| # taz.de -- Jahresausblick der Wirtschaft: Verbände: Mit Giffey kein Weiter-so | |
| > Unternehmen in Berlin und Brandenburg erwarten trotz Corona | |
| > Wirtschaftswachstum. Sie loben personellen Neustart im parteimäßig | |
| > unveränderten Senat. | |
| Bild: Verbände-Chef Christian Amsick setzt auf den Optimismus von Regierungsch… | |
| Berlin taz | Corona und ein neuer Senat in alter Parteienzusammensetzung – | |
| es hätte nahe gelegen, dass die unter dem Kürzel UVB zusammengeschlossenen | |
| Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg gerade trister Stimmung sind. Und | |
| so kommt es eher überraschend, als an diesem Dienstagmorgen | |
| UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck die Lage im Kern positiv | |
| betrachtet – und das nicht im Corona-positiven Sinne. | |
| Vier Prozent Wirtschaftswachstum sagt er für 2022 für Berlin voraus, drei | |
| Prozent für Brandenburg. Im Bundesschnitt liegen die Erwartungen bei 3,8 | |
| Prozent. „Ich bin nicht grundsätzlich pessimistisch für das Jahr 2022“, | |
| sagt Amsink, „2021 hat gezeigt, dass wir mit Widrigkeiten umgehen können.“ | |
| Traditionell laden die UVB zu Jahresbeginn zu Rückblick und Ausschau, und | |
| erneut geschieht das pandemiebedingt nur online. Trotzdem lässt aufhorchen, | |
| dass Amsinck mit der fortgeführten Koalition von SPD, Grünen und | |
| Linkspartei kein großes Problem hat. Weil neun der elf Senatsmitglieder neu | |
| in der Landesregierung sind, „kann man durchaus von einer neuen | |
| Konstellation sprechen.“ Das zeige, dass es – wie von der Regierenden | |
| Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) wiederholt betont – kein „Weiter so… | |
| geben werde. „Das wäre auch fatal angesichts der Baustellen, die der alte | |
| Senat zurück gelassen hat.“ | |
| Amsick zieht seine positive Sichtweise dabei auch aus dem Auftreten von | |
| Giffey persönlich, das von Optimismus und Zuversicht geprägt sei. | |
| „Optimismus kann ansteckend sein“, sagt der UVB-Chef. Aufbauend auf dem | |
| Ludwig-Erhard-Zitat „Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie“, misst er | |
| diesem Optimismus für Wirtschaft wie Politik große Bedeutung zu. | |
| ## Neuer Senator Schwarz „ein langjähriger Bekannter“ | |
| Lob kommt von ihm auch für die Entscheidung, den Unternehmer und | |
| Ex-Handwerkskammer-Präsidenten Stephan Schwarz, als früheres | |
| UVB-Präsidumsmitglied „ein langjähriger Bekannter“, zum Wirtschaftssenator | |
| zu machen. Grundvoraussetzung für das von ihm für möglich gehaltene | |
| Wirtschaftswachstum ist für Amsinck, „dass wir die Pandemie in den Griff | |
| bekommen“. | |
| Kritisch sehen die UVB, dass das „Neustart“-Programm des Senats für die | |
| Wirtschaft mit Auflagen wie beim Vergabegesetz verbunden sei. In der | |
| jetzigen Zeit leidende Unternehmen „noch mit Auflagen zu quälen“ könne | |
| nicht richtig sein. Zu wenig Platz im Koalitionsvertrag habe auch das Thema | |
| Brückensanierung, wo Amsinck an die jüngst erneut aufgetretenen Probleme an | |
| der Elsenbrücke erinnert: Nur ein Satz im Koalitionsvertrag dazu sei zu | |
| wenig – es müsse ein Sofortprogramm her mit fester Finanzierung im | |
| Landeshaushalt. | |
| Ablehnung kommt zudem zur beabsichtigten Anhebung des Landesmindestlohns | |
| auf 13 Euro. „Das hebelt erkennbar Tarifverträge aus“, sagt Amsinck. | |
| Neuerungen beim Vergabegesetz würden es noch schwieriger machen, sich an | |
| Ausschreibungen für Landesaufträge zu beteiligen. Von zentraler Bedeutung | |
| ist für die UVB auch die Digitalisierung der Verwaltung. Amsinck verweist | |
| darauf, dass in Nordrhein-Westfalen 344 und in Hamburg 102 | |
| Verwaltungsvorgänge online zu erledigen seien, in Berlin jedoch nur 77. | |
| Wobei er davor warnt, Digitalisierung als rein technische Angelegenheit zu | |
| betrachten: „Eine schlechte Struktur wird nicht besser, wenn man sie vom | |
| analogen in den digitalen Zustand versetzt.“ | |
| 12 Jan 2022 | |
| ## AUTOREN | |
| Stefan Alberti | |
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