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# taz.de -- Umgang mit Fake-Expertinnen: Besser gegen Besserwisser
> Für unqualifizierte Klugscheißer und Pseudo-Experten gibt es im Jahr 2125
> eine Lösung: den Dunning-Kruger-Annihilator.
Bild: Das Prinzip „Klebefalle“: für Fakesperten im Jahr 2125
Jeder von uns kennt [1][so einen]: Den Nachbarn, der einem ungefragt die
Strategie der Bundesregierung erklärt, oder den unangenehmen Typen im
Restaurant, der die Kellnerin bei der Aussprache der französischen Gerichte
korrigiert und dabei selbst die meisten Fehler macht. Peinlich! Noch
schlimmer, wenn [2][diese Leute es bis auf die Bühne der Weltpolitik]
schaffen und mit ihrer Inkompetenz und Überheblichkeit Millionen Menschen
ins Unglück stürzen.
„Bitte sag mir, dass ihr für solche Leute eine Lösung gefunden habt“, fle…
ich meinen zeitreisenden Freund Felix an, der mal wieder aus dem Jahr 2125
zu Besuch ist.
„Aus dem Privatleben sind die nicht wegzukriegen“, sagt er. „Aber immerhin
schaffen wir es, sie von verantwortungsvollen Posten fernzuhalten.“
„Wie?“
„Wir nutzen etwas, das ähnlich funktioniert wie diese gelben Klebebänder,
an denen Fliegen hängen bleiben, nur mit Menschen.“
„Klingt ziemlich drastisch!“
„Das ist nur bildlich gesprochen! Kennst du den Dunning-Kruger-Effekt?“
„Ja“, sage ich. „Das ist das Phänomen, dass Menschen sich umso mehr selb…
überschätzen, je inkompetenter sie sind.“
„Genau. Und um den gesellschaftlichen Schaden dieser – nennen wir sie:
Fakesperten – zu minimieren, haben wir den Dunning-Kruger-Annihilator (DKA)
entwickelt. Das ist ein Verfahren, bei dem regelmäßig
Stellenausschreibungen veröffentlicht werden, die viel Prestige
versprechen, in Wahrheit aber nur Verwahrstationen für überhebliche Trottel
sind. Wenn zum Beispiel verlangt wird, man solle Erfahrung im Handling von
Fluxkompensatoren haben, die Zollbestimmungen von Lampukistan kennen oder
sich für disruptive Synergie-Morphologisierung begeistern, dann winken
seriöse Experten ab – und Fakesperten bewerben sich.“
„Und dann?“
„Wer sich im Bewerbungsgespräch mit spezialisierten [3][Psychologen]
tatsächlich als überheblicher Trottel qualifiziert hat, darf seinen neuen
Job antreten.“
„Aber der checkt doch sofort, dass das Fake ist!“
„Im Gegenteil. Er hinterfragt die automatisierten Berichte oder Analysen
nicht, weil er zu arrogant ist, um einen Fuß in die Produktion zu setzen
oder mit den Arbeitern zu sprechen. Trotzdem bekommt er regelmäßig Lob- und
Dankesschreiben, darf lange Berichte über seine eigenen Erfolge und die
Defizite von Arbeitskollegen schreiben, Präsentationen über Optimierung der
Geschäftsprozesse halten und vor allem: sich sehr wichtig fühlen!“
Beim Versuch, mir ein solches Unternehmen vorzustellen, bekomme ich eine
Gänsehaut. „Irgendwann muss doch auffallen, dass der Typ nichts kann und
auch nichts macht“, sage ich.
„Nein! Er ist ja nur von anderen Fakesperten umgeben, und ihr gemeinsames
Interesse ist es, wichtig und kompetent zu scheinen – nicht zu sein. Und
das funktioniert. Was im DKA passiert, bleibt im DKA. Eine perfekte, in
sich geschlossene, simulierte Welt für überhebliche Trottel.“
„Aber wie schafft ihr das mit der Geheimhaltung? Was, wenn den Fakesperten
jemand sagt, dass sie in einer Simulation leben?“
„Egal. Du kannst es ihnen ins Gesicht sagen und sie werden es dir nicht
glauben. Im Übrigen sind die Fakesperten sehr zufrieden. Die
DKA-Unternehmen werden regelmäßig zu den Top-Arbeitgebern gewählt, und von
allen, die dort arbeiten, hat noch nie jemand gekündigt.“
22 Jul 2025
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## AUTOREN
Theresa Hannig
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