| # taz.de -- Musiklager auf Spitzbergen: Evergreens auch in Tausend Jahren | |
| > Nach dem Samenlager und einem Datenarchiv soll auf Spitzbergen auch Musik | |
| > „für immer“ konserviert werden – in einer ehemaligen Kohlengrube. | |
| Bild: Eisbären wird es in 1.000 Jahren wohl nicht mehr geben. Sehr wohl aber B… | |
| Stockholm taz | Im Jahre 3021 „Yesterday“ von den Beatles hören? In der | |
| Originalfassung? Das werde dank Global Music Vault möglich werden, | |
| [1][verspricht eine norwegische Firma]. Im nächsten Frühjahr will sie in | |
| einer ehemaligen Kohlengrube auf Spitzbergen in 300 Meter Tiefe ein | |
| Musiklager eröffnen. Rund 1.000 Jahre lang sicher vor allen denkbaren | |
| Naturkatastrophen und abgesichert auch gegen einen Atombombenkrieg und die | |
| elektromagnetischen Impulse von Nuklearexplosionen sollen dort für die | |
| Nachwelt die „wertvollsten musikalischen Ausdrucksformen“ aufbewahrt | |
| werden. | |
| Vorbilder sind das Samenlager [2][Svalbard Global Seed Vault], das es seit | |
| 2008 auf der Arktisinsel gibt und in dem mittlerweile schon über eine | |
| Million unterschiedlicher Samen lagern. Zudem gibt es die [3][Datenbank | |
| Arctic World Archive], die seit 2017 in der stillgelegten Kohlengrube | |
| untergebracht ist, in die auch das geplante Musiklager einziehen will. | |
| Neben den genetischen Ressourcen von Nutzpflanzen aus aller Welt oder | |
| Sicherheitskopien von Museumsbeständen sollen auf Spitzbergen dann auch | |
| musikalische Werke „in alle Ewigkeit“ überleben können, verspricht | |
| Projektmanager Luke Jenkinson. | |
| Unterirdisches Grubenmilieu auf dieser Arktisinsel wurde wie schon für die | |
| bisherigen Lager wegen der relativen Sicherheit und geografischen | |
| Abgeschiedenheit der Insel gewählt. Die norwegische Souveränität über die | |
| 1.000 Kilometer vom Nordpol entfernt liegende Inselgruppe, die | |
| international als demilitarisiert anerkannt ist, lässt auch auf absehbare | |
| Zeit eine größtmögliche politische Stabilität erhoffen. | |
| Anders als vor eineinhalb Jahrzehnten anlässlich des Baus des Samenlagers | |
| wird bei der Vorstellung des jetzigen Projekts der Permafrostboden der | |
| Insel als zusätzliches Argument für die Eignung eines solchen Lagers eher | |
| am Rande erwähnt. Was die vermeintliche Stabiltät des Permafrosts angeht, | |
| hatten sich die Architekten des Seed Vault ja bekanntlich böse verrechnet. | |
| Wegen der Geschwindigkeit des Klimawandels und der Wassereinbrüche mussten | |
| schon nach wenigen Jahren Teile des Samentresors umfassend umgebaut werden. | |
| Bei der Auswahl der Musik, die auf Spitzbergen gelagert werden soll, wollen | |
| die Zuständigen mit dem [4][International Music Council der Unesco] | |
| zusammenarbeiten. Was Einzelheiten der Lagertechnik angeht, halten sich die | |
| Verantwortlichen noch bedeckt. Darüber werde man „in naher Zukunft“ genauer | |
| informieren. Vermutlich werden deren Basis aber, ähnlich wie beim Arctic | |
| World Archive, hochauflösende QR-Codes auf besonders haltbarem Filmmaterial | |
| sein. | |
| 1 Aug 2021 | |
| ## LINKS | |
| [1] https://www.globalmusicvault.com | |
| [2] https://www.croptrust.org/our-work/svalbard-global-seed-vault/ | |
| [3] https://arcticworldarchive.org/ | |
| [4] https://www.imc-cim.org/ | |
| ## AUTOREN | |
| Reinhard Wolff | |
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