralität – im Sinne der AfD | |
| Das ist das Gegenteil der Aufgabe von Universitäten. Unis sollen | |
| Studierende zur politischen Teilhabe zu befähigen. Das kann nicht bedeuten, | |
| nur abstrakte Diskussionen zuzulassen, während konkretes politisches | |
| Engagement verhindert wird – beides ist wichtig für die Demokratie. Eine | |
| Unileitung im Einklang mit dem Neutralitätsgebot sollte deshalb jedes | |
| politische Engagement ermöglichen, das mit der freiheitlich-demokratischen | |
| Grundordnung vereinbar ist. Das trifft auf die antifaschistischen | |
| Studierenden zweifelsfrei zu – im Gegensatz zur AfD. | |
| Inzwischen haben HU und FU bestätigt, dass im Vorfeld der Absage | |
| Beschwerden der AfD gegeben hat – wenn auch die FU beteuert, die AfD sei | |
| nicht der Grund für die Absage. Tatsächlich arbeitet die AfD allerdings | |
| schon mindestens seit [2][den Protesten und Blockaden gegen den | |
| AfD-Parteitag in Riesa] daran, den Studis gegen Rechts die Räume an den | |
| Unis zu nehmen. Schon im Februar 2025 stellte der AfD-Abgeordnete Martin | |
| Trefzer (AfD) beim Senat [3][eine Kleine Anfrage], wie der denn die | |
| antifaschistischen Mobi-Veranstaltungen an Unis sehe, das damals noch | |
| stattfinden konnten. | |
| Die damalige Antwort des Senats: „Der Senat bewertet Veranstaltungen mit | |
| dezidiert parteipolitischen Werbe- oder Behinderungszwecken (…) als Verstoß | |
| gegen das allgemeine Gebot zur religiösen und weltanschaulichen Neutralität | |
| von Hochschulen“. Die aktuelle Linie, die dem Antifaschismus an Hochschulen | |
| die Zähne zu ziehen droht, wird also auch von der zuständigen Senatorin | |
| Inga Czyborra (SPD) mitgetragen. Womit mal wieder bewiesen wäre, dass eine | |
| vermeintliche Neutralität eben doch eine Positionierung ist – in diesem | |
| Fall eine gegen den Antifaschismus. | |
| 13 Nov 2025 | |
| ## LINKS | |
| [1] /Proteste-gegen-AfD-Jugend/!6129338 | |
| [2] /-AfD-Parteitag-in-Riesa-/!6061523 | |
| [3] https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-21… | |
| ## AUTOREN | |
| Timm Kühn | |
| ## TAGS | |
| Antifaschismus | |
| Schwerpunkt AfD | |
| Schwerpunkt AfD in Berlin | |
| Freie Universität Berlin | |
| Humboldt-Universität | |
| Reden wir darüber | |
| Schwerpunkt AfD | |
| Schwerpunkt AfD | |
| Schwerpunkt Antifa | |
| Schwerpunkt AfD | |
| Anti-AfD-Proteste | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| Klage gegen Polizeipräsidenten: Polizei darf nicht vor AfD warnen | |
| Oldenburgs Ex-Polizeipräsident Johann Kühme hatte in einem Interview vor | |
| der AfD gewarnt. Mit mancher Aussage verletzte er seine | |
| Neutralitätspflicht. | |
| „Widersetzen“ kündigt Blockaden an: Ungehorsam gegen die AfD-Jugend | |
| Das Bündnis „Widersetzen“ will die Gründung der neuen AfD-Jugend | |
| verhindern. Das jüngste Urteil des Verfassungsgerichtes ändert daran | |
| nichts. | |
| Proteste gegen AfD-Jugend: Berliner Unis verhindern Treffen der Studis gegen Re… | |
| Mobi-Veranstaltungen gegen die Neugründung der AfD-Jugend werden an zwei | |
| Berliner Unis kurzfristig abgesagt. Zuvor gab es Druck durch die AfD. | |
| AfD-Jugend gründet sich in Gießen neu: Bundesweite Mobilisierung gegen Höcke… | |
| In Gießen will sich Ende November die AfD-Jugend neu gründen. Vieles | |
| spricht dafür, dass es ultraradikal wird. Ein breites Bündnis plant | |
| Blockaden. | |
| Neue Bewegung Studis gegen Rechts: Vom Hörsaal auf die Straße | |
| An vielen Universitäten haben sich Ortsgruppen der „Studis gegen Rechts“ | |
| gegründet. In Riesa gehen sie gegen den AfD-Bundesparteitag auf die Straße. |