# taz.de -- Legendäre Bremer Gaststätte bleibt: Kneipe rettet sich selbst | |
> Die Genossenschaft, die das „Horner Eck“ im Bremer Steintorviertel | |
> betreibt, kauft jetzt das ganze Haus. So bleibt auch günstiger Wohnraum | |
> erhalten. | |
Bild: Traditionskneipe gerettet: Die Genossenschaft lädt zur Hauskauf-Party in… | |
Das „Horner Eck“ im Bremer Steintorviertel ist, was manche eine | |
Traditionskneipe nennen. [1][Als vor ein paar Jahren das Aus drohte, war | |
die Gründung einer Genossenschaft die rettende Idee]. Diese Genossenschaft | |
hat nun genug Geld zusammenbekommen und das ganze Gebäude gekauft – und die | |
Kneipe damit ein weiteres Mal gerettet. | |
[2][Welche Bedeutung das „Horner Eck“ hat], ist bei der Unterzeichnung des | |
Kaufvertrags am Montag zu erahnen. „Wir haben mit fünf Personen gerechnet, | |
nicht mit 500“, sagte Notarin Laura Adamietz zu den etwa 25 Menschen, die | |
es ins Foyer ihrer Kanzlei geschafft haben. Begleitung sei sie gewohnt, | |
dass aber für eine Vertragsunterzeichnung so viele Zuschauerinnen und | |
Zuschauer kommen, „ist nicht normal.“ | |
Das „Horner Eck“ ist eben eine Institution im Viertel, das von Cafés, | |
Kneipen und Altbremer Häusern aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert geprägt | |
ist. In so einem Altbremer Haus ist auch das „Horner Eck“. Als die Kneipe | |
2018 vor dem Aus stand, führte die WG darüber sie mit Freund*innen | |
weiter. Ein Jahr später gründen sie die Genossenschaft. | |
Es gibt im „Horner Eck“ nicht nur Bier und Wein, sondern auch wechselnde | |
Ausstellungen im Kneipenraum oder Filmabende, Lesungen und Konzerte – | |
kostenlos und ohne Konsumzwang. „[3][Wir wollen das Horner Eckhaus als | |
Kulturzentrum ausbauen] und gleichzeitig günstigen Wohnraum schaffen“, | |
erklärt Alessandra Milici, Teil des Genossenschaftsvorstandes, die Idee. | |
## Genossenschaft will Haus kaufen | |
Als die Immobilienbesitzer dann entschieden, das Haus zu verkaufen, „da war | |
das für uns existenzbedrohend“, sagt Milici. Ihre Sorge: Ein neuer | |
Eigentümer könnte das Haus umbauen lassen, die Kneipe rausschmeißen | |
zugunsten von Appartements. Dann wäre nicht nur die Kneipe weg, sondern | |
auch der günstige Wohnraum. Schnell war daher klar, dass die Genossenschaft | |
das Haus kaufen möchte. | |
Um dies umzusetzen, haben sich die Genoss*innen in den vergangenen | |
anderthalb Jahren in verschiedene Arbeitsgruppen unterteilt, die sich um | |
die Öffentlichkeitsarbeit, den notwendigen Umbau und die Finanzierung | |
kümmern. Für den Hauskauf haben sie auf eine gemeinschaftliche Finanzierung | |
gesetzt: Das Geld für den Hauskauf kommt von mehr als 200 | |
Genossenschaftsmitgliedern, die mal einen Anteil à 50 Euro oder mal zehn | |
Anteile gekauft haben. Dazu kamen 70 Direktkredite mit einem Mindestwert | |
von 1.000 Euro. | |
Und sie haben es geschafft: Ab dem ersten Januar wird das Eckhaus ihnen | |
gehören. 620.000 Euro müssen sie inklusive der Kaufnebenkosten bezahlen. | |
„Immobilienpreise im Viertel sind in der Regel schon höher, aber die | |
Substanz ist nicht auf dem neuesten Stand“, so Milici. | |
## Projekt geht weiter | |
Das Projekt ist durch den Hauskauf aber noch nicht beendet, sagt Amanda | |
Küster, Teil der Bau-AG: „Die nächsten 30 Jahre werden wir immer weiter | |
Geldgeber:innen brauchen.“ Damit wolle man die Direktkredite | |
zurückzahlen und weitere Projekte finanzieren, wie die Haussanierung oder | |
den Ausbau des Dachstuhls. Dafür brauche die Genossenschaft zusätzliches | |
Geld, insgesamt soll das Hausprojekt eine knappe Million Euro kosten. | |
Eigentlich ist die Kneipe montags immer geschlossen, nur die Arbeitsgruppen | |
und das Kneipenpersonal kommen sonst zum Plenum ins „Horner Eck“. Am | |
vergangenen Montag war es anders: Unterstützer*innen und Menschen aus | |
der Nachbarschaft stoßen auf den Hauskauf an, viele tragen Shirts, die das | |
„Horner Eck“ in den vergangenen Jahren gedruckt hat, um den Hauskauf zu | |
finanzieren – mal mit dem Schriftzug der Kneipe auf der Brust, mal mit dem | |
Grundriss des Eckhauses auf dem Rücken. Der rote Teppich liegt bereit, eine | |
Nebelmaschine tut ihr Übriges. „Our House“ von Madness läuft in der Kneip… | |
Das Haus bleibt, das ist nun sicher. Wann es mit dem Umbau losgeht, ist | |
noch nicht klar: „Die Planung mit den verschiedenen Gewerken war natürlich | |
schwierig, bevor das Haus unser ist“, sagt Alessandra Milici, „aber wir | |
hoffen, dass wir nach dem Winter anfangen können.“ | |
30 Oct 2024 | |
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## AUTOREN | |
Moritz Kalvelage | |
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